Mit Kappe, Hongma-Hut und guter Laune: Sebastian Vettel bei der Siegerehrung in Baku. Foto: AP/Maxim Shemetov

Mit einem aserbaidschanischen Hongma-Hut auf dem Kopf, der Trophäe für seinen zweiten Platz in der Hand und einer herzlichen Umarmung seiner Pressesprecherin Britta Röske (45) feierte Sebastian Vettel (33) in Baku seine Auferstehung.

Mit seinem ersten Podium für sein neues Aston-Martin-Team bestätigte der von vielen Experten wie Ralf Schumacher (45) schon fast abgeschriebene Altmeister seine aufsteigende Form von Monaco, wo er mit seinem fünften Platz seinen Null-Punkte-Fluch gebrochen hatte.

Vettel: Lady im Griff

Der alte Grinse-Vettel ist wieder da, weil er mit seiner grünen Rennlady „Honey Ryder“ jetzt endlich richtig warm geworden ist: „Jeder in der Formel 1 kann schnell Auto fahren, deshalb machen im Mittelfeld Kleinigkeiten den Unterschied aus. Und es hat lange gedauert, bis ich das Auto im Griff hatte, länger als ich es mir gewünscht habe. Aber dann hat es irgendwann Klick gemacht.“

Und Klick machte es bei Agent 00Vettel und seinem Bond-Auto ausgerechnet auf den beiden Fahrerstrecken in Monaco und Baku. „Wir haben wirklich den Sweet-Spot getroffen, der auf einem Stadtkurs immer entscheidend ist, um dem Auto wirklich zu vertrauen, und das ist passiert“, lobte Vettel. „Ich bin wirklich zufrieden.“

Vertrauen ins Auto

Im AMR21 pflügte er nach dem Pech im abgebrochenen Crash-Qualifying vom elften Startplatz durchs Feld. „Ich war überrascht, als ich den Alpha-Tauris und Ferraris nicht nur folgen, sondern sogar Druck machen konnte.“

Und er kochte sowohl beim Start als auch bei den Re-Starts nach den Reifenplatzern seines Aston-Martin-Kollegen Lance Stroll (22) und des verhinderten Siegers Max Verstappen (23) reihenweise höher eingeschätzte Rivalen ab. Vettel: „Das haben wir auch beim Re-Start gesehen, ich hatte einfach das Vertrauen in das Auto und wusste, was zu tun ist.“

Druck vom Milliardär

Aber er machte bei aller Freude über seine furiose Aufholjagd keinen Hehl daraus, dass er nach den ersten vier punktlosen Rennen mit den blamablen Resultaten 15, 15, 13 und 13 unter höllischem Druck von Aston-Martin-Milliardär Lawrence Stroll (61) gestanden hatte: „Die Erwartungen waren ziemlich groß am Anfang des Jahres, von außen und von innen. Unser Start in die Saison war dann sehr holprig, und deshalb ist dieses Ergebnis so wichtig.“

Nach Monaten der Experten-Prügel (Ex-Weltmeister Damon Hill: „Es tut weh, Vettel so zu sehen. Er sollte mal zur Esoterikerin gehen“) spürte er auch viel Genugtuung.

Angriff auf Ferrari

Wie beliebt der immer noch jüngste Weltmeister der Geschichte trotz seines Scheiterns bei Ferrari und der langen sieglosen Zeit (Singapur 2019) weiterhin im Fahrerlager ist, zeigten die zahlreichen Gratulanten von Sieger Sergio Perez (31) über seine alten WM-Rivalen Fernando Alonso (39) bis zu seinem Ferrari-Intimfeind Charles Leclerc (23).

Denen will Vettel nun auch auf normalen Strecken wie beim nächsten Rennen in Le Castellet (20. Juni) einheizen. „Wir haben gezeigt, dass wir mit unserer Renngeschwindigkeit an der Spitze des Mittelfelds stehen können oder sogar weiter vorne“, sagt Teamchef Otmar Szafnauer (56), „und darum geht es jetzt für den Rest der Saison.“