Petra Sintic (62) muss ihren Mann beim Sterben begleiten. Foto: Berliner Zeitung/Volkmar Otto

Aus den Boxen dröhnt „Ich trinke auf gute Freunde“ von den Böhsen Onkelz. Werner Sintic (52) hörte den Song gern, als noch beim SEK der Berliner Polizei aktiv war. Jetzt liegt er im Sterben. Weil Schießstände marode und schlecht belüftet sind, hatte Sintic sich beim Schießtraining vergiftet. 2018 bekam er die Krebsdiagnose.

Etwa 100 Demonstranten sind vor das Haus in der Keibelstraße 36 gekommen. Die meisten sind Polizei-Kollegen, einige von ihnen haben sich ebenfalls vergiftet. In diesem Haus sitzt die Dienstunfallfürsorgestelle der Polizisten. Die Beamten demonstrieren dafür, dass Sintic’ Erkrankung als Dienstunfall anerkannt wird. Seine Familie wäre dann im Todesfall besser abgesichert.

Polizisten demonstrieren für den krebskranken und im Sterben liegenden SEK-Mann Werner Sintic. Foto: Berliner Zeitung/Volkmar Otto

„Seine letzten Tagen haben begonnen. Werner ist stolz auf euch. Ihr habt ihn so lange getragen mit eurer Unterstützung getragen “, sagt seine Frau Petra ins Megafon. Sie wirkt bewundernswert gefasst. Die Interessengemeinschaft der Beamten schätzt, dass von der Schießstand-Affäre etwa 1600 Polizisten betroffen sind. Sie spricht von 16 Toten.

Hunderte warten ebenso wie Familie Sintic auf die Anerkennung als Dienstunfall. Der Vorwurf: Die Behörden reagieren gar nicht auf die Anträge, so dass man auch nicht gegen Entscheidungen klagen könne. Petra Sintic sagt: Im Hospiz sollte ihr Mann noch vernommen und nachuntersucht werden. Die Dienstunfallfürsorge habe unnötig Druck gemacht. „Einfach empathielos.“