Amgad Elsayed (36) mit seinem Sohn Tobias (1) und Ehefrau Monika (37). Der Familienvater sucht dringend einen Knochenmarkspender. Foto: privat

Tobias (1) krabbelt auf den Schoß seines Vaters und schmiegt sich ganz fest an ihn. Er kann noch nicht verstehen, dass er ihn nach spätestens 60 Minuten wieder los lassen muss. Sein Vater Amgad Elsayed (36) aus Moabit liegt mit Blutkrebs (Leukämie) in der Charité und darf nur eingeschränkt Besuch bekommen.

„Für den Kleinen ist es besonders hart. Er kann noch nicht verstehen, warum sein Papa nicht einfach wieder nach Hause kommt“, sagt Tobias Mutter Monika Hasenmüller. Im Februar geriet das unbeschwerte Leben der kleinen Familie aus den Fugen. Ihr Ehemann sei zum Hausarzt gegangen, weil er immer so müde war. „Ich habe gedacht, dass er vielleicht einen Eisenmangel hat oder erschöpft vom Spagat zwischen Job und Familie ist“, so Hasenmüller. Doch sie irrte. Nach einem Bluttest sei sofort klar gewesen, dass Amgad Elsayed schwer erkrankt war. Die niederschmetternde Diagnose: Leukämie!

Amgad Elsayed musste sich schweren Chemotherapien unterziehen

„Ich war arbeiten, als er mich anrief und mir mitteilte, dass er Krebs hat. Ich konnte und wollte das zunächst gar nicht glauben“, sagt die Bibliothekarin. Doch einen Tag später holte sie die harte Realität ein. Amgad Elsayed, der als Lehrer angestellt ist, konnte nicht mehr zur Arbeit gehen. Er kam in die Klinik und musste sich schweren Chemotherapien unterziehen, die seine Krebszellen zerstören sollten.

Anfangs konnte Monika Hasenmüller ihren Mann noch täglich besuchen und ihm beistehen, wenn es ihm körperlich und seelisch schlecht ging. Aber dann kam die Kontaktsperre in der Corona-Krise dazwischen  und sie konnte wochenlang nicht zu ihm. „Es war ganz furchtbar, ihn nicht einfach in den Arm nehmen zu können und ihn zu trösten. Unser Sohn hat ihn auch so schrecklich vermisst und nicht verstanden, warum der Papa nicht einfach wieder nach Hause kommt.“ Jetzt darf sie wenigstens wieder für eine Stunde am Tag zu ihm und ihn mit ihrem Kind im Garten treffen.

Für die kleine Familie ist das nicht der erste Schicksalsschlag. Sohn Tobias kam vor 19 Monaten drei Monate zu früh auf die Welt. „Er hatte starke Hirnblutungen und kämpfte um sein Überleben. Es war sehr knapp“, erinnert sich seine Mutter.

Facebook-Seite „Together for Amgard“ sucht Stammzellenspender

Nun benötigt der Vater dringend eine Knochenmarkspende, damit er weiter leben kann. Seine Blutwerte sind trotz Chemotherapie alarmierend. Allerdings ist die Chance einen Spender für Amgad  zu finden, noch schwerer als bei anderen Erkrankten.  „Da die Herkunft eine große Rolle spielt und mein Mann in Ägypten geboren ist, könnte die Suche schwer werden“, sagt sie. In seinem Land gebe es nämlich keine Stammzellendatenbank. Außerdem kommt die Corona-Krise erschwerend hinzu. In dieser Zeit dürfen keine Typisierungsveranstaltungen stattfinden. Deshalb sucht die Familie nun im Internet nach Hilfe und versucht über die Facebook-Seite „Together for Amgard“ überwiegend mit Menschen mit arabischer Herkunft in Kontakt zu treten. Dort können sich potentielle Spender informieren, wie sie sich registrieren können und die Testunterlagen von der DKMS nach Hause geschickt bekommen.

„Ich hoffe sehr, dass sich viele Menschen angesprochen fühlen und sich registrieren. Wenn sie meinem Mann nicht helfen können, dann vielleicht jemand anderem in Not“, sagt Monika Hasenmüller. Sie klingt müde. Sie muss nicht nur den kranken Mann aufbauen, sondern auch das Kleinkind zu Hause allein versorgen. Doch sie will alles dran setzen, einen Spender für ihren kranken Mann zu finden. Sie sagt: „Ich kann an der Krankheit nichts ändern, aber ich kann alles versuchen, was in meiner Macht steht, um ihn zu unterstützen.“