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„Die Zeit ist nun gekommen...“: Der Traum ist wahr! Union steigt auf, ist Bundesligaaa!

Union Aufstieg

Christopher Lenz (Mitte) von Union jubelt mit den Fans nach dem Spiel. Der 1. FC Union Berlin hat erstmals den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga geschafft. 

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Jörg Carstensen/dpa

Köpenick -

Schlaft ihr schon oder feiert ihr noch? Ihr müsst nicht mehr träumen, der Traum ist Wirklichkeit. Der 1. FC Union ist im siebten Himmel. Die Eisernen spielen nach dem 0:0 im Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart in der Bundesliga. Es ist die schönste Nullnummer in der 53-jährigen eisernen Vereinsgeschichte.

Scheiße, wir steigen auf. Mit diesem Banner schrecken die eisernen Fans am 3. März 2017 den Verein gewaltig auf, lösen eine hochemotionale Debatte aus. Jetzt ist es Wirklichkeit. Ja, scheiße, wir steigen auf!

Nie, wirklich nie hat es in Köpenick eine kürzere Nacht gegeben. Dieses Datum, dieser 27. Mai 2019, ist in Stein gemeißelt. Es ist der Moment, der zu den Pokalhelden von 1968 neue Helden hervorbringt: Unions Aufstiegsgötter.

Es ist eine Szene, die nahezu Symbolkraft hat. Sebastian Andersson, vorn lange sehr allein, geht einem Befreiungsschlag nach. Okay, der Stürmer bekommt den Ball dann doch nicht unter Kontrolle, aber er steht wie eine Eins, während sich seine Gegenspieler Ozan Kabak und Holger Badstuber gegenseitig die Rüben einrennen. Selbst Union-Doc Tankred Haase muss helfen.

Das Signal aber ist: Die Eisernen haben den Kopf oben. Sie haben Durchblick, obwohl sie unter Druck sind. Die mit Abstand beste Zweitliga-Abwehr hat Schwerstarbeit zu verrichten. Immer wieder halten die Fans den Atem an.

Ein Traum!

Was ist das aber auch für ein Abend in Köpenick! Ein Traum! Eine Nacht für die Ewigkeit! Zugleich eine, in der die Fans nie so gezittert, gebangt und gehofft haben. Denn der Hauch von Bundesliga, der vom Anpfiff weg über der Alten Försterei weht, er ist so verrückt, so einmalig, so eisern! Aber, und das ist fast noch verrückter, er lähmt! Er kommt den Eisernen derart in die Quere, dass der Fußball-Gott eingreifen muss, als Dennis Aogo einen Freistoß in die Maschen des Kastens von Rafal Gikiewicz hämmert, die Stuttgarter wie losgelöst jubeln – aber der Mann aus dem Himmel dann doch aus dem Kölner Keller grantelt, die Augenbrauen hebt und sagt: Abseits (9.)!

Sie brauchen lange, um halbwegs Struktur in ihr Alles-oder-nichts-Spiel zu bringen. Der Erfolg, den alle erhoffen, erbitten, ersehnen, er will hart erarbeitet sein, körperlich und noch viel mehr nervlich. Wer weiß das besser als Suleiman Abdullahi, der innerhalb von Sekunden zweimal den Pfosten trifft (64., 66.). Was für ein Pech!

Das Drama hier wie da nimmt kein Ende. Mal ist der eine dem Infarkt nah, Sekunden später der andere. Ja, es gibt auch giftige Momente. Klar bei der Emotion und der Dramatik.

Niemanden hält es auf den Sitzen, die Kehlen sind so heiser, dass sie brennen. Das „Eisern Union!“ dröhnt durch das Stadion wie ein Fanal. Der historische Schlachtruf, der nie so süß geklungen hat wie in dieser magischen Nacht, die nie, nie zu Ende geht. Heute nicht und morgen nicht, niemals!

Und niemals vergessen:
Eisern Union!