Der Amerikaner Andre Agassi in Aktion beim Davis-Cup-Halbfinale gegen Deutschland in München 1989.  Foto: dpa

Als 15 Jahre alter Paradiesvogel mit zotteligen Haaren und quietschbunten Klamotten flatterte er 1986 in die Tennisszene. 20 Jahre später verließ er die große Bühne des Sports - dazwischen lag so ziemlich alles, was ein Leben bieten kann. Mittwoch, am 29. April,  wird Andre Agassi 50.

Seine dunkelsten Stunden liegen mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Eine andere Welt, eine andere Zeit, ein tiefer Schlund. Nichts mehr gelang dem Hochbegabten, dem Suchenden, dem ewigen Kind, das einst viel zu früh das Nest verlassen musste, um die Träume des ehrgeizigen Vaters zu leben. Alles sei weg gewesen, schrieb Andre Agassi viel später in seiner bemerkenswerten Biografie „Open“, sein Spiel, sein Leben, er selbst.

Es war das Jahr 1997, und Agassi, der so virtuos Tennis spielen konnte, der so anders war als der Mainstream, hatte seinen Weg verloren. Sein rechtes Handgelenk zwang ihn zu einer monatelangen Pause, und wenn er doch mal antrat, verlor er. In der ersten Runde. Gegen jeden, der es versuchen wollte. Agassi brach aus. Er griff zu Crystal Meth. Nichts ging mehr. Erst zwölf Jahre später sprach er über jene Zeit und darüber, wie er mit eisernem Willen, mit Disziplin und mit Hilfe des Sports die Wende schaffte. Die einstige Nummer eins war auf Platz 144 der Welt zurückgefallen, das Genie tingelte durch Challenger-Turniere und arbeitete sich Stück für Stück wieder nach oben. Die harte Tour. Ein entbehrungsreiches Leben in der Askese, das ihn tatsächlich wieder dorthin zurückführte, wo er schon einmal gewesen war: An die Spitze der Tenniswelt.

Eine große, skandalfreie Liebe: Andre Agassi und Steffi Graf. Hier gehen sie 2009 Hand in Hand über den Center Court in Wimbledon.
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Und dann kam sie. Als Andre Agassi 1999 seine Liebesgeschichte mit der scheuen Steffi Graf öffentlich machte, verzauberte das moderne Märchen den gesamten Sport. Die beiden, als Kinder und Jugendliche von speziellen Vaterfiguren gedrillt, oft einsam und verloren, hatten sich noch nicht mal gesucht, sie hatten sich einfach gefunden. Im Oktober 2001 wurde geheiratet, noch im selben Monat kam Sohn Jaden Gil zur Welt, zwei Jahre später Tochter Jaz Elle. Ein skandal- und schlagzeilenfreies Leben, bis heute vermittelt das Ehepaar Agassi/Graf das Glück einer heilen Welt.

Und nun also der 50. Geburtstag. Längst hat sich Andre Agassi unter anderem als unermüdlicher Streiter für die Rechte bedürftiger Kinder einen Ruf als seriöser und integrer Geschäftsmann gemacht. Dass er zu den erfolgreichsten Tennisspielern der Geschichte gehört, hat er zu den Akten gelegt, obwohl die Zahlen beeindruckend sind. 60 Turniersiege stehen für Agassi in der Statistik, davon acht bei den Grand Slams (viermal Australien, zweimal US Open, je einmal Wimbledon und French Open), er war 101 Wochen lang die Nummer eins der Welt, gewann zweimal den Davis Cup und Olympiagold 1996 in Atlanta. Ein Deutscher beendete seine Karriere: Die Niederlage gegen Benjamin Becker in der dritten Runde der US Open 2006 war sein letztes Match.

Zum Geburtstag übermittelte übrigens auch ein alter Wegbegleiter beste Grüße - und offenbarte dabei Erstaunliches. „Ich konnte deine zerrissenen Jeans, deine langen gefärbten Haare und deine Ohrringe nicht ernst nehmen“, schrieb Boris Becker in der Bild am Sonntag: „Du hast dein Image gepflegt und agiert, als sei dir wichtiger, wie du bei den anderen ankommst, und nicht, wie du wirklich bist. Das war mir suspekt.“