Hamsat Shadalow stützt sich in einer Trainingspause auf die Seile.
Hamsat Shadalow stützt sich in einer Trainingspause auf die Seile. Foto: Mike Fröhling

Große Bühne für Hamsat Shadalow (23) Sonnabend im Tempodrom. Bei der „Wassermann“-Box-Gala steigt der Deutsche Leichtgewichtsmeister erstmals als Profi gegen den Georgier Afaladse in den Ring.

Shadalow gilt in der Box-Szene keineswegs als graue Maus. Hamsat lieferte beim Olympiaqualifikations-Turnier richtig gute Kämpfe ab und gehörte in Tokio neben Nadin Apetz und dem Hamburger Schwergewichtler Amar Abduljabbar zum deutschen Box-Trio. Gegen den Argentinier Mirco Cuello schied er in der Vorrunde mit 2:3 aus.

Olympia trotz Profi-Kampf weiter möglich

Hamsat Shadalow (l.) im Ring gegen Kurt Walker aus Irland.
Hamsat Shadalow (l.) im Ring gegen Kurt Walker aus Irland. Foto: Imago Images

Aber Olympia behält Hamsat weiter im Auge. Er bleibt auch weiter im Training am Olympiastützpunkt in Berlin. Als nächsten Einsatz für den Marzahner plant der DBV die Europameisterschaften. „Die Wechsel zu den Profis sind jetzt möglich, weil es der Internationale Verband erlaubt, sowohl bei den Profis als auch im olympischen Boxen in den Ring zu steigen“, erklärt Berlins Landestrainer Ralf Dickert. Deshalb lassen neben Shadalow auch Paul Wall und Murat Yildirim vom Berliner Olympiastützpunkt die Fäuste fliegen. Trotz Profiboxen gibt Shadalow zu: „Ich habe gleich nach Tokio über einen zweiten Olympiazyklus in Richtung Paris nachgedacht.“

Alles begann in Marzahn

„Boxen statt Gewalt“ unter diesem Motto lockt Harald Lange seit 1993 Scharen von Mädchen und Jungen in die Boxhallen. „Seit uns der Stadtbezirk Marzahn die Sporthalle in der Eisenacher Straße mietfrei überlässt, trainieren rund 300 Jugendliche aus verschiedenen Stadtbezirken und aus dem Brandenburger Kreis Märkisch Oderland bei uns. Jedes Jahr schicken wir vier bis fünf Boxer an die Sportschule“, erklärt Harald Lange.

Manchmal entdecken sie ein Toptalent wie eben Hamsat Shadalow, der gern über seine bisherige Boxer-Karriere erzählt: „Ich bin in Grosny geboren. Als Kriegsflüchtling verschlug es mich als Kleinkind von zwei Jahren mit meiner Familie nach Hagen in Westfalen.“ Später zogen die Shadalows zu Verwandten nach Berlin.

Sportsoldat seit fast zwei Jahren

„Ich war acht Jahre alt, als ich von meinem Kumpel Magomed Shakmusajew von ‚Boxen statt Gewalt‘ gehört habe. Wir meldeten uns in der Eisenacher Straße bei Trainer Dirk Käsebier an. Sieben Jahre habe ich bei Herrn Käsebier trainiert und viel gelernt, dann durfte ich zu Trainer Egon Omsen an die Sportschule. Jetzt bin ich bei Herrn Dickert am Olympiastützpunkt und seit 1. April 2020 gehöre ich zur Sportfördergruppe der Bundeswehr in Frankfurt (Oder).“

Morgen macht er nun den nächsten Schritt, gibt sein Profidebüt. Shadalow: „Ich bin gespannt und habe viel Respekt. Mal sehen, wie ich mit der größeren Rundenzahl klarkomme.“

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