Laetitia Toursarkissian (20) studiert Kulturgeschichte und Archäologie und bietet sich während der Corona-Krise als kostenlose Babysitterin an. Foto: Gerd Engelsmann

Wer in der Hauptstadt derzeit nach Hilfe sucht, wird überall fündig – die Welle der Solidarität, die durch Berlin geht, ist unbeschreiblich. Neben Menschen, die gern für andere einkaufen wollen, gibt es nun sogar „Corona-Mamis“. Ehrenamtliche Babysitter, die die Kinder von Berlinern betreuen, die derzeit trotz der Krise arbeiten müssen.

Es sollte vermieden werden, dass sich Betreuungsgruppen bilden

Auf die Idee, dass auch das derzeit gebraucht werden könnte, kamen Pauline Brinkmann (21) und Fabian Heine (22) – beide arbeiten derzeit, wie viele andere, im Homeoffice. „Wir dachten vor ein paar Tagen darüber nach, dass es gerade jetzt für viele Eltern wichtig ist, eine Babysitterin oder einen Babysitter zu finden“, sagt Brinkmann dem Berliner KURIER. „Denn viele müssen trotz Krise zur Arbeit, können nicht von daheim arbeiten – und in der jetzigen Situation sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass sich Betreuungsgruppen bilden.“

Mit der Hilfe von Freunden erstellten sie eine Website. Hier können sich Helfer und Hilfesuchende melden, sie werden dann zusammengeführt. Das Projekt schlug ein wie eine Bombe: Knapp 500 Freiwillige haben sich auf der Internet-Seite www.coronamami.de registriert.

Ich würde mir auch wünschen, dass man mich unterstützt, wenn ich in der Situation wäre.

Laetitia Toursarkissian (20), ehrenamtliche Babysitterin

Eine von ihnen ist Laetitia Toursarkissian – die Studentin (20) war von Anfang an begeistert von der Idee: „Ich wohne in Berlin alleine, meine Eltern etwas weiter weg – ich versuche, so oft es geht zu Hause zu bleiben“, sagt sie dem KURIER. „Aber mir gefiel das Projekt, weil man so ein paar Sozialkontakte erhalten kann und dabei noch anderen Berlinern hilft.“ Sie habe selbst zwei kleine Geschwister, sei das Babysitten gewöhnt.

Hilfsbereitschaft und Engagement sind überwältigend

„Ich kann mir aber vorstellen, dass es für viele im Moment schwierig ist, sich neben der Arbeit noch um die Kinder zu kümmern.“ Warum sie helfen möchte? „Ich würde mir auch wünschen, dass man mich unterstützt, wenn ich in der Situation wäre“, sagt sie. Zudem haben die Universitäten geschlossen – Laetitia, die Kulturgeschichte und Archäologie studiert, ist deshalb quasi arbeitslos. „Und so kann man trotzdem etwas tun – und bekommt noch ein gutes Gefühl dabei“, sagt sie.

Für Brinkmann und Heine ist bemerkenswert, wie groß die Hilfs-Welle ist, die auch sie überrollte. „Dass sich so viele Berliner melden, hätten wir nicht gedacht“, sagt Heine. Brinkmann habe besonders berührt, dass viele beim Anmelden regelrechte Bewerbungstexte schrieben. „Sie rechtfertigen sich dafür, wieso sie für die Kinderbetreuung geeignet sind – obwohl sie es freiwillig machen. Die Hilfsbereitschaft und das Engagement sind absolut überwältigend!“