Dreimal den Schweizer Torwart Yann Sommer überwunden, aber zum Sieg reichte es nicht. Foto: Imago Images

Was ist das nur für ein komischer Länderspiel-Dreier innerhalb von sieben Tagen für Jogi Löw und sein Team geworden. Von Klasse und Souveränität war beim 3:3 gegen die Türkei nichts zu sehen, in der Ukraine kaschierte das 2:1 so manche Unebenheit, doch das erneute 3:3 (1:2) zum Abschluss der Woche gegen die Schweiz bringt in der Nations League fast das dicke Ende. So eine Art Spektakel, Jogi, ist nichts für schwache Nerven.

Nach dem Knotenlöser von Kiew haben alle auf Entspannung gehofft, auf Lockerheit, ein bisschen auch auf Eleganz und vor allem auf Struktur. Die eine oder andere Nuance ist zu sehen, besonders das Hackentor vom zuvor eher wirkungslosen Serge Gnabry zum 3:3 gehört in die Kategorie Kunststück (60.). Nur: Insgesamt wird es einfach nicht besser. Es knirscht, es wackelt, es bleibt labil. Ganz krass: Hinten holpert es ein ums andere Mal und auch im Spielaufbau geht zu oft die Präzision verloren.

So macht es klatsch mit dem 0:1 durch Mario Gavranovic (5.) und batsch mit dem 0:2 durch Remo Freuler (26.). Zwischendurch leistet sich Manuel Neuer beim Spielaufbau einen dicken Schnitzer, bleibt an Haris Seferovic hängen und bockt fast zu einem weiteren Gegentreffer erneut durch Gavranovic (16.). Was ist da nur los!

Die Diskussion, ob eine Dreier-Abwehrkette das Nonplusultra für ein erfolgreiches Spiel ist oder eine Viererkette – geschenkt! Die elementaren Fehler sind es, die über Wohl und Wehe entscheiden. Dass vor dem 0:2 ausgerechnet Toni Kroos leichtsinnig die Kugel verliert, passt so gar nicht zum Jubiläumsspiel, zu seinem 100. Einsatz im Adler-Trikot. Darauf pfeifen die Schweizer, sie nehmen die Geschenke dankend an und nutzen die Peinlichkeiten geradezu brutal aus.

Eigentlich reicht das an Einladungen. Endlich geht es vor dem Kasten von Gladbach-Keeper Yann Sommer zur Sache. Timo Werner glückt schnell der 1:2-Anschluss (28.) und sein Chelsea-Mitspieler Kai Havertz, der zuvor am Pfosten scheitert (49.), erzwingt mit schöner Einzelleistung das 2:2 (55.). Wenigstens Aufholjagd kann der Weltmeister von 2014 noch. Weitere Fehler aber auch. Schon Seferovic hat im Gegenzug das 2:3 auf dem Fuß, scheitert an Neuer (endlich eine Großtat des Kapitäns!), Pech aber, dass Gavranovic den Ball im Nachsetzen doch unter die Latte hämmert (56.).

Löw und seine Jungs kommen mit einem blauen Auge davon. Das ist das Beste an diesem Achterbahn-Spiel. Dem eigenen Anspruch wird das alles trotzdem nicht gerecht. Da bleibt noch jede Menge zu tun.