Auch für Platz zwei gibt es beim Ungarn-GP eine schicke Vase: Sebastian Vettel bei der Siegerehrung. Foto: Imago/PanoramiC

Was für ein turbulentes letztes Rennen vor der Sommerpause. Der Ungarn-GP auf dem Hungaroring hatte alles zu bieten, was das Fan-Herz begehrt: Einen Dominio-Crash am Start, eine selbst verschuldete Aufholjagd von Lewis Hamilton (36) durchs ganze Feld auf Rang drei und das vermeintlich zweite Podium für Sebastian Vettel (34) hinter Überraschungssieger Esteban Ocon (24, Alpine). Der große Verlierer war wie in Silverstone Max Verstappen (23), der im beschädigten Red Bull nur neunter wurde und seine WM-Führung an Hamilton verlor.

Vettel schnupperte sogar am ersten Sieg für Aston Martin, doch ein langsamer Boxenstopp in der 37. Runde ließ ihn hinter Ocon versauern. „Wir waren schneller und ich habe es das ganze Rennen probiert, aber ich kam wegen der Dirty Air nicht vorbei und Esteban hat keinen Fehler gemacht“, sagte Vettel. Dennoch freute er sich über seinen zweiten Vize-Rang nach Baku.

Doch um 22 Uhr dann die Enttäuschung! Die Rennkommissare stellten fest, dass Vettels Bolide nach dem Rennen nur noch 0,3 Liter Benzin aufwies. Pflicht ist ein Liter. Das hätte die Box im Auge behalten müssen! Der Heppenheimer wurde disqualifiziert. Lewis Hamilton rückte auf Platz zwei auf, Carlos Sainz im Ferrari auf Platz 3.

Bottas mit Domino-Crash

Hamilton verpasste durch eigene Schuld seinen 100. Grand-Prix-Sieg und neunten Budapest-Sieg, mit dem er den Rekord von Michael Schumacher (52) aus Magny-Cours (8 Siege) gebrochen hätte. „Wir haben es uns selbst schwergemacht“, ärgerte sich der Brite. „Ich habe alles gegeben und jetzt ist nix mehr in mir drin.“

Ausgelöst hatte das wilde Rennen der unerwartete Regen, der den Asphalt von 60 auf 32 Grad abkühlte und für einen Crash-Start sorgte. Valtteri Bottas (31) kam vom zweiten Startplatz schlecht weg und krachte beim Anbremsen der ersten Kurve in den McLaren-Mercedes von Lando Norris (21), der Verstappen mit abräumte. Weiter hinten rammte Lance Stroll (22) im Aston Martin den Ferrari von Charles Leclerc (23). Auch ihre Autos waren schrottreif.

„Keine Absicht beim Crash“

Verstappen hatte noch Glück im Unglück, beim Red-Bull-Honda brach das rechte Bargeboard ab, der Niederländer fiel vom dritten auf den neunten Platz zurück. Sofort wurde in Fanforen ein Verdacht geäußert, Bottas habe es absichtlich auf Hamiltons Rivalen Verstappen abgezielt.

„Das war keine Absicht. Es ist genug Zündstoff drin zwischen Mercedes und Red Bull, aber so unsportlich ist keiner in der heutigen Formel 1“, urteile Sky-Experte und Ex-Pilot Ralf Schumacher (46).

Hamilton verzockt sich

Wegen der vielen scharfkantigen Teile auf der Strecke wurde das Rennen abgebrochen – und beim Re-Start wurde es noch verrückter. Außer dem führenden Hamilton fuhren alle verbliebenen Piloten in die Box zum Wechsel auf Trockenreifen. Und erst als er alleine starten musste, merkte der Brite seinen Fehler und fiel nach dem folgenden Boxenstopp ans Ende des Feldes. „Ich bin ja Letzter“, funkte Hamilton und entschuldigte sich: „Sorry guys, es war meine Entscheidung.“

Und auch seine Aufholjagd verlief zunächst schleppend. Doch dann hatte Mercedes-Chefstratege James Vowles (42) mal wieder einen Geistesblitz – und setzte auf einen „Undercut“ gegen Verstappen und Hamilton auf harte Reifen. Bei der Boxenausfahrt überholte er seinen WM-Rivalen und auch noch Daniel Ricciardo (McLaren). In den letzten Runden lieferte er sich einen harten Fight mit seinem alten McLaren-Feind Fernando Alonso (40) und verdrängte dann auch noch Carlos Sainz (26) von Rang drei.

Verstappen mit Wut

Verstappen motzte über sein unfahrbares Auto: „Da war alles kaputt, ich hatte mal Über-, mal Untersteuern.“ Die nächste Enttäuschung nach Hamiltons Silverstone-Foul. Nach der Sommerpause dürfte „Mad Max“ mit Wut im Bauch in seine Heimrennen Spa (29. August) und Zandvoort (5. September) gehen.