Erlebte eine Horroer-Saison und steigt dieses Wochenende zum letzten Mal in seine Ferrari-Gurke: Formel-1-Pilot Sebastian Vettel. Foto:  Imago Images

Das einst stolze Ferrari liegt am Boden. Die Scuderia fährt als WM-Sechster die schlechteste Saison seit 1980 (10.), und die geht beim WM-Finale in Abu Dhabi (Sonntag, 14.10 Uhr, RTL & Sky) mit einem Beben zu Ende. Präsident Louis Camilleri (65) tritt zurück, Teamchef Mattia Binotto (51) verließ krank die Strecke und dem aussortierten Sebastian Vettel (33) droht ein unwürdiger Abschied.

Präsident weg

Louis Camilleris Rücktritt aus „persönlichen Gründen“ lässt viele Fragen offen. Der Nachfolger des 2018 gestorbenen Sergio Marchionne (†66) war zuletzt an COVID-19 erkrankt und nach einem schweren Verlauf erst kürzlich wieder nach Hause zurückgekehrt. Doch im Gegensatz zum desaströsen Formel-1-Team war das Geschäftsjahr mit den Straßenautos ein Erfolg. Ferrari steigerte den Börsenwert auf 29 Milliarden Euro und das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf 7,3 (VW kommt auf 0,4). Seinen Posten übernimmt vorübergehend Verwaltungsratspräsident John Elkann (44).

Teamchef krank

Auch Mattia Binotto bleibt eine rätselhafte Figur. Nachdem der „Binocchio“ bei den Rennen in Istanbul und Bahrain in der Fabrik in Maranello geblieben war und Vettel das beste Rennen bzw. Qualifying des Jahres fuhr, kehrte er in Sakhir zurück und Vettel fuhr als Zwölfter wieder unter ferner liefen. Nun reiste der Italiener krank aus Abu Dhabi ab, laut Team nicht wegen einer COVID-19-Erkrankung, sondern einer „normalen“ Unpässlichkeit. Das passt ins Bild dieser Seuchensaison, in der sein Team durch seine Fehlkonstruktion SF1000 mit dem Schlapp-Motor erstmals seit 2014 sieglos bleibt.

Vettels trauriger Abschied

Nach sechs Jahren, zwei Vize-Titeln und 14 Siegen (mehr haben nur Michael Schumacher und Niki Lauda) wird der 2015 als Hoffnungsträger gefeierte Vierfach-Weltmeister fast wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt. Im Training wurde er nur 14., wieder hinter Binotto-Liebling Charles Leclerc (23), auf dessen Fahrstil alle Entwicklungen abgestimmt wurden. Immerhin zeigt der Monegasse Größe und fährt mit einem Helm im Vettel-Design und mit dem Schriftzug „Danke Seb“.

Vettel gibt sich selbst eine Mitschuld am Scheitern: „Man steht sich manchmal selbst im Weg, es gibt sicher auch Dinge, die ich falsch gemacht habe. Manchmal war es die Art und Weise, wie man mit den Leuten spricht, manchmal die Dinge, die man als Priorität ansieht.“ Er hoffe, dass das Klima bei Aston Martin besser werde: „Jeder Mensch ist unterschiedlich, aber trotzdem hat jeder wohl gerne ein Umfeld, wo man füreinander einsteht und füreinander arbeitet.“ Das war bei Ferrari offensichtlich nicht der Fall.