In einigen Kliniken sind die Kapazitäten auf den Intensivstationen bereits erschöpft.  dpa/Waltraud Grubitzsch

Wegen der galoppierenden Corona-Infektionszahlen spitzt sich die Lage in den Krankenhäusern immer dramatischer zu. Die Kapazitäten auf den Intensivstationen sind teilweise fast ausgeschöpft, planbare andere Operationen werden verschoben, Patienten finden unter Umständen in ihrer Nähe keine freie Klinik mehr und werden in andere Städte ihres Bundeslandes gebracht.

Vor allem im Süden und Osten bereiten sich Kliniken auf die Verlegung von Patienten auch in andere Bundesländer vor, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Allerdings sind die Aufnahmemöglichkeiten anderer Länder ebenfalls begrenzt. Sachsen-Anhalt etwa kann zwar noch Kranke aus dem eigenen Land versorgen – aber: „Es sieht so aus, dass man keine Kapazität hat, Patienten aus anderen Bundesländern aufzunehmen“, sagte ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft.

Aus einem vertraulichen Bericht der Länder geht hervor, dass in Bayern und Baden-Württemberg bereits „täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit durchgeführt“ werden, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten. „Im Norden gibt es noch Kapazitäten, im Süden sind sie praktisch aufgebraucht“, heißt es demnach im Bericht der länderübergreifenden Steuerungsgruppe des sogenannten Kleeblattsystems zur Patientenverteilung bei regionaler Überlastung.

Kleeblattsystem zur Verteilung von Patienten

Die 16 Bundesländer sind in bundesweit fünf Gruppen (Kleeblätter) eingeteilt, die sich zunächst gegenseitig helfen sollen. Ist ein ganzes Kleeblatt überlastet, wird deutschlandweit verteilt. Was ergibt sich daraus für Berlin?

Berlin und Brandenburg bilden mit den stark betroffenen Ländern Sachsen und Thüringen sowie mit Sachsen-Anhalt ein solches Kleeblatt. Sachsen richtet sich darauf ein, das Kleeblattprinzip wieder zu aktivieren und Patienten in Nachbarländer zu verlegen, wie der Geschäftsführer der Landes-Krankenhausgesellschaft, Stephan Helm, der dpa sagte.

Sachsen will Patienten in andere Bundesländer verlegen

Das Land hat die höchste Sieben-Tage-Inzidenz und den zweithöchsten Anteil Corona-Patienten auf den Intensivstationen (22,1 Prozent). Von 1336 Intensivbetten sind noch 174 frei (13 Prozent). Sachsen-Anhalt sieht sich an der Aufnahmegrenze und Berlin hatte am Freitag prozentual sogar noch weniger freie Intensivbetten (7,0) – so bleibt erstmal nur Brandenburg, wo die Lage noch halbwegs entspannt ist (17,4 Prozent freie Betten).

In Thüringen, dem Land mit der zweithöchsten Sieben-Tage-Inzidenz, ist die Lage vor allem in absoluten Zahlen dramatisch: Von den 637 Intensivbetten waren noch 82 frei. Zugleich hat das Land mit 23,9 Prozent (152) den höchsten Anteil an Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Mitte der Woche hieß es bei der dortigen Krankenhausgesellschaft, Verlegungen von Patienten in andere Bundesländer gebe es noch nicht flächendeckend, es könne aber sein, dass Krankenhäuser in Grenzregionen das bereits machten.

Fehlendes Personal mit das größte Problem

Hauptproblem sind weniger die fehlenden Hightech-Betten: „Der größte limitierende Faktor, den wir momentan im Krankenhausbereich haben, ist das Personal“, erklärte der sächsische Experte Helm. Denn für jedes Intensivbett braucht es eine bestimmte Zahl medizinischen Personals.

Und das Problem gibt es auch im etwas weniger belasteten Norden: „Verschärft wird die Lage aktuell dadurch, dass viele Kliniken ihre Intensivkapazitäten aufgrund eines Mangels an Pflegepersonal derzeit nicht vollumfänglich betreiben können“, hieß es bei der Krankenhausgesellschaft in Niedersachsen - wegen Kündigungen, Arbeitszeitverkürzungen und internen Stellenwechseln. „Ursache dafür sind die anhaltenden Belastungen des Personals durch die Corona-Pandemie.“