Alles nur Geschwätz: Stammtisch-Weisheiten über Corona sind meist so falsch wie gefährlich. Foto: imago/JOKER

Je weiter sich das Corona-Virus ausbreitet, desto mehr greifen Mythen, Falsch-Infos und  Verschwörungstheorien um sich. Vermeintliche Fakten, die an Stammtischen und im Internet hoch im Kurs stehen, sind gefährlich. Denn wer Verharmlosern   auf den Leim geht,  verhält sich leichtsinnig. Und wer Panikmachern glaubt,  macht sich das Leben schwer. Der KURIER klärt deshalb die wichtigsten Mythen auf.

Mythos 1: Junge Leute müssen sich um Corona keine Gedanken machen. 80 Prozent der Infektionen verlaufen nach bisherigen Erkenntnissen harmlos. In 20 Prozent der Fälle kann es Komplikationen geben – bis hin zu einem tödlichen Verlauf. Wer jung ist und nicht zu Risikogruppen wie Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen zählt, hat trotzdem Verantwortung für seine Mitbürger. Symptome müssen gemeldet und Quarantäne-Anweisungen befolgt werden. Sonst können Virus-Träger zur Gefahr für  Angehörige von Risikogruppen werden.

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Mythos 2: Es ist sinnlos, Veranstaltungen abzusagen oder zu meiden, denn in Bus und Bahn steckt man sich doch auch an. Natürlich kann man sich Corona auch in den Öffis einfangen. Aber man sollte eine Ansteckung oder Weiterverbreitung des Virus nicht noch herausfordern. Die richtige Frage wäre, auf was die Bevölkerung im Ernstfall verzichten kann: Auf Konzertbesuche und Fußballspiele sicher eher als auf Fahrten zur Arbeit, zum Arzt und zum Einkauf.

Mythos 3: In Zeiten von Corona dürfen Mitarbeiter ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Das ist ein Missverständnis. In Wahrheit wurde zur Entlastung der Arztpraxen die Neuregelung getroffen, dass Ärzte ihre Patienten jetzt auch ohne Praxisbesuch für bis zu sieben Tage krankschreiben dürfen. Der „gelbe Schein“ muss trotzdem bis zum vierten Krankentag in der Firma vorliegen. Ausnahmen kann der Arbeitgeber treffen – aber so kulant muss  er nicht sein.

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Mythos 4: Rauchen ist kein Risiko-Faktor. Bei dieser Annahme handelt es sich um ein Gerücht. Raucher zählen sogar zu den besonderen Risikogruppen. Denn: Corona greift die Lunge an. „Eine Vorschädigung der Lunge und der Atemwege könnte womöglich ein Co-Faktor für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein“, sagt der Virologe Prof. Hendrik Streeck.

Mythos 5: Wer gegen Pneumokokken geimpft ist, ist vor Corona sicher. Leider nicht. Zum Schutz vor Corona gibt es bislang keinen Impfstoff. Experten raten Älteren und chronisch Kranken aber, ihren Impfstatus zu prüfen und sich bei Bedarf impfen zu lassen – gegen Pneumokokken, Keuchhusten, Grippe. Das schützt nicht vor Covid-19, aber vor anderen Lungeninfektionen – und damit vor Doppelinfektionen und einem möglicherweise schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung.

Mythos 6: Wer Ware in China bestellt hat und jetzt das Paket annimmt, kann Corona bekommen. Wahr ist daran allenfalls, dass China stark von Corona betroffen ist und dass immer mehr  deutsche Online-Shopper preisgünstige Ware in China bestellen. Aber: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann man sich durch das Berühren eines Pakets oder eines Briefs aus China nicht anstecken. Man wisse aus Analysen, dass Corona-Viren auf solchen Gegenständen nicht lange überleben können.  

Mythos 7: Regelmäßiges Spülen der Nase mit Kochsalzlösung verhindert eine Infektion.  Nein! Laut WHO ist nicht mal gesichert, dass regelmäßiges Nasenspülen mit Kochsalzlösung eine simple Erkältung schneller auskuriert.