Das erste Tor der neuen Saison. Gladbachs Alassane Plea überwindet Bayern-Keeper Manuel Neuer. Foto: AP/Martin Meissner

Der Weg der Bayern zu ihrem zehnten Titel in Folge scheint steinig zu werden. Eine Start-Ziel-Dominanz, das steht nach dem 1:1 (1:1) des Titelverteidigers im Auftaktspiel der 59. Bundesliga-Saison bei Borussia Mönchengladbach fest, wird es nicht geben. Das verspricht endlich mehr Spannung – so wie in den 90 Minuten dieses furiosen Auftaktspiels.

"Fohlen" greifen schnörkellos an 

Kurz sieht es aus, als ob es den Bayern gleich mal an den Kragen geht. Nichts haben sie in der Anfangsphase im Borussia-Park zu bestellen und die 23.000 Zuschauer trauen ihren Augen nicht. Die „Fohlen“ machen das Spiel und greifen schnörkellos an. Als Alassane Plea in einer engagierten Startphase die schon dritte dicke Gladbach-Chance zum 1:0 nutzt (10., zuvor lassen Patrick Herrmann/4. und Lars Stindl/6. die Führung noch liegen), ist das erste Bayern-Gegentor bereits fällig, als manchem die Melodie der Nationalhymne, zur Saisoneröffnung von Singer-Songwriter Michael Schulte gesungen, noch in den Ohren klingt.

Die Gladbacher machen ihrem Namen als Bayern-Schreck alle Ehre. Sie träumen nach einem 3:2 in der Vorsaison und einem 2:1 im Spieljahr zuvor von einem Sieg-Hattrick zu Hause gegen den Rekordmeister. Das dürfen sie, weil die Münchner Defensive nahezu komplett umformiert ist und ins Schwimmen kommt: David Alaba und Jerome Boateng sind weg, Benjamin Pavard ist verletzt, Dayot Upamecano, mit Coach Julian Nagelsmann aus Leipzig gekommen, muss sich als Abwehrchef erst finden und der 21-jährige Josip Stanisic ist aus dem Amateur-Team aufgerückt.

Lewandowski braucht einige Versuche bis zur ersten Saison-Bude 

Doch die Bayern wären nicht die Bayern, würden sie keine Antwort wissen. In der Kreativzone nämlich wirbeln mit Thomas Müller, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Leroy Sané und Serge Gnabry die alten Haudegen. Allein Robert Lewandowski, der 41-Tore-Rekordmann, braucht einige Versuche, um seine erste Saison-Bude zu erzielen. Erst vereitelt Gladbach-Keeper Yann Sommer Lewandowskis ersten Einschlag (26.), gegen den Direktschuss des Polen nach Ecke von Kimmich zum 1:1 aber ist selbst der prächtig aufgelegte Schweizer machtlos (42.).

Plötzlich scheint es nur noch einen Sieger geben zu können, die Bayern. Sie greifen an, als hätten sie ein Heimspiel. Allein Sommer, der seine EM-Form über die Vorbereitung gerettet hat, stemmt sich gegen die nun drohende Niederlage. Er rettet gegen Alphonso Davies (58.) ebenso spektakulär wie gegen Lewandowski (60.).

Ein klein wenig Dusel für die Bayern 

Verschossen aber haben die Borussen ihr Pulver trotzdem noch nicht. Als kaum jemand mit ihnen mehr rechnet, kommen sie zurück: Erst muss sich Manuel Neuer gegen Stindls Distanzschuss ganz lang machen (70.), dann ist der Bayern-Keeper im Glück, weil Joker Marcus Thuram aus Nahdistanz um Millimeter nicht an den Ball kommt (77.). Schließlich toben die Fans, weil Upamecano innerhalb von Sekunden gleich zweimal gegen Thuram elfmeterreif foult, Schiri Marco Fritz aber beide Male (81., 82.) abwinkt.

Da haben die Bayern sogar wieder ein klein wenig Dusel gehabt. Vielleicht hilft ihnen das ja zum zehnten Titel am Stück …