Christian Luthardt, Bernd Nowack, Silvia Podgora und Brigitte Stelzer (v.l.n.r.) kochen für Einsame. Foto: camcop media/Andreas Klug/BK-Fotomontage

Kartoffelsuppe mit Würstchen und als Dessert grüner Wackelpudding mit Vanillesoße. Dazu für einen Moment Gesellschaft. In der Johann-Christoph-Blumhardt-Kirchengemeinde in Britz des Kirchenkreises Neukölln hat jetzt das erste Restaurant für einsame Menschen eröffnet.

12,5 Kilo Kartoffeln haben sie binnen einer Stunde geschält. Bernd Nowack (68) muss sie nach dem Kochen noch pürieren. Bis 12.30 Uhr muss das Küchenteam, das aus vier Rentnern besteht, das Essen fertig haben. Ihre Gäste sind äußert dankbare Abnehmer. Sie sind einsam und haben niemanden zu Hause, der für sie kocht und mit ihnen spricht.

Brunhilde Wolf (84) ist eine der Ersten. Die ältere Dame kommt schon zum dritten Mal hierher. Sie sagt: „Ich sitze sonst immer allein in meiner Wohnung. Mit anderen zusammen schmeckt das Essen gleich viel besser.“ Die sozialen Kontakte stehen für die meisten Besucher im Vordergrund. Das Gefühl der Einsamkeit kennt Anneliese Lauffer (73) auch zu gut.

Das Essen in Britz ist gratis

„Obwohl ich drei Kinder und sechs Enkel habe, überkommt mich oft die Einsamkeit, wenn ich allein zu Hause bin“, sagt sie. Ein paar Plätze weiter sitzt Binko, der nur mit Vornamen angeredet werden möchte. Er komme aus einem anderen Grund hierher. „Ich lebe von Hartz IV und zum Monatsende ist das Geld immer sehr knapp und reicht nicht mehr für eine warme Mahlzeit“, sagt er.

Das Essen an jedem letzten Donnerstag im Monat ist für alle Gäste gratis. „Wir wollen sie nicht nur bekochen, sondern ihnen in unserem Restaurant ein schönes Erlebnis bieten“, sagt Nowack, der mit seinem Team alle Gerichte aus privaten Rezepten nachkocht. Den Wackelpudding hat Silvia Podgora einen Abend vorher extra noch zu Hause zubereitet, „damit er über Nacht schön fest wird“.

Christian Luthardt teilt das Essen aus. Früher war er Lehrer. Foto: camcop media/Andreas Klug

Die Freude, mit der die Mahlzeit hier zubereitet wird, sei zu spüren, findet Binko. „Ich habe viele Suppenküchen in Berlin besucht. In den meisten spiegelt sich eine gewisse Routine wider.“ Sein Sitznachbar Andy (49) hat es auch geschmeckt, wie er sagt. Er könne wegen einer psychischen Erkrankung nicht mehr arbeiten und sitze sonst den ganzen Tag isoliert in seiner Wohnung. Bernd Nowack ist in Gedanken schon bei der nächsten Mahlzeit.

Hühnerfrikassee mit Reis will er dann kochen. Die ehrenamtliche Arbeit mache ihm Spaß und er habe als Rentner noch eine wertvolle Aufgabe. Er sagt: „Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich andere Menschen glücklich machen kann.“ Bernd Nowack sitzt selbst nicht gern allein zu Hause.