Baby Jonas und seine Oma sind schon ein eingespieltes Team. Foto: Sabine Gudath

Jonas jauchzt fröhlich und strampelt mit seinen Beinen. Er ist erst seit sieben Monaten auf der Welt und kann noch nicht verstehen, warum seine Mutter nicht mehr bei ihm ist. Das Baby wächst momentan bei seiner Großmutter auf, weil seine Mutter Isabel schwer krank ist und seit September in der Klinik um ihr Leben kämpft. Die 22-Jährige Alleinerziehende aus Bernau hat eine sehr seltene Form von Krebs, ein „T-Zell-Lymphom“, das ihr Lymphsystem angreift . Da ihre Chemotherapien nicht anschlagen, ist ihre einzige Hoffnung auf Genesung,  ist eine Stammzellenspende.

„Es muss irgendwie weiter gehen“, sagt Elke Adam mit erstickter Stimme. Obwohl es Tage gibt, an denen die Mutter und Großmutter kurz vor dem Verzweifeln ist. Die 52-jährige bangt um das Leben ihrer Tochter und muss rund die Uhr ihren Enkel versorgen. Sie gibt ihm Fläschchen, kocht ihm Babybrei, wechselt Windeln und wiegt ihn nächtelang geduldig in den Schlaf, wenn er nicht schlafen kann, weil er seine Mama vermisst. Sie ist so schwer krank, „dass ihre Überlebenschance bei 50 Prozent liegt, aber nur dann, wenn die Stammzellenspende erfolgreich war , so sagt Oma Elke. Sie fährt täglich von Bernau ins Helios-Klinikum nach Buch, um ihre Tochter zu besuchen und ihr Mut zuzusprechen, den Kampf gegen die tückische Krankheit nicht aufzugeben. So oft wie möglich nimmt sie Jonas mit, damit er seine Mutter sehen kann. „Wenn er eine Schnupfnase wie gerade jetzt  hat, geht es nicht“, sagt Elke Adam. Das sei wegen der Infektionsgefahr zu gefährlich.

Kranke Mutter wurde im Netz aufs Übelstes beschimpft

Elