Dresdens Ulf Kirsten bei einem Kick gegen den 1. FC Magdeburg. imago/Rost

Früher war eh alles besser. Und Jens Rauschenbach brachte den Ball jetzt ins Rollen. Der 51-Jährige ist Präsident des Drittligisten Hallescher FC und hat wie so viele in der Branche ein Riesenproblem, wenn ab Mitte November für zwei Monate der Ball ruht, weil einige aberwitzige Fußballfunktionäre die WM in den Wüstenstaat Katar vergeben haben. Seine Hammer-Idee: Er möchte die Rückkehr der DDR-Oberliga haben.

Im MDR-Podcast „Badkurvenversteher“ machte sich der Inhaber einer Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungsgesellschaft für eine Ostliga stark. Weil den Vereinen in dieser Zeit vom 14. November bis 20. Januar des kommenden Jahres sämtliche Einnahmen aus dem Spielbetrieb flöten gehen, die Kosten aber weiter laufen und es einfach irrwitzig sei, bei guten Witterungsbedingungen den Ligabetrieb einfach pausieren zu lassen. „Wir beschäftigen uns mit diesem Turnierformat und sich im Austausch mit anderen Vereinen“, erklärte Rauschenbach.

Wiederbelebte Tradition der alten Ostliga

Von der Bundesliga bis runter zu 3. Liga herrscht ab dann Stillstand. Derzeit sind mit dem 1. FC Union, Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, dem 1. FC Magdeburg, dem FSV Zwickau und eben Halle sieben Vereine zwei Monate spielfrei. Eventuell sogar acht, falls sich der BFC Dynamo in der Relegation zur 3. Liga gegen Oldenburg durchsetzt und aufsteigt.

Das riecht nach einer Wiederbelebung von verloren geglaubten Klassikern, da werden Erinnerungen wach. Da zergeht einem die Tradition schon auf der Zunge. Beim Blick auf die Ewige Oberligatabelle wird man bei so klingenden Namen wie Sachsenring Zwickau, Vorwärts Frankfurt (Oder) oder Stahl Brandenburg schon leicht sentimental. Von den Exoten wie Aktivist Glückauf Brieske Senftenberg, Fortschritt Meerane oder Chemie Buna Schkopau will man gar nicht erst anfangen.

Kurze Wege, alte Rivalitäten. Fußballherz, was willste mehr! Eine echte Alternative zum Kommerz-Wahn, der in der Wüste-WM gipfelt. Angelehnt an den alten aus England kommenden Protestspruch „Football ist for you and me and not for fucking industry“! Fußball bei Bratwurst und Bier statt nur vor der Glotze. Herrlich!

Dresdens Klaus Sammer und BFC-Trainer Jürgen Bogs imago/Camera4

Da würde Geschichten erzählt werden. Von all den alten Ost-Stars. Von Dresdens Recke Ede Geyer, Jenas Peter Ducke, Erfurt-Legende Rüdiger Schnuphase oder auch von Chemie Böhlens Tormaschine Klaus Havenstein. Stoff für Epen. Von Trainer-Größen wie Klaus Sammer oder Jürgen Bogs gar nicht zu reden.

All dies ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

Die neue DDR-Oberliga könnte auch im Pokalmodus gespielt werden

Details, etwa zum endgültigen Modus, den möglichen Teilnehmern oder dem genauen Zeitraum, behielt Rauschenbach aber noch für sich. Es gäbe je nach Teilnehmerzahl Planspiele für einen Ligabetrieb oder auch einen Pokalmodus.

Und auch ohne eventuell abgestellte Nationalspieler wäre jeder Ostklub zahlenmäßig ja so aufgestellt, dass er Spiele bestreiten könnte. Vielleicht nicht mit der allerbesten Mannschaft. Aber das würde der interessierte Fan sicherlich verkraften können.

Ein irrer guter Einfall oder eine Schnapsidee?

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