Max stammt aus einer Hartz IV-Familie. Er will nicht länger arm sein und diesem Schicksal entfliehen. Nun hat er eine Wohnung. Foto: Bernd Friedel

Das Glück scheint endlich auf seiner Seite zu sein: Max (19) hat nun eine eigene Wohnung gefunden. Der Hartz IV-Empfänger, über dessen Leben der KURIER vor einem Dreivierteljahr zu ersten Mal berichtete, ist auf dem Weg, sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Bislang scheiterte er immer wieder an seiner schwierigen Vergangenheit. Nun trafen die Reporter erstmals auf einen zuversichtlichen jungen Mann, der im Februar Vater wird.

Eine gute Wohngegend nahe der Schlüterstraße in Wilmersdorf. Hier hat Max eine Einzimmerwohnung (35 Quadratmeter) in einem gepflegten Mehrfamilienhaus bezogen. Zuvor hat er bei seinen Eltern und später bei einer Freundin in Reinickendorf gelebt.

„Es ist wichtig, dass sich Max soziales Umfeld verändert, wenn er Erfolg haben will“, sagt der Armutsbeauftragte Thomas de Vachroi vom Diakoniewerk Simeon gGmbH. Er unterstützt Max dabei, dem Hartz-IV-Kreislauf zu entfliehen. Seine Familie lebt seit mehreren Generationen vom Staat, schon seine Großeltern bekamen soziale Leistungen. „Schon als ich auf die Welt kam, habe ich Sozialhilfe bezogen“, sagt er.

Max und seine Freundin werden Eltern

Max hat nun die Chance erhalten, eine neue Zukunft zu beginnen und einen anderen Weg einzuschlagen als seine Familie. „Ich bin so froh, dass ich jetzt hier wohnen darf. Mit dieser Adresse finde ich auch leichter einen Job“, sagt Max. Der evangelische Kirchenkreis Neukölln, der Eigentümer des Hauses ist, hat ihm die Wohnung vermittelt.

Doch noch sind die Räume leer. Max fehlt noch das Geld für die Einrichtung. Er hofft, gebrauchte Möbel im Internet zu finden. Die Wände und Decken hat er bereits frisch gestrichen. Bald wird er in seinem kleinen Reich ein ganz neues Leben beginnen.

2020 wird ein spannendes und aufregendes Jahr für ihn. Anfang Februar erwartet er mit seiner Freundin Ashley (17) ein Baby. „Es war nicht geplant, aber ich werde die volle Verantwortung für mein Kind übernehmen“, sagt er bestimmt. Gemeinsam leben kann das Paar allerdings noch nicht, denn Ashley ist noch minderjährig.

„Sie muss zunächst mit unserem Baby in einer Mutter-Kind-Einrichtung wohnen“, erzählt Max. Doch er darf die ersten Tage nach der Geburt dort mit seiner Freundin gemeinsam leben und ihr zur Seite stehen. „Ich bin jetzt schon so wahnsinnig aufgeregt und kann den Geburtstermin kaum noch erwarten“, verrät er dem KURIER.

Max wird immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt

Doch um die Verantwortung für seine junge Familie zu übernehmen und finanziell unabhängig zu sein, benötigt Max einen Job. Seinem Traumberuf ist er schon ein Stück näher gekommen. Er möchte Fahrradmechaniker werden und hat bereits erfolgreich ein Praktikum in einer Fahrradhandlung absolviert.

Doch momentan mache ihm das Jobcenter noch einen Strich durch die Rechnung. „Die Sachbearbeiterin hat mir gesagt, dass sie mir die Ausbildung nicht zutraut und sie zu schwer für mich ist. Wenn ich Pech habe, wird sie mir nicht finanziert.“

Max frustriert das, weil er trotz seiner Anstrengungen immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Er hat keinen Schulabschluss und lediglich die Förderschule besucht. Zwei Ausbildungen als Gebäudereiniger und Bäcker hat er damals abgebrochen. Trotz allem hat er sich während des Praktikums bewährt. „Sie waren sehr zufrieden mit mir und würden mir gern eine Ausbildung ermöglichen.“

Max will weiter kämpfen. Den ersten Schritt hat er mit der eigenen Wohnung schon geschafft. Er sagt: „Ich bin es mir und meinem Kind schuldig, dass ich nicht wieder aufgebe.“ Er freut sich auf sein neues Leben.