Sebastian Vettel raste nach seinem Defekt in die Styroporbande. Foto: Imago Images/Andy Hone

Was für ein verrücktes PS-Spektakel in Monza. Im Autodromo wurde einmal mehr Geschichte geschrieben. Pierre Gasly (24) gewann sensationell sein erstes Formel-1-Rennen – im Billigauto Alpha Tauri, weil sich alle Favoriten selbst ins Knie schossen. Ferrari erlebte im 999. Grand Prix ein Debakel mit einem frühen Doppel-Aus von Sebastian Vettel (33) und Charles Leclerc (22).

Den ersten tragischen Auftritt hatte Dauer-Pechvogel Vettel bei seinem traurigen Abschied aus Monza. In der 7. Runde explodierte die Bremsleitung am linken Hinterrad. Die Hydraulikflüssigkeit fing Feuer und er krachte durch die Styroporbanden in der Schikane. Dabei hatte Vettel noch Glück im Unglück, denn exakt so ein Defekt kostete sein Vorbild Jochen Rindt (†28) vor 50 Jahren in der Parabolica das Leben.

An dieser Tragödie musste auch Vettel denken. „Wir haben es schon die Runden zuvor gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Gut, dass es nicht an einer schnelleren Stelle passiert ist.“ Seine rote Ferrari-Gurke SF1000 ist nicht nur langsam, sondern lebensgefährlich. „Man denkt, es geht nicht mehr schlimmer, doch es geht immer noch schlimmer in diesem Jahr. Aber was bleibt mir denn übrig?“, sagte Vettel entsetzt.

Nach einer langen Liste von Technik- und Taktikpannen war schon von Sabotage die Rede, wobei der Bremsdefekt natürlich eher der Schlamperei zuzuschreiben ist. Auf die Frage, ob er sich gegenüber Leclerc benachteiligt fühle, sagte Vettel: „Da will ich gar nicht drauf eingehen. Die Jungs leiden mehr an solchen Vorfällen und ich bin auch nur ein Teil des Teams.“

Zumal es diesmal auch seinen Intimfeind erwischte. Leclerc verlor in der Safetycar-Phase in der 25. Runde die Kontrolle über seine Rote Gurke – ausgerechnet in der schnellen Parabolica – und krachte mit hohem Tempo in die Reifenstapel. Leclerc blieb zum Glück unverletzt.

Ferraris Erfolglos-Teamchef Mattia Binotto (50) fiel nur noch ein: „Das ist der schlimmste Ausgang eines schwierigen Wochenendes.“ Und Vettel flüchtete mit seinem Rennrad von der Strecke und sich wieder in Galgenhumor: „Am Dienstag bin ich im Simulator, das Auto hält wenigstens.“

Einen schwarzen Sonntag erlebte diesmal aber auch Mercedes. Weltmeister Lewis Hamilton (35) wurde auf dem Weg zum 90. Grand-Prix-Sieg von einer Stop-and-Go-Strafe gestoppt und nur Siebter. Der Brite war in die wegen des havarierten Haas von Kevin Magnussen (27) gesperrte Boxengasse gefahren und hatte wie sein Team das entsprechende Signal übersehen. Und sein Edelhelfer Valtteri Bottas (31) wurde nach einem Schneckenstart und Problemen mit den Motoreinstellungen nur Fünfter. Doch Mercedes-Teamchef Toto Wolff (48) nahm es sportlich: „Wir haben verloren, aber die Formel 1 hat gewonnen. Das ist ein junges Podium, das Spaß auf die Zukunft macht.“

Damit meinte er neben Sieger Gasly den spanischen McLaren-Jungstar und künftigen Vettel-Nachfolger Carlos Sainz jr. (26) und den kanadischen Racing-Point-Piloten Lance Stroll (22), dessen Cockpit Vettel übernehmen soll. Doch vielleicht tritt Vettel auch am Saisonende zurück und Mick Schumacher vertritt die deutschen Farben in der Formel 1. Schumis Sohn raste nach seinem ersten Sieg in einem Formel-2-Hauptrennen im Sprintrennen auf Rang drei und ist nun voll im Titelkampf.

„Was für ein fantastisches Gefühl, ich bin überwältigt“, sagte Mick, dem von Ferrari-Teamchef Binotto ein großartiger Job bescheinigt wurde. Noch in dieser Saison soll Mick im Alfa Romeo von Kimi Räikkönen (41) ein Freitagstraining bestreiten und den Finnen eventuell 2021 beerben. Doch Mick bleibt auf dem Teppich: „So ein Lob ist schön zu hören, aber ich konzentriere mich erstmal auf die Formel 2.“