Alexander Zverev feiert den Einzug ins Endspiel der US Open. Foto: Al Bello/Getty Images/AFP

Das „Come on“ ließ lange auf sich warten. Alexander Zverev war lange ruhig, haderte mit sich selbst. Erst Mitte des dritten Satzes durchbrach er die Stille im verwaisten Arthur-Ashe-Stadion mit einem Selbstanfeuerungsruf. Da hatte er endlich mal ein Break geholt, das sich als ein Wendepunkt im US-Open-Halbfinale herausstellen sollte: Zverev führte nun - zum ersten Mal in diesem Match - und entschied ein paar Minuten später den dritten Satz mit 6:3 für sich. Die Wiederauferstehung in einem Fünf-Satz-Krimi, an dessen Ende der Hamburger als erster Deutscher nach Michael Stich seit 26 Jahren im Endspiel der US Open steht. 

Welch ein Comeback! Bei den US Open in New York gewann der 23-Jährige am Freitag (Ortszeit)  gegen Pablo Carreño Busta aus Spanien in 3:22 Stunden noch 3:6, 2:6, 6:3, 6:4, 6:3. Einzug in das erste Grand-Slam-Finale seines Lebens und das nach 0:2-Satzrückstand.

Im Finale am Sonntag (22 Uhr/Eurosport) trifft der Weltranglisten-Siebte in einer Neuauflage des diesjährigen Australian-Open-Halbfinals auf seinen guten Kumpel Dominic Thiem. Der 27 Jahre alte Österreicher entschied sein Halbfinale gegen den Russen Daniil Medwedew mit 6:2, 7:6 (9:7), 7:6 (7:5) für sich. Zverevs Bilanz gegen Thiem ist mit 2:7 nicht rosig. Der Ösi gilt also als Favorit auf den Titel. 

Zverevs größter Erfolg

In Melbourne hatte Zverev erstmals ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht, vor der monatelangen Unterbrechung der Tour wegen der Coronavirus-Pandemie aber gegen Thiem verloren. „Ich bin natürlich froh, aber der Job ist noch nicht erledigt“, sagte Zverev dem ARD-Hörfunk. „Ich möchte noch ein Match gewinnen, und das wird das schwerste. Aber ich bin bereit. Ich kann das Finale kaum erwarten!“

Letzter deutscher Turniersieger bei den US Open war Boris Becker im Jahr 1989. Der dreimalige Wimbledon-Champion hob vor allem die mentale Leistung Zverevs hervor, der erstmals in seiner noch jungen Karriere einen 0:2-Satzrückstand noch aufholte. „Ich habe mir nach zwei Sätzen schon Sorgen gemacht. Er ist dann vom Platz gegangen, aber er kam anders zurück. Er hatte dann eine andere Körpersprache. Insgesamt blieb er auch in den kritischen Phasen sehr ruhig“, sagte Becker und betonte: „Es ist unglaublich, was Alexander Zverev für ein Mentalitätsmonster geworden ist.“