Überall wird nach Impfstoffen und Heilmitteln für die Bekämpfung des Corona-Virus gesucht. Leider glauben viele, ein Präparat würde helfen, wenn lediglich bekannt wird, dass eine mögliche Wirksamkeit erforscht werde. Foto: imago-images / Christoph Hardt

Finger weg! Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) warnt davor, Medikamente mit dem Wirkstoff BCG als Impfstoff gegen die Covid-19-Krankheit einzusetzen. Es drohen Nebenwirkungen wie Fieber oder Entzündungen. Anlass der Warnung: Ein  in jüngster Zeit verstärkter Absatz von BCG-Medikamenten, die der Behandlung von Harnblasenkrebs dienen.

Das PEI, Bundesoberbehörde für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, wendet sich  an Ärzte und Apotheker mit der Aufforderung, diese BCG-Präparate weder zu verschreiben noch zu verkaufen, wenn sie nicht der Krebsbehandlung dienen, für die sie zugelassen sind. Es könnten neben Komplikationen Lücken bei der Versorgung von Krebspatienten entstehen.

Medikamente wie dieses helfen gegen Harnblasen-Tumore, sind aber für Vorbeugung und Behandlung von Corona ungeeignet. Deshalb warnt das Paul-Ehrlich-Institut vor dem Einsatz gegen Covid-19. Foto: Strain Health Care

BCG kann auch vorbeugend gegen Tuberkulose wirken. Prof. Dr. Christoph Schindler von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) forscht an einem gentechnologisch verbesserten Tuberkulose-Impfstoff.  Mit seinem Team versucht er herauszufinden, ob er in der Lage ist, die körpereigene Abwehr so zu stärken, dass er auch einer Corona-Infektion vorbeugen und die Krankheit, falls sie ausbricht, leichter verlaufen lassen kann.

Schindler sagte dem Berliner KURIER: „Ich begrüße die Warnung des Paul-Ehrlich-Instituts. Viele Menschen hören von Forschungen wie unserer und glauben, dass schon die Forschung ein Beweis für die Wirksamkeit von BCG sei. Sie suchen sich dann im Netz womöglich Fake News oder unzureichende Informationen zusammen und verlangen von ihrem Arzt, ihnen BCG zu verschreiben.“

Viele Mediziner halten dem Forderungsdruck ihrer Patienten nicht stand

Wie leicht und schnell sich überaus fragwürdige Aussagen zur Corona-Vorbeugung verbreiten, zeigte unter anderem die Idee von US-Präsident Donald Trump, man möge sich Desinfektionsmittel spritzen.

Nicht alle Mediziner hielten dem Forderungsdruck ihrer Patienten nach dem vermeintlichen Hilfsmittel stand. Bekanntes Vorbild ist die vielfache Verschreibung von Antibiotika gegen von Viren verursachte Erkältungen: Sie helfen gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren.

Professor Dr. Christoph Schindler erwartet, dass in etwa einem Jahr Ergebnisse seiner Forschungen vorliegen.  Foto: MHH

Professor Schindler erwartet, dass die Prüfung des  verbesserten Impfstoffs, der gegenwärtig an der MHH getestet wird, Mitte 2021 abgeschlossen sein kann. „Dann wissen wir, ob unsere Theorie sich bestätigt oder nicht. Wenn ja, könnte der bei uns getestete, verbesserte BCG-Impfstoff zur Vorbeugung gegen Corona-Infektionen zugelassen und eingesetzt werden.“