Wieder einmal geschlagen: Torwart Manuel Neuer musste in Sevilla sechsmal hinter sich greifen. Foto: dpa

Sevilla Ausgeträumt, Leute! Wer das DFB-Team zuletzt auf einem passablen Weg gesehen hat, sich mit der Nations League anzufreunden, bitte alles vergessen. Das 0:6 (0:3) im Gruppenfinale gegen Spanien ist mehr als nur eine Ohrfeige, es ist eine Vorführung, ein Reinfall bester Güte und eine Blamage bis auf die Knochen. Beim Spiel um den Gruppensieg gibt’s richtig was auf den Pelz, denn Jogis Jungs sind mutlos, harmlos, es ist gar nix los.

Das Mini-Länderspieljahr ist schon vorher schlimm gewesen, aber nichts ist so schlimm, dass es nicht noch hätte schlimmer kommen können. Allein die Ergebnisse hatten manchen die Augen verkleistert. Wer noch immer davon ausgeht, und bis dahin sind es nur noch drei Testspiele, dieses DFB-Team könne bei der paneuropäischen EM im nächsten Sommer eine Titel-Rolle spielen, muss sich wohl einige Lacher gefallen lassen. So wird das nichts.

Es geht viel zu leicht, wie sich dieses bis auf Joshua Kimmich und Kai Havertz aktuell vielleicht beste Team nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen lässt. Ohne Chance ist Manuel Neuer, der mit seinem 96. Länderspiel die Liste der deutschen Torhüter nun allein vor Sepp Maier (95) und Jürgen Croy (94) anführt, gegen die wohl fein, aber ohne jegliche Gegenwehr herausgespielten Tore. Sowohl Alvaro Morata köpft nach einer Ecke unbedrängt ein (17.) als auch Rodrigo (33.). Ganz zu schweigen vom Dreierpack, den Ferran Torres mit sagenhaften Schüssen schnürt. Es gehen ein Kopfball von Dani Olmo an die Latte voraus (33.) und zwei blitzsaubere Konter (55., 71.). Den Punkt aufs i setzt Mikel Oyarzabal (89.). „Das ist für jeden von uns sehr enttäuschend“, gibt Neuer zu, „wir haben es zusammen regelrecht vergeigt.“

Das hat schon was von totalem Untergang. Nichts stimmt im deutschen Spiel, gar nichts. Im Mittelfeld tauchen nicht nur Leon Goretzka und Ilkay Gündogan unter, auch Toni Kroos ist ein Schatten seiner besten und sogar nur besseren Tage. „Spanien hat uns alles vorgemacht, wie es gehen muss“, sagt der Star von Real Madrid, „bei uns dagegen hat nichts funktioniert, weder hinten und auch nicht vorn.“ Dem Moped-Angriff Serge Gnabry (nur beim 0:1 als schwacher Morata-Gegenpol zu sehen), Leroy Sané (viel zu eigensinnig) und Timo Werner (nie ins Spiel gekommen) mangelt es von der ersten Minute an Sprit. Nicht einmal die Hupe funktioniert. Hinten weiß bis auf Neuer, der noch Schlimmeres verhindert, niemand, wo ihm der Kopf steht. Die zuletzt gelobten Robin Koch und Philipp Max bekommen gnadenlos ihre Grenzen aufgezeigt und merken, dass es ein riesiger Unterschied ist, gegen einen „richtigen“ Gegner seine Klasse zu zeigen, der sogar noch Anführer Sergio Ramos wegen Verletzung verliert.

Wie ist dieses Spiel mit etwas Abstand zu erklären? Geht das überhaupt, ohne zumindest die Frage nach Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller zu stellen? Nicht einen Schuss muss Spanien-Keeper Unai Simon halten, auch weil der einzige brauchbare Angriff, abgeschlossen von Gnabry, an der Latte endet (77.). Nur hätte selbst ein Tor am Debakel rein gar nichts geändert und womöglich nur für ein „Ja, aber …“ gesorgt.