Frankfurts Keeper  Kevin Trapp und Kollegen feiern ausgelassen den 2:1-Erfolg bei West Ham. imago/Revierfoto

Früher nannte man den Uefa-Cup scherzhaft den deutschen Europapokal. Weil die Bundesligisten in schönster Regelmäßigkeit den Pott abräumten. 1980, als Eintracht Frankfurt triumphierte, hatte es sogar ein rein deutsches Halbfinale gegeben mit Mönchengladbach, dem FC Bayern und  dem VfB Stuttgart. Lange her. Vor 25 Jahren gewann mit Schalke letztmals ein Bundesliga-Klub die Trophäe, die heute an den Sieger der Europa League überreicht wird. Doch nun  scheint ein innerdeutsches Finale zum Greifen nah!

Frankfurts Trainer Oliver Glasner war von seiner Mannschaft mächtig beeindruckt, sein Leipziger Kollege Domenico Tedesco sprach bereits vom deutschen Endspiel. Nach dem 2:1 bei West Ham United im Halbfinale der Europa League träumt Eintracht Frankfurt ebenso von der großen Bundesliga-Party am 18. Mai in Sevilla wie RB Leipzig, das fünf Tage nach dem 1:2 gegen den 1. FC Union zeitgleich sein erstes Duell mit den Glasgow Rangers 1:0 gewann. Es freue ihn, wenn sie ins Finale kämen, meinte Tedesco. Umso schöner sei es, wenn es zwei deutsche Teams wären.

Glückwünsche von Güdogan

Das gab es zuletzt 2013 in der Champions League zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Damals stand Ilkay Gündogan im BVB-Trikot auf dem Platz, nun ist er von der Eintracht ganz verzaubert. „Kaum ein deutscher Verein macht international so viel Spaß wie die Eintracht. Respekt an diese Mannschaft für diese Leistung, vor allem aber auch an die Frankfurter Fans. Wow!“, gratulierte der Nationalspieler vom englischen Tabellenführer Manchester City via Twitter zum Coup in London.

Auch im elften Europa-League-Spiel dieser Saison blieben die Hessen ungeschlagen und halten nun im Rückspiel am kommenden Donnerstag vor heimischer Kulisse alle Trümpfe in der Hand. „Das war unendliche Leidenschaft, ich bin wahnsinnig stolz“, sagte Eintracht-Präsident Peter Fischer über den Auftritt beim Tabellensiebten der englischen Premier League und fügte mit Blick auf das zweite Duell hinzu: „Wer uns im eigenen Stadion schlagen will, muss sich schon einiges einfallen lassen.“

Neid von Dortmunds Trainer Rose

Den Traum vom Einzug ins Endspiel der Europa League in Sevilla lebt man auch in Leipzig, die nahezu identischen, mahnenden Worte gab es auch nach dem Sieg gegen Glasgow. Über das Finale wollte Trainer Tedesco noch nicht nachdenken. „Wir wissen, dass wir noch 90 Minuten zu gehen haben“, sagte der 36-Jährige.

Während Frankfurt im Rückspiel auf die Wucht der eigenen Fans setzt, muss sich Leipzig mit der Stimmung im legendären Ibrox-Stadion der Rangers auseinandersetzen. „Wir schauen da nicht mit Angst, sondern mit Freude drauf. Das wird ein großes Vergnügen“, meinte Tedesco. Dem Coach dürfte es in Glasgow gefallen, wurde er doch mit der Atmosphäre in Leipzig beim Hinspiel offenbar nicht warm.

„Von der Stimmung her war es heute... es gibt bessere Stimmungen, das sage ich Ihnen ganz ehrlich“, sagte Tedesco bei RTL+. Den Trainer störten im nicht einmal ausverkauften Leipziger Stadion vor allem die Pfiffe gegen seine Mannschaft Mitte der zweiten Halbzeit.

Leipzigs Kicker Tyler Adams (l.) und  Josko Gvardio versuchen, den Siegtorschützen Angelino (r.) einzufangen. imago/Picture Point

Die nationale Konkurrenz ist von den Frankfurter und Leipziger Erfolgen bereits beeindruckt. „Beide machen es hervorragend“, sagte Dortmunds Trainer Marco Rose am Freitag: „Leipzig spielt auch noch im DFB-Pokalfinale. Da gucken wir aus Dortmund schon ein bisschen neidisch rüber. Aber das haben sie sich verdient und erarbeitet. Da muss man auch gönnen können.“

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