Enttäuscht über den Ausgleich: Jogi Löw.  Foto: imago images/Eibner

Aller Anfang ist schwer, gerade nach einer einmaligen Saison wie der vergangenen und einem Gefühl, das beim ersten Geisterspiel in der DFB-Historie so ganz anders ist als sonst. Dazu kommt ein Spiel, das lange so gut wie gewonnen ist, es in der 6. Minute der Nachspielzeit aber doch lange Gesichter gibt. Der Start in die Nations League ist nach dem 1:1 (0:0) gegen Spanien fast eine Niederlage.

Eigentlich ist es für Werner, gerade von Leipzig zum FC Chelsea gewechselt, ein Heimspiel. Gleich um die Ecke, in Bad Cannstatt, ist der Stürmer aufgewachsen und beim VfB zum Könner gereift. Allerdings kommt das Zuspiel von Debütant Robin Gosens so gekonnt, dass Werner nur noch einen kurzen Haken schlägt und an Sergio Ramos vorbei, der Gäste-Kapitän bestreitet sein 171. (!) Länderspiel, das 1:0 erzielt (51.). Es ist fast der Sieg, wenn es nicht sechs statt der angezeigten vier Minuten Nachspielzeit gegeben hätte, in der Gaya mit dem 1:1 dem Team von Bundestrainer Joachim Löw doch noch den Triumph entreißt.

Timo Werner jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Foto:  
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Das alles ist ärgerlich, und insgesamt sind die Vorzeichen für diesen Klassiker nicht die besten. Weder das eine noch das andere Team ist im Rhythmus, das letzte Match der DFB-Elf liegt 289 Tage zurück und auch das Personal hat mit demjenigen vom 6:1 gegen Nordirland nur minimal zu tun. Lediglich die Taktgeber Toni Kroos, der Kapitän, und Ilkay Gündogan sowie Emre Can sind vom damaligen EM-Quali-Spiel übrig. Schließlich gönnt Bundestrainer Joachim Löw allen Spielern der Bayern und von RB Leipzig nach dem Champions-League-Turnier eine Pause - außer Niklas Süle und Leroy Sané, beide kommen nach Kreuzbandrissen zu ihren Comebacks. Zudem darf Bergamo-Senkrechtstarter Gosens erstmals ran.

Nicht viel besser sind die Spanier dran. Sie sind nach den Zeiten von Andres Iniesta und Xavi gerade dabei, eine neue Ära einzuläuten. Abwehr-Haudegen Sergio Ramos und Vor-der-Abwehr-Abräumer Sergio Busquets haben mit gemeinsam 288 Länderspielen 99 mehr als der Rest des Teams. Wenigstens gibt es bei den „Furien“ etwas für die Geschichtsbücher: Mit dem 17-jährigen Ansu Fati bringt Trainer Luis Enrique zur Pause den jüngsten Spanien-Debütanten seit 1936.

Timo Werners Treffer zum 1:0 reicht nicht zum Sieg.
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Damit oder gerade deshalb ist es ein Match auf Augenhöhe. Trotzdem gibt es Chancen. Die besseren für den Gastgeber durch Thilo Kehrer (11.), Sané (18.) und Timo Werner (36.). Nur ist entweder David de Gea im Kasten auf der Höhe oder aber die Schüsse sind zu ungenau. Nicht minder wird auf der Gegenseite Kevin Trapp auf Trab gehalten. Allerdings bringen ihn ziemlich häufig die eigenen Vorderleute in Bedrängnis. Als ein Rückpass von Can total verunglückt, verpasst auch der Torhüter den Ball und muss gegen Rodrigo Moreno in höchster Not im Stile eines Abwehrspielers grätschen (14.).

Es klappt hier wie da nicht alles, andererseits ist es ein Schlagabtausch mit Anspruch – zunächst allerdings mehr für Taktik-Freaks als für Fans von Raffinesse und Kunststückchen. So stockt der Spielaufbau und auch die Zuspiele haben häufiger als gewohnt nicht das richtige Timing. Für Glanz bleibt wenig Gelegenheit, spannend bleibt es dennoch. So hat Werner nach einem Konter das 2:0 auf dem Fuß (61.), dort aber Fabian den Ausgleich (64.), der nur nicht fällt, weil Trapp, der immer sicherer wird, auf der Hut ist und sich erst in allerletzter Sekunde überwinden lässt.

Bleibt die Hoffnung, dass es am Sonntag in Basel gegen die Schweiz etwas flüssiger läuft.

Hier die KURIER-Noten der Spieler: 

Grafik: BK