Heidemarie Jänke (67) schaut sich ein Foto ihrer Mutter an, die sie sechs Wochen lang nicht besuchen durfte. Foto: Volkmar Otto

Das enge Band zwischen Mutter und Tochter ist stärker als jedes Verbot. Eigentlich darf Heidemarie Jänke (67) aus Marzahn ihre Mutter Elfriede (89) während der Corona-Krise nicht im Pflegeheim besuchen. Doch vor vier Tagen gab es mit Unterstützung des KURIER plötzlich ein unerwartetes Wiedersehen. „Ich bin tief traurig, weil ich meine demente Mutter seit sechs Wochen nicht besuchen darf. Bitte helfen Sie mir“ - dieser Hilferuf erreichte die Kollegen des KURIER. Unter einem Besuchsverbot in Pflegeheimen, das dazu dienen soll, die Bewohner und Mitarbeiter vor den Covid-19-Viren zu schützen, leiden gerade viele Angehörige im gesamten Bundesgebiet.

„Bei dementen Bewohnern ist das Problem besonders groß, weil sie oft die gewohnte Tagesstruktur benötigen, um sich im Alltag noch zurecht zu finden“, weiß Jänke. Sie besuche ihre Mutter alle zwei Tage immer zur selben Zeit zum Kaffeetrinken. Jedes Mal sitze sie schon im Foyer und warte auf sie. In den vergangenen Wochen wird Elfriede vermutlich viele Male vergeblich auf ihr Kind gewartet haben. Auch die Tochter selbst, so berichtet sie, probierte unzählige Mal, wenigstens ein Gespräch aus der Distanz mit der Mutter führen zu können. Allerdings ohne Erfolg.

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Wenn Heidemarie Jänke an diese traurigen Szenen denkt, breche es ihr fast jedes Mal das Herz. Ein Grund, warum die KURIER-Reporter sich vor vier Tagen mit ihr vor dem Pflegeheim, in dem ihre Mutter seit zwei Jahren betreut wird, trafen. „Darf Frau Jänke ihre Mutter wenigstens einmal kurz sprechen“, fragten die KURIER-Reporter Michael Pfüller, Geschäftsführer der Alpenland Pflegeheime Berlin GmbH. Er zeigte ein großes Herz und erfüllte Heidemarie Jänkes sehnlichsten Wunsch: Mutter und Tochter konnten sich für 20 Minuten sehen. Allerdings durften die Reporter nicht dabei sein und konnten den Augenblick der Wiederbegegnung leider nicht fest halten.

Neue, individuell gestaltete Kontaktmöglichkeit in den Gärten des Pflegeheims

Heidemarie Jänke erzählt es so: „Meine Mutter und ich trugen beiden einen Mundschutz und saßen uns im Foyer entfernt voneinander gegenüber. Zwei zusammengeschobene Tische standen zwischen uns. Leider hat meine Mutter die ganze Zeit durch mich hindurch geguckt und mich gar nicht mehr erkannt. Das war sehr traurig“, so Heidemarie Jänke. Ihr seien hinterher die Tränen gekommen. Trotzdem sei sie den Mitarbeiter sehr dankbar, dass sie ihr den Besuch bei ihrer Mutter ermöglicht hätten.

Auch die Alpenland Pflegeheime stehen wie viele andere Einrichtungen vor einer großen Herausforderung dieser Tage. „Die von uns getroffenen Maßnahmen und Einschränkungen zur Vermeidung einer Ausbreitung der Corona-Pandemie basieren auf Empfehlungen und Richtlinien des Robert-Koch-Institutes und sind mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Sie dienen sowohl dem Schutz der uns anvertrauten Bewohner als auch unserer Mitarbeiter“, betonte Pflegeheim- Chef Pfüller. Jänke, selbst examinierte Altenpflegerin, wisse, mit welchen Problemen die Pflegenden derzeit zu kämpfen hätten. „Trotzdem finde ich die Entscheidungen vieler Einrichtungen, ein Besuchsverbot auszusprechen sehr unmenschlich“, sagt sie. Besser fände sie es, in der Krise Alternativen zu entwickeln, die auch Schutz böten. In dem Heim, in dem sie früher vor ihrer Rente gearbeitet habe, könnten sich die Bewohner mit ihren Angehörigen regelmäßig über den Gartenzaun austauschen. Auch das Pflegeheim, in dem Heidemarie Jänkes Mutter liegt, hat sich dazu entschlossen, am Besuchsverbot etwas zu verändern. Seit Montag gebe es nach Angaben von Michael Pfüller unter Berücksichtigung der geltenden Abstandsregularien eine individuell pro Einrichtung gestaltete Kontaktmöglichkeit in den Gärten. Heidemarie Jänke freut das . Sie sagt: „Da wird auch vielen anderen Betroffenen ein Stein vom Herzen fallen.“