Olaf Roggensack (3. v. r.) rudert am Freitag um Olympiagold. imago

Olaf Roggensack ist der Jungspund im deutschen Ruder-Paradeboot. Mit 24 Jahren will der Mann vom RC Tegel, der an Position drei im Achter rudert, am Freitag zum ersten Mal Olympiasieger werden. Und nach den Eindrücken im Vorlauf sind Roggensack und seine Kollegen kaum zu stoppen.

Bei schier unmenschlicher Gluthitze fingen die Achter-Jungs die überraschend starken Amerikaner souverän ab und qualifizierten sich direkt für das Finale. „Man muss schon in sehr guter Form sein, um so ein Ding abzufackeln“, hatte Bundestrainer Uwe Bender seine Crew gelobt, zu der mit dem erfahrenen Steuermann Martin Sauer, 38, noch ein weiterer Berliner gehört.

Unfall mit dem Fahrrad

Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Booten, die auf dem Tokioter Sea Forest Waterway bei extremen Temperaturen regelrecht abgesoffen sind, hat der Achter die richtige Schlagzahl gefunden. „Ich glaube, es ist entscheidend, dass jeder Einzelne, der in diesem Boot sitzt, die richtige Einstellung mitbringt“, lobt Roggensack das Vorzeigeboot.

Anders als bei anderen Mannschaftssportarten kommt beim Achter nur ins Team, wer bei der knallharten Auswahl abliefert. Und Roggensack, der vor nicht mal zwei Jahren erstmals in den erweiterten Kader berufen wurde, ruderte sich bärenstark in die enge Auswahl.

Dabei musste er im vergangenen Jahr herbe Rückschläge wegstecken. Nachdem er sich im Winter gerade in das deutsche Paradeboot gekämpft hatte, folgte noch vor dem ersten Wettkampf mit den neuen Kollegen die Corona-Zwangspause. Wenig später landete er beim Radtraining in einer Bahnschiene, stürzte zur Seite weg und musste anschließend an der Schulter operiert werden. Viele Wochen durfte der Berliner keinen Sport machen, was gerade für die rudernden Kraftbolzen eine massive Einschränkung bedeutet.

Training statt Urlaub

„Kurz bevor die anderen in den Urlaub gefahren sind, bin ich wieder ins Boot eingestiegen“, erzählt er jetzt. Um sich für seine Olympiatraum zu quälen. In unzähligen Trainingssessions im Zweier hat er sich zurück in den Rhythmus gekämpft, die Muskeln und Gelenke wieder in den Wettkampfmodus gebracht. „Rückblickend muss ich die Olympia-Verschiebung als sehr positiv bewerten. Es hat mit sehr geholfen, noch besser reinzufinden“, sagt Roggensack.  Bei der Ruder-Europameisterschaft im vergangenen Oktober wurde er wieder nominiert, der Weg in Richtung Tokio war geebnet.

Nun wird es darum gehen, der Favoritenrolle gerecht zu werden. Seit der olympischen Silbermedaille 2016 in Rio de Janeiro siegte der deutsche Achter bei allen Großevents. Einzig bei der Europameisterschaft im April auf dem italienischen Lago di Varese patzte die eingespielte Crew, ruderte das Boot nur auf Platz vier. Allerdings sind gerade Wettkämpfe im Olympiajahr nur bedingt aussagekräftig bezüglich der Vorbereitung für den großen Höhepunkt.

Diese Konstanz über Jahre hinweg ist ein Qualitätsmerkmal, für Neuankömmling wie Roggensack aber natürlich auch eine Bürde. „Es steckt eine Menge Arbeit dahinter, damit das Boot immer wieder so harmonisch über die Strecke kommt“, sagt er. Das nächste Mal gerne am Freitag zu deutscher Schlafenszeit.