Für das Baby Nisa Shirin gibt es endlich gute Nachrichten. Foto: Uhlemann

Es ist eine Geschichte, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert und uns Mut macht. Weil sie zeigt, dass längst nicht alles so hoffnungslos ist, wie es gerade erscheint. Es ist die Geschichte von Nisa Shirin. Der KURIER berichtete bereits über das tapfere Baby, das mit zehn Wochen, die niederschmetternde Diagnose Leukämie bekam. Nun gibt es endlich gute Nachrichten: Für den Säugling wurde ein Spender gefunden.

„Wir sind so froh und dem Spender so unendlich dankbar, dass wir unser Glück gar nicht in Worten ausdrücken können“, sagt Nisa Shirins Mama, Özlem Y. (35), dem KURIER. Ihr Ehemann Akifhan (46) und sie seien durch Monate der Hölle gegangen. Jetzt gibt es für die Eltern und Nisa Shirins beiden Halbgeschwistern ausgerechnet in der Corona-Krise ein großes Wunder: „Für unsere kleine Maus wurde endlich ein Spender aus Portugal gefunden wurde“, so die Mutter.

Am 9. Februar begleiteten KURIER-Reporter die Familie zu einer Typisierungsaktion der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) im Columbia-Theater in Kreuzberg. Damals nahmen rund 1000 Menschen an der Registrierung teil, doch ein passender Spender für das todkranke Baby war nicht dabei. Der fand sich jetzt knapp 3000 Kilometer entfernt von Berlin, in Portugal.

Am 18. Juni wird Nisa Shirin ein Jahr alt. Foto: Uhlemann


„Die Typisierung war trotz allem nicht umsonst, weil sie jetzt anderen erkrankten Menschen das Leben retten kann“, betont Özlem Y. Sie weiß, wie es einen als Eltern den Boden unter den Füßen wegreißen kann, wenn das eigene Kind an Blutkrebs erkrankt. Dann könne man nichts tun, außer beten und bangen.

Nisa Shirin erkrankte schon kurz nach ihrer Geburt im Sommer 2019. „Sie hatte am ganzen Körper rote Punkte, hohes Fieber und röchelte nach Luft“, erinnert sich die Mutter. Die Eltern verbrachten abwechselnd monatelang mit ihrem neugeborenen Säugling auf der Kinderonkologie im Helios-Klinikum Berlin-Buch, wo Nisa Shirin schwere Chemotherapien über sich ergehen lassen musste. Doch schnell war klar, dass die Medikation allein nicht ausreicht, um das Leben des Babys, das gerade erst begonnen hatte, zu retten und es dringend eine Stammzellentransplantation benötigt. Diese kann jetzt Dank des gefundenen Spenders aus Portugal voraussichtlich Mitte Mai an der Charité erfolgen.

Um einen geeigneten Spender zu finden, müssen bestimmte Gewebemerkmale übereinstimmen. Da Nisa Shirins Eltern südländische Wurzeln haben, ist es nicht ungewöhnlich, dass ihr Lebensretter ein Portugiese ist. „Grundsätzlich ist es schwierig, einen passenden Spender zu finden“, sagt DKMS-Specherin Simone Henrich dem KURIER. Während der Corona-Krise stehen die Mitarbeiter der DKMS vor zusätzlichen Herausforderungen, um weltweit das Leben vieler Menschen retten zu können.

Zum einen können keine öffentlichen Typisierungsaktionen mehr stattfinden und Speichelproben müssen zu Hause selbst entnommen und anschließend per Post zurück gesendet werden. Das Set ist online bei der DMS www.dkms.de erhältlich. Zum anderen sei der Transport der Stammzellen eine logistische Schwierigkeit, da das Reisen derzeit stark eingeschränkt ist und nicht mehr genügend Linienflüge zur Verfügung stehen. „Nach Übersee versenden wir ausschließlich per Luftfracht, der Pilot der Airline nimmt das Transplantat persönlich an sich“, erklärt Henrich. Innerhalb Europas könne die Auslieferung per Zug und Auto erfolgen.

Nisa Shirins Transplantat wird voraussichtlich kurz vor ihrer Einweisung in die Klinik im Mai versendet. Doch vorher muss sich die kleine Kämpferin noch einmal einer erneuten schweren Chemotherapie unterziehen, damit die fremden Stammzellen von ihrem Körper nicht abgestoßen werden.

Am 18. Juni wird Nisa Shirin ein Jahr alt. Die Feier wollen ihre Eltern mit der Familie und Freunden nachholen. „Wir wollen im Herbst das zweite Leben unserer geliebten Tochter feiern“, sagt Mama Özlem. Für die Eltern hat sich in den letzten Wochen nicht viel geändert. Hände desinfizieren, Abstand halten, soziale Kontakte meiden und Mundschutz tragen, gehört seit zehn Monaten zu ihrem Alltag. „Das ist alles nebensächlich“, sagt Özlem Y. Sie hat nur einen einzigen Wunsch: „Dass meine Tochter wieder ganz gesund wird.“