Katrin zeigt ein Hochzeitsbild ihrer Schwester Annett aus glücklichen Tagen. Foto: Volkmar Otto

„Es sieht alles nicht so gut aus. Ich habe dich ganz doll lieb, große Schwester. Ich schaffe das“ – diese SMS waren die letzten geschriebenen Sätze, die Katrin Reimann (47) aus Schönwalde-Glien (Brandenburg) mit ihrer jüngeren Schwester Annett (43) vor ein paar Tagen wechselte.

Annett liegt mit einer schweren Lungenentzündung in der Klinik und wurde von den Ärzten ins künstliche Koma versetzt – die Folgen ihrer Leukämieerkrankung (Blutkrebs). Wenn die Mutter eines Sohnes (16) nicht schnellstmöglich einen Stammzellenspender findet, wird sie vermutlich sehr bald sterben. Weil Annett nicht mehr ansprechbar ist, wendet sich ihre ältere Schwester verzweifelt an die Leser des KURIER: „Bitte helft uns und lasst euch online registrieren. Ich möchte nur eines, meine geliebte Schwester behalten“, sagt Katrin Reimann und kann vor lauter Schluchzen kaum mehr reden. Tränen rinnen über ihr Gesicht. Gerade hat Annetts behandelnder Arzt aus dem Krankenhaus angerufen und ihr mitgeteilt, dass der Gesundheitszustand ihrer Schwester lebensbedrohlich sei.

Es war Katrins Versprechen an ihre Schwester, dass sie wie eine Löwin kämpfen wird, wenn ihr selbst die Kraft ausgeht, um einen geeigneten Stammzellenspender für Annett zu finden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie nicht gewusst, wie wenig Zeit ihr dazu bleibt. „Meine Schwester ist von heute auf morgen mitten aus ihrem Leben gerissen worden. Nun verschlechtert sich ihre körperliche Verfassung von Tag zu Tag“, sagt Katrin Reimann verzweifelt. Vor sechs Wochen sei sie während eines Einkaufsbummels plötzlich ohnmächtig zusammen gebrochen und im Rettungswagen in die Klinik gebracht worden. „Als die Ärzte ihr Blut untersuchten, kam heraus, dass die Werte dramatisch waren“, erinnert sich Katrin Reimann. Die niederschmetternde Diagnose Leukämie folgte kurz darauf und zog den beiden lebenslustigen Schwestern den Boden unter den Füßen weg. Katrin Reimann kann es noch immer nicht begreifen: „Ich frage mich jeden Tag warum. Annett war doch kerngesund und hatte so viel Energie.“

Als Schwestern sind sie unzertrennlich und der Gedanke daran, dass Annett eines Tages viel früher vor ihr sterben könnte, ist so schmerzhaft, dass sie ihn sofort wieder verwirft, so sagt Katrin Reimann. Die Schwestern teilen viele schöne Erlebnisse, gemeinsame Urlaube in Rimini (Italien) und ihre Leidenschaft für Schlager. Beim Roland-Kaiser-Konzert in Dresden vor einem Jahr hätten sie noch unbeschwert und ausgelassen vor der Bühne zu ihrem Lieblingssongs getanzt. „Wir haben auch noch so viel zusammen vor. Ich heirate in einem Monat, und im kommenden Jahr wollten wir gemeinsam mit der ganzen Familie unsere Flitterwochen in Thailand verbringen. Außerdem möchte Annett so gern noch einmal mit ihrem Mann und ihrem Sohn Afrika bereisen“, sagt Katrin Reimann. Während Annett im Helios-Klinikum in Bad Saarow mit ihrem Leben kämpft, kämpft die Schwester um so viel öffentliche Aufmerksamkeit wie möglich, damit sich möglichst viele Menschen bei der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) online registrieren lassen (www.dkms.de/annett-alive.de). Die potentiellen Lebensretter bekommen danach kostenlos ein Spenderset per Post zugesandt, das sie anschließend mit ihrer Speichelprobe wieder zurück an die DKMS zur Auswertung schicken.

Doch Katrin Reimann führt einen Wettlauf gegen die Zeit und um ihr Versprechen einzulösen, bleiben ihr nicht mehr allzu viele Stunden. „Meiner Schwester geht es körperlich so schlecht, dass jede Minute zählt“, sagt sie. Annett so leiden zu sehen, sei das Schlimmste für sie. Sie wünsche sich nichts sehnlicher, als ihrer geliebten Schwester helfen zu können. Doch das schafft sie unmöglich allein, egal wie viel Kraft sie dafür aufwendet. Sie sagt: „Meine Schwester hat so ein großes Herz und ist immer für alle da. Sie hat es so sehr verdient, dass sie weiter leben darf.“ Katrin Reimann hofft, dass sich ein Lebensretter für Annett findet. So lange wird sie nicht aufhören zu kämpfen.