Einer der bunten Darts-Vögel und stets mit Irokesenfrisur: Peter Wright www.imago-images.de

96 Teilnehmer, 2,5 Millionen britische Pfund Preisgeld. Seit Mittwoch läuft die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace. In Deutschland überträgt der Sender Sport 1 jeden Tag live.

Und der Ally Pally wird wieder zum Tollhaus. Trotz Corona-Pandemie werden im Gegensatz zur Vorjahr über 3000 singende und verkleidete Zuschauer bei jeder der 28 Sessions dabei sein. 

Neben den üblichen Favoriten auf den Titel sind auch in diesem Jahr wieder einige kuriose und spannende Charaktere dabei. Der KURIER stellt sie Ihnen vor. 

Fabian Schmutzler (16).  dpa/Gabi Brock/PDC-Europe

Fabian Schmutzler: Aus dem Kinderzimmer auf die Dart-Bühne

Fabian Schmutzler hat schon vor seinem ersten Spiel gewonnen: drei Tage schulfrei. Anstatt in dieser Woche zwei Klassenarbeiten zu schreiben, darf der 16-jährige Frankfurter bei der Darts-WM im Alexandra Palace –dem Ally Pally – antreten. Gibt es bei den vorherigen Spielen keine Marathon-Matches, wird Schmutzler am Donnerstag um 21 Uhr gegen Ryan Meikle beim größten Darts-Turnier der Welt debütieren und damit auch offiziell der zweitjüngste Spieler sein, der jemals bei einer WM angetreten ist.

Und es könnte noch geschichtsträchtiger werden: Bei einem Sieg, wäre er der jüngste Spieler, der ein WM-Spiel gewinnen konnte und würde, neben der finanziellen Belohnung von knapp 18.000 Euro, in den sportlichen Genuss eines Duells mit Peter Wright, dem Weltmeister von 2020 kommen. 

Gerwyn Price ist Titelverteidiger bei der Darts-WM in London. imago/Pro Sports Images

Gerwyn Price: Der Muskelprotz

Der muskelbepackte Weltmeister spart nicht mit Kampfansagen: Price, einst Rugby-Profi, will der erste Spieler werden, der die Weltrangliste mit über zwei Millionen Pfund Preisgeld anführt. Dafür ist die erfolgreiche Titelverteidigung unabdingbar. Zuletzt zeigte sich der Waliser wieder in Bestform und gewann den Grand Slam. Auch für Legende und Rekordweltmeister Phil Taylor ist der „Iceman“ der große Favorit.

Peter Wright.   imago/Pro Sports Images

Peter Wright: Der Paradiesvogel

Auch in diesem Jahr zählt der Schotte wieder zu den großen Favoriten auf den WM-Sieg. Peter Wright gewann mit den Players Championship Finals die Generalprobe für die WM und liegt in der Weltrangliste auf dem zweiten Platz.

Aber: Nachdem „Snakebite“ jahrelang aufgrund seiner bunten Irokesenfrisur, dem aufgemalten Schlangenbild am Kopf sowie den knalligen und oft skurrilen Outfits zu den absoluten Lieblingen der Fans zählte, musste der Weltmeister von 2020 dieses Jahr vermehrt mit Pfiffen der Fans klarkommen. Bleibt nur die Frage: Ob seine Tanzeinlagen vor Beginn eines jeden Matches die Zuschauer auf seine Seite ziehen können?

Michael van Gerwen.  imago/GEPA pictures

Michael van Gerwen: Der einstige Dominator

Der Niederländer ist bei der WM erstmals seit acht Jahren nicht mehr an Position eins gesetzt. Und das hat Gründe: In diesem Jahr holte der 32-Jährige keinen einzigen Major-Titel - das passierte ihm zuletzt 2012. „Mighty Mike“ lässt vor allem seine gefürchtete Kaltschnäuzigkeit in den entscheidenden Momenten vermissen, mit der er die Szene über Jahre dominiert hatte. Abschreiben darf man ihn dennoch nicht.

