Ralf (l.) und Michael Schumacher waren auch zu gemeinsamen Formel-1-Zeiten (meist) ein Herz und eine Seele. Foto: Imago/Thomas Melzer

„Blut ist dicker als Benzin.“ Das war immer das Motto von Michael (52) und Ralf Schumacher (46), die sich selbst nach dem „Bruder-Krieg“ vom Nürburgring 2001 wieder zusammenrauften. Und das ist auch der Grund, warum der immer im großen Schumi-Schatten stehende Ralf auch in der Netflix-Doku „Schumacher“ nur lobende Worte über seinen Ende 2013 so schwer verunglückten Bruder findet.

„Unsere Eltern mussten sehr hart arbeiten, um uns das normale Leben zu ermöglichen – aber das ist reich. Viele Reiche sind auch sehr arm, weil die Eltern gar keine Zeit haben für ihre Kinder. Aber wir hatten den Vorteil, dass unsere Eltern um uns herum waren auf der Kartbahn – und das war ein großer Spielplatz“, sagt Ralf über ihre Kindheit auf dem Erftlandring, wo Vater Rolf (75) die Leihkartbahn betrieb und Mutter Elisabeth (†53) die Gaststätte.

„Wir hatten eine schöne Kindheit“

Da brachte Michael auch dem kleinen Ralf das Kartfahren bei. „Wir hatten eine schöne Kindheit, haben viel Zeit zusammen verbracht. Er hat ganz am Anfang bei mir geschraubt. Das war sehr hilfreich. Wir haben das Überholen geübt.“

Doch Ralf gibt auch zu, dass er nicht so vom Kartfahren besessen war wie Michael: „Wir haben uns auf den Winter gefreut, da war die Kartbahn auch mal zu und wir hatten mehr Zeit für uns.“ Dann ging er auch mal mit Jugendwart Rolf Deimel (†78) und Clubkumpels schwimmen oder Pommes essen. Deimel war es auch, der Ralf pflegte, als er sich mit 14 einen Nagel in den Fuß getreten hatte.

Dann fuhr Michael schon in der Formel 3 und hatte seine eigene Wohnung. „Michael war früh aus dem Haus. Mit 16 war er weg, als er eine Lehre begonnen hat. Da war ich erst zehn“, erzählt Ralf, der über ihr Verhältnis trotz des Altersunterschieds sagt: „Es war immer gut.“

„Manchmal hatte Michael nicht mehr alle“

Na ja, als er 1997 als „Schumi II“ unter zahlungskräftiger Mithilfe seines Weltmeister-Bruders und Managers Willi Weber (79) auch in der Formel 1 fuhr, probte er schon den Aufstand. Der gipfelte nach dem Fastcrash am Nürburgring 2001 in Michaels Harakiri-Manöver 2005 in Monaco, nach dem Ralf giftete: „Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein. Der hat sie einfach nicht mehr alle.“

Auf den Bruder-Zoff geht Ralf aber nicht mehr ein, sagt über ihre Duelle milde: „In der Formel 1 war es dann etwas anders, aber auch da sehr schön.“ Zehn Jahre fuhren sie gemeinsam in der Königsklasse, und obwohl es für Schumi II nur zu sechs Siegen und keinem Titel reichte, überwiege das Positive: „Wir hatten eine tolle Zeit zusammen, vor allem auf dem Niveau und an den schönsten Orten der Welt. Das waren schöne Zeiten.“

Helmut Kohl und Coras Slip

Es waren die Boom-Jahre der Formel Deutsch, in deren Sog Manager Weber Ralf und seine damalige Frau Cora (44) zu den „Beckhams der Formel 1“ machen wollte. Alles wurde öffentlich, „sogar, welchen Slip meine Frau trägt“, erinnert sich Ralf.

Dagegen schotte ein Sebastian Vettel (34) sein Privatleben gnadenlos ab. „Die Außenwirkung, die selbst Sebastian hat, ist auch nicht schlecht. Aber wir waren damals so bekannt wie Helmut Kohl“, sagt Ralf über den damaligen Bundeskanzler.

„Ich bin froh, wenn es mal vorbei ist“

Und deshalb schlug es natürlich hohe Welle, als die Brüder aus Steuergründen in die Schweiz und nach Österreich zogen und Ralf die deutschen Steuersätze kritisierte. Diese Popularität habe auch ihre Schattenseiten gehabt: „Ich habe mir gedacht: Ich bin so froh, wenn es irgendwann mal vorbei ist.“

Dass die Doku die Schumi-Jahre jetzt wieder in die Öffentlichkeit rückt, findet Ralf gut, vermisst aber offensichtlich doch einen Teil: „Da waren viele Jahre, in denen ich nicht involviert war. Es wäre natürlich viel mehr da gewesen, es war ja eine sehr lange Zeit.“

Schumis Gesundheitszustand 

Doch letztlich ist die Doku ein Geschenk seiner Schwägerin Corinna (52) an ihren kranken Mann. Ralf: „Ich glaube, es ist zumindest in Sachen Motorsport und sportlich sehr, sehr schön getroffen. Auch viele private Einblicke, auch von der Familie, speziell der Kinder und der Mutter. Das fand ich schon sehr toll, sehr offen.“

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Nur zum Gesundheitszustand seines Bruders, nach dessen Skiunfall er mit Vater Rolf zur Klinik nach Grenoble geeilt war, will auch Ralf weiterhin nichts sagen: „Darauf  habe ich mich mit meiner Familie geeinigt.“