Die Arche in Hellersdorf unterstützt weiterhin bedürftige Familien und bringt Lebensmittel, Spielsachen und Bekleidung. Foto: Hense

Sie helfen bedürftigen Kindern und Jugendlichen. Während der Corona- Krise kommen die Mitarbeiter der christlichen Einrichtung „Die Arche“ an ihre Grenzen. Um den Betrieb trotz staatlich angeordneter Schließung einigermaßen aufrechterhalten zu können, fahren die Pädagogen nun zu den Familien, um sie in der Not zu unterstützen. Mit welchen Belastungen sie derzeit zu kämpfen haben, erzählt Arche-Gründer Bernd Siggelkow im KURIER.

Bernd Siggelkow und sein Team müssen besonders jetzt viele Konflikte lösen. Foto: imago images /Future Images

„Bernd, bitte geh noch nicht“, ruft ein neunjähriger Junge. Bernd Siggelkow gehen solche Momente in diesen schwierigen Tagen besonders unter die Haut, wie er sagt.Ermüsste oft seineTränen zurückhalten. „Das Traurigste ist, dieKinder suchen Nähe und Geborgenheit und wollen einen in den Arm nehmen, so wie sie es sonst auch machen. Und dann muss man ihnen sagen: Tutmir leid, aber das geht gerade nicht.“

Die Ausnahmesituation allerorts habe auch die Arche vor eine enorme Herausforderung gestellt und auch ihren gesamten Alltag auf den Kopf gestellt. Normalerweise besuchen 4000 Kinder und Jugendliche nach der Schule die bundesweiten Einrichtungen und bekommen dort eine warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung und viel Zuwendung, die in ihrem Zuhause oftmals fehlt. „Die Kinder können jetzt nicht mehr in die Arche kommen und auch die Eltern nicht mehr zu uns. Deshalb fahren wir zu ihnen, bringen ihnen Lebensmittelspenden und helfen, Konflikte zu lösen“, sagt der Arche-Chef.

Mit leuchtenden Augen nimmt Thereza (5) die Sachspende der Arche entgegen. Foto: Hense

Gerade in dieser Zeit sei die Gewalt in vielen Familien programmiert und man müsse ihnen helfen, damit jetzt nichts passiert. Viele Eltern undGeschwister seien von morgens bis abends mit acht Mann in ihrer 70 Quadratmeter großen Wohnung gefangen. Diese Problematik wird auch bei Berlins Behörden intensiv thematisiert. Nach KURIER-Anfrage bei diversen Bezirksämtern seien auch die Mitarbeiter des Jugendamts weiterhin mobil im Einsatz und mit ihren Familien imregelmäßigen Kontakt. „Alle Berliner Jugendämter sichern den Kinderschutz weiter“, sagt Iris Hölling, Jugendamtsleiterin in Treptow Köpenick dem KURIER.

Das Arche-Team ist täglich im Einsatz und telefonisch sowie im Chat für die Familien bis spät in den Abend erreichbar. „Über einen WhatsApp-Chat, wo wir jeden Tag einen Livestream haben, sind wir weiter mit den Kindern verbunden undmachen auch onlinemit ihnen Hausaufgaben“, erklärt Siggelkow. In dieser schwierigen Zeit seien besondere Organisation und Einfallsreichtum gefragt. Viele Kinder hätten noch nicht mal ein intaktes Smartphone.

„Ich habe vor wenigen Tagen ein 15-jähriges Mädchen aus unserer Einrichtung getroffen. Sie war ganz traurig, weil sie Geburtstag hatte und ihr niemand einen Gruß schicken konnte, weil sie kein Handy besitzt.“ Aus diesem Grund bittet die Arche dringend um Geld-Spenden und auch Sachspenden wie Smartphones und Prepaidkarten, die direkt an den Standorten der Arche (www.kinderprojekt-arche.de) abgegeben werden können (9 bis 17 Uhr). Siggelkow: „Wir müssen gerade jetzt in der Krise zusammenhalten und dürfen die armen Kinder nicht vergessen.“