Da staunt er selbst: Jrue Holiday kassierte für seinen Acht-Sekunden-Einsatz rund 280.000 Euro wegen einer kuriosen Klausel. Foto: Imago

Die Basketball-Welt diskutiert über Jrue Holiday. Der 31 Jahre alte Point Guard des amtierenden Meisters Milwaukee Bucks steht im letzten Spiel der regulären NBA-Saison für nur acht Sekunden auf dem Feld  – und kassiert dafür rund 280.000 Euro.

Clever oder einfach nur dreist?

Holiday machte seinem Namen beim Spiel gegen die Cleveland Cavaliers auf jeden Fall alle Ehre. Der US-Amerikaner provozierte kurz nach dem Tip-off ein Foul, verließ lächelnd das Spielfeld, klatschte mit den Teamkollegen, die sich ebenfalls ein Lachen nicht verkneifen konnten, ab und kehrte nicht wieder zurück.

Der Grund: In Holidays Vertrag war ein Bonus von 306.000 Dollar vorgesehen, wenn er in dieser Saison 67 Spiele bestreiten würde und dabei 3,15 Rebounds pro Spiel holt. Mit einem Durchschnitt von 4,6 hatte er die eine Voraussetzung vor der letzten Partie locker erfüllt, allerdings stand er in der laufenden Saison erst bei 66 Partien auf dem Court.

Holiday sorgt in der NBA für Diskussionen

Eigentlich wollten die Bucks, die schon länger für die Play-offs qualifiziert sind, Holiday schonen. Milwaukee Coach Mike Budenholzer schickte mehr oder weniger nur Ersatzspieler aufs Feld, spekulierte, im Fall einer Niederlage auf den dritten Play-off-Platz zurückzufallen, um ein mögliches Erstrundenmatch gegen die wiedererstarkten Brooklyn Nets zu vermeiden. Einzige Ausnahme: Jrue Holiday.

Während viele Fans über Holidays Acht-Sekunden-Einsatz und die 280.000 Euro diskutieren, sind andere – darunter auch Coach Budenholzer – der Meinung, Holiday habe sich die Extra-Kohle durch seine Leistung in dieser Saison mehr als verdient. Das sahen auch seine Teamkollegen so, die herzhaft mit Holiday über seinen Acht-Sekunden-Einsatz lachten.

Übrigens: Gespielt wurde auch noch. Ohne Holiday verloren die Bucks wie geplant mit 115:133 gegen die Cavs und landeten damit auf dem dritten Platz im Osten.

So schnitten die Deutschlands NBA-Profis in dieser Saison ab

Play-off-Teilnehmer:

Daniel Theis (Boston Celtics): Hinter dem Center der deutschen Nationalmannschaft liegt eine echte Achterbahnfahrt. Angefangen hat Theis die Saison bei den Houston Rockets, dem schlechtesten Team im Westen. Der mittlerweile 30-Jährige sollte als Veteran vorangehen, doch es passte einfach nicht. Die Rückkehr zu den Boston Celtics im Februar war dann eine echte Erlösung für den Niedersachsen, der seit der Verletzung von Robert Williams III Ende März auch als Starter überzeugt. Als Zweiter der Eastern Conference gehen die Celtics mit viel Selbstvertrauen in die erste Play-off-Runde gegen ein Team, das noch durch die Qualifikation muss.

Maximilian Kleber (Dallas Mavericks): Hinter dem 30 Jahre alten Würzburger liegt eine wechselhafte Saison. Immer wieder machten dem Defensivspezialisten Blessuren zu schaffen, wie aktuell am Knöchel. Der athletische Profi kam somit nur in 59 von 82 Spielen zum Einsatz, dabei fiel sein Dreier mit 32,5 Prozent Trefferquote in dieser Saison nicht so zuverlässig wie erhofft. Die Mavs treffen nun in der ersten Play-off-Runde auf Utah Jazz – mit dem klaren Ziel, im Gegensatz zum vergangenen Jahr weiterzukommen.

Isaac Bonga (Toronto Raptors): Der vielseitige 22-Jährige erhielt in dieser Saison kaum Spielzeit bei den Kanadiern. Nach den Play-offs, die Toronto gegen die Philadelphia 76ers startet, wird Bonga seine Zukunft überdenken müssen.

Hartenstein kämpft noch um Play-off-Teilnahme

Isaiah Hartenstein (Los Angeles Clippers): Seinen Vertrag musste sich der 23-Jährige erst im Trainingscamp verdienen – jetzt ist er aus dem Team der Clippers kaum noch wegzudenken. Hartenstein hat den Durchbruch geschafft und kam auf 68 Einsätze. Dabei erzielte er in rund 18 Minuten Spielzeit pro Partie mit steigender Tendenz mehr als acht Punkte im Schnitt und überzeugte dazu an den Brettern. Der Nationalspieler duelliert sich in der Play-off-Quali mit L. A. mit den Minnesota Timberwolves und hat sich für Vertragsverhandlungen nach Saisonende in eine exzellente Ausgangsposition gebracht.

Wagner-Brüder und Schröder verpassen Play-offs

Dennis Schröder (Houston Rockets): Der Spielmacher der Nationalmannschaft hat eine verlorene Saison hinter sich – und steht nach Vertragsende vor wegweisenden Verhandlungen. Nachdem er zuvor ein hochdotiertes Angebot der Los Angeles Lakers ausgeschlagen hatte, kam Schröder vor dem Beginn der Spielzeit in Boston unter, wurde im Frühjahr dann aber im Tausch mit seinem Kumpel Theis nach Texas transferiert. In seinen Statistiken fiel Schröder hinter die Werte zurück, die er einst in Atlanta, Oklahoma oder auch L. A. auflegte. Der nächste Schritt des Braunschweigers, der unbedingt an der Heim-EM (ab 1. September) teilnehmen will, muss sitzen.

Franz und Moritz Wagner (Orlando Magic): Franz Wagner legte einen Kometenstart in die beste Basketballliga der Welt hin. Bei einem der schlechtesten Teams begeisterte der 20-Jährige mit seinem Basketball-IQ und erzielte auf Anhieb in 79 Einsätzen durchschnittlich 15,2 Punkte, er dürfte auch künftig eine zentrale Rolle bei dem jungen Team aus Florida einnehmen.

Ob sein rund dreieinhalb Jahre älterer Bruder Moritz diese Chance auch erhält, ist offen, sein Vertrag galt nur für die abgelaufene Saison. Mit knapp neun Punkten in 15 Minuten Spielzeit hat er sich bei seinen 62 Einsätzen als durchaus zuverlässige Option von der Bank erwiesen.

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