Lena Hentschel (r) and Tina Punzel bei ihrem Auftritt bei den Olympischen Spielen in Tokio. AP: Dmitri Lovetsky

Zwei Medaillen am Auftakt-Wochenende – zwei Berlinerinnen lassen den deutschen Traum-Auftakt bei Olympia wahr werden. Erst gewinnt Lena Hentschel mit Tina Puntzel Bronze im Wasserspringen, dann schießen sich Lisa Unruh und Co. mit dem Bogen auf Rang drei. Zwei dicke Überraschungen. So darf es gerne weitergehen.

Mit Glückskeks zu Olympia-Bronze

Bevor Tina Punzel und Lena Hentschel zur olympischen Schwimmhalle aufbrachen, steckte ihnen ihre Physiotherapeutin einen Glückskeks zu. Die Botschaft darin: „Sie werden eine gute Nachricht bekommen.“ Ein paar Stunden später hängten sich die Wasserspringerinnen gegenseitig die Bronzemedaille um den Hals – das erste Edelmetall für die deutsche Mannschaft in Tokio.

„Vielleicht war es das kleine Fünkchen Glück, das wir gebraucht haben“, sagte Hentschel nach dem Coup. Der Weg zur ersten Medaille im Synchronspringen vom 3-m-Brett war eine echte Nervenprobe. Punzel hatte die Entscheidung im Wärmebecken zunächst gar nicht mitbekommen. Ohne Brille konnte die 25-Jährige die Anzeigetafel nicht lesen, also überbrachte ihre Partnerin die frohe Botschaft. „Ich wusste: Es ist Bronze“, erzählt Hentschel, „ich habe Tina angeguckt, und dann war es passiert.“ Das Duo fiel sich um den Hals, Bundestrainer Lutz Buschkow sprang ein paar Meter weiter herum wie ein Hampelmann.

Bronze dank Italiens Pech

Die beiden hatten nach ihrem letzten Sprung noch warten müssen, denn die Italienerinnen lagen vorm letzten Durchgang noch knapp vor ihnen. Dann aber verpatzten Elena Bertocchi und Chiara Pellacani ihren Abschluss. „Ich hab’s spritzen sehen“, berichtet Punzel, „Lena meinte, bei denen steht nicht Platz drei. Da hab ich gesagt, dann muss er ja bei uns stehen.“

Bronze-Duo Lena Hentschel (r.) und Tina Punzel Imago/Giorgio Scala

So war es. Der größte Erfolg für die viermalige Europameisterin und ihre Partnerin ist auch der Lohn harter Arbeit. „Das ist das, wofür wir fünf Jahre trainiert haben“, sagte Punzel mit belegter Stimme, „dass der Plan so aufgegangen ist, ist super schön, gar nicht in Worte zu fassen.“

Hentschel zog für den Olympiatraum von Berlin nach Dresden

Hentschel war extra von Berlin nach Dresden umgezogen, damit das Duo häufiger zusammen trainieren konnte. Dafür nahm die Schülerin sogar in Kauf, die elfte Klasse wiederholen zu müssen. „Das hat sich alles ausgezahlt“, sagte sie mit glänzenden Augen, „die anderthalb Jahre haben uns zu dieser Medaille verholfen. Jetzt wird gefeiert.“

Die Berliner Bogenschützin Lisa Unruh holte mit ihrem Team ebenfalls Bronze Imago/Sergei Bobylev

Punzel freute sich „auf ein Glas Sekt“. Weil sie bereits morgen mit Christina Wassen schon wieder vom Turm springt, gebe es „keine Riesenparty, aber eine kleine können wir veranstalten“. Für ihre Zimmerkollegin sind die Olympia-Wettkämpfe dagegen schon beendet: „Ich kann jetzt durchdrehen.“

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Party auch bei den Bogenschützinnen. Lisa Unruh (Berlin), Michelle Kroppen (Jena) und Charline Schwarz (Feucht) schlugen im Teamwettbewerb im Duell um Platz drei Belarus 5:1. Zuvor hatten Unruh und Co. im Yumenoshima Park Archery Field durch das 1:5 gegen das Russische Olympische Komitee (ROC) das Finale um Gold verpasst. Trotzdem schwärmte Unruh, die 2016 mit einem sensationellen Siegeszug im Einzel von Rio schon Silber gewonnen hatte, nach der ersten erste Team-Medaille seit Sydney 2000: „Überwältigend! Arschbacken zusammen, Bäääm! Es war geil.“ Genau!