Dieter lief ihr in Charlottenburg über den Weg. Er lebt seit mehr als 30 Jahren auf der Straße. Foto: Debora Ruppert

Es sind Gesichter, in die nicht jeder gerne schaut. Elend, das sich schnell ausblenden lässt. Doch Debora Ruppert blickt ganz genau hin. Sie porträtiert obdachlose Menschen in Berlin. Ihre beeindruckenden Bilder sind jetzt in einer Ausstellung im Rathaus Pankow zu sehen.

„Die Aufnahmen entstehen bei unseren Begegnungen. Es sind keine stilistischen Bilder“, sagt Ruppert. Sie trifft all ihre Protagonisten auf der Straße, unter Brücken, in Hauseingängen, Parks und Bahnhöfen. Seit zehn Jahren hat die junge Frau ihren Fokus auf Menschen am Rande der Gesellschaft gerichtet.

„Ich hätte nie gedacht, dass er obdachlos ist“

Am Containerbahnhof in Friedrichshain trifft sie Mario. Eine Begegnung, die sie noch immer verblüfft, wie sie sagt. „Er sah aus wie ein Model, so wahnsinnig gepflegt und war so charmant und aufgeweckt. Wenn ich an der Straße an ihm vorbeigelaufen wäre, hätte ich nie gedacht, dass er obdachlos ist.“ Sie erfuhr, dass er Straßenmusiker ist und mit einem Alkoholproblem kämpft.

Mario begegnete der Fotografin in einer Notunterkunft. Er hat sein Strahlen nicht verloren. Foto: Debora Ruppert

Von vielen Schicksalen hätte Debora Ruppert wohl niemals erfahren, wenn sie einfach an ihnen vorbei gelaufen wäre. So wäre sie wohl auch nicht Udo begegnet. Der Mittfünfziger war früher Eventmanager, hatte eine Familie mit Frau und Kind.

Die tragische Geschichte ging gut aus

Doch dann bekam er Probleme und landete auf der Straße. „Ich habe sofort gespürt, dass er sich nicht aufgegeben hat“, sagt sie. Und ja, seine tragische Geschichte ging gut aus. Udo verliebte sich neu und lebt inzwischen mit seiner neuen Freundin in Hamburg in einer gemeinsamen Wohnung. „Solche Begegnungen sind die Glücksmomente meiner Arbeit“, sagt die junge Frau.

Doch nicht jeder sei bereit, sich ihr zu öffnen, viele blieben verschlossen. „Das muss man akzeptieren.“ Warum ihr Obdachlose am Herzen liegen? „Ich fühle mich mit ihnen verbunden. Ich weiß selbst, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören, weil ich früher in der Schule mal ausgegrenzt wurde.“, sagt sie. Für ihre Ausstellungen hat sie öffentliche Orte ausgewählt. Sie sagt: „Ich möchte, dass sie jeder sehen kann, damit wir nicht länger vor der Not die Augen verschließen.“

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