Jonny Clayton. imago/Pro Sports Images

Jonny Clayton: Der Aufsteiger des Jahres

Der noch berufstätige Stuckateur ist die Überraschung des Jahres. Nach einer Leistungsexplosion heimste der Waliser drei Major-Titel ein und gewann die prestigeträchtige Premier League. In der Weltrangliste kletterte „The Ferret“ (das Frettchen) von Rang 17 bis auf den achten Platz. Bei der WM erreichte Clayton jedoch noch nie das Achtelfinale. Trotzdem zählt er zu den Mitfavoriten.

Dimitri van den Bergh. imago/Pro Sports Images

Dimitri van den Bergh: Der träumende Außenseiter

Eher Außenseiterchancen werden dem Belgier Dimitri van den Bergh eingeräumt. Zwar schob sich der „Dreammaker“ in diesem Jahr bis auf Platz fünf der Weltrangliste vor, doch der ganz große Erfolg blieb trotz ausgiebigen Trainings mit seinem Mentor Peter Wright aus. Punkten kann van den Bergh definitiv mit seinem Walk-on: Dann läuft der Welthit „Happy“ und der 27-Jährige verzückt die Zuschauer mit einer kleinen Tanzeinlage.

Paul Lim (67, rechts). imago/Pro Sports Images

Paul Lim: Der Liebling der Fans

Der 67-Jährige ist der älteste WM-Teilnehmer im 96-köpfigen Feld - und absoluter Fanliebling. Wenn der Oldie aus Singapur zu dem Klassiker „Walk of Life“ von der Rockband Dire Straits die Bühne betritt, grölen die Zuschauer im Alexandra Palace seinen Namen. Der „Singapore Slinger“ warf 1990 den ersten Neun-Darter bei einer WM.

Steve Beaton.  imago/Pro Sports Images

Steve Beaton: Die Immer-da

Der 57 Jahre alte Engländer mit dem markanten Schnauzbart und dem weit aufgeknöpften Hemd ist zum 21. Mal bei der WM dabei - und damit der Rekordteilnehmer im diesjährigen Teilnehmerfeld. Seit 2002 gehört der „Bronzed Adonis“ zum festen Bestandteil des Jahreshöhepunkts in London. Das Viertelfinale erreichte er jedoch noch nie, lediglich drei Achtelfinal-Teilnahmen stehen in seiner Vita.

Fallon Sherrock. dpa/Tess Derry

Fallon Sherrock: Die Queen of Darts

Die „Queen of the Palace“ ist zurück – und wahrscheinlich stärker denn je. Vor zwei Jahren schlug sie als erste Frau der WM-Geschichte einen Mann und wurde schlagartig weltberühmt. Nach der verpassten Qualifikation im vergangenen Jahr sorgte die 27-Jährige zuletzt für Furore.

Beim World-Series-Turnier in Dänemark verlor sie erst im Endspiel, beim Grand Slam erreichte sie das Viertelfinale und spielte in ihrer zweiten Partie einen Schnitt von über 100 Punkten – jeweils ein Novum für eine Frau. Im kommenden Jahr könnte sie sogar eine Wildcard für die Premier League ergattern.

Ky und Raymond Smith. Dart Players Australia

Raymond & Ky Smith: Papa und Sohn

Die Familie Smith aus Australien sorgt bei der WM für ein Novum: Noch nie qualifizierten sich zwei Teilnehmer in einer Vater-Sohn-Beziehung. Vater Raymond ist nach 2019 bereits zum zweiten Mal dabei, Sohn Ky absolviert seine erste Saison in der PDC. Beide gelten als krasse Außenseiter.

Raymond van Barneveld.   imago/Pro Sports Images

Raymond van Barneveld: Der fliegende Holländer ist zurück

Der fünfmalige Weltmeister  ist nach seinem eigentlich bereits verkündeten Karriereende wieder dabei. Der 54-Jährige hat kommende Woche Montag seine erste Partie - sollte „Barney“ diese gewinnen, wartet der Engländer Rob Cross und damit eine schwere Aufgabe in der zweiten Runde. Bei seinen holländischen Fans von der „Barney Army“ hat er heute schon gewonnen.