Herbert (67) holt sich viermal pro Woche ein Lunchpaket aus der Tee- und Wärmestube Neukölln ab. Das Essen wird ihm momentan noch durch ein Fenster gereicht.  Foto: Bernd Friedel

Berlin - Herbert (67) steht an einem offenen Fenster und greift nach einer Papiertüte. Darin ist eine Plastikbox mit gefüllter Paprikaschote mit Hackfleisch und Reis, zwei gebratene Nürnberger Rostbratwürstchen sowie abgepacktes Obst, eine Butterstulle und etwas zu trinken. Menschen wie Herbert sind dankbar dafür. „Ohne das Essen aus der Tee-und Wärmestube käme ich nicht klar“, sagt er. Gerade hat die Einrichtung des Diakoniewerk Simeon an der Weisestraße in Neukölln wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen noch voraussichtlich bis August geschlossen. Auch in der Küche dürfen keine Speisen zubereitet werden.

Damit der Betrieb weiterlaufen kann, sorgen ehrenamtliche Helfer 100 Stunden im Monat in ihrer Freizeit dafür, dass die bedürftigen Menschen auch in dieser Zeit eine warme Mahlzeit erhalten. Köchin Michaela Trottner kocht das privat in einer Hausmeisterwohnung und hat nur ein Budget, das aus privaten Spenden finanziert wird, zur Verfügung. Damit die Vollverpflegung an vier Tagen pro Woche auch weiterhin möglich ist, gab es jetzt Unterstützung von den Barmherzigen Samaritern (Samaritan’s Purse). Die Hilfsorganisation spendete 20.000 Euro an die armen Menschen. Die Hilfe sei bitter nötig, da ehemalige Sponsoren aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage weggebrochen seien.

Bedürftige Menschen hatten schon vor der Corona-Krise keine Lobby in der Gesellschaft, aber nun ist ihre Situation schwieriger denn je. Trotz zahlreicher Lockerungen der Beschränkungen ist die Situation für sie immer noch angespannt.  „Diesen Menschen drohen Unterernährung und Krankheiten, weil die Versorgung nicht so möglich ist, wie vor der Krise“, sagt Sylke Busenbender, Vorstand der christlichen Hilfsorganisation Samaritan’s Purse.

Herbert erhält Grundsicherung vom Staat, obwohl er mehr als 40 Jahre lang gearbeitet hat. „Meine Rente reicht nicht aus. Ich habe als Budenbauer auf Wochenmärkten und als Hilfsarbeiter auf dem Bau monatlich nicht mehr als zwischen 1000 und 1400 Euro verdient“, sagt er. Nach zwei gescheiterten Ehen lebe er nun im Alter allein und habe niemanden, der ihn unterstützt. Als armer Rentner sei er auf fremde Hilfe angewiesen. „Ich kann mich von meinem wenigen Geld nicht gesund ernähren“, sagt er. Er käme an allen vier Tagen hierher, um sich seine Lunchbox abzuholen. Die Stulle wolle er sich noch für morgen aufbewahren, „aber die Paprikaschote verdrücke er heute noch“, sagt Herbert. Die liebevoll zubereitete Mahlzeit hat ihn für einen Moment glücklich gemacht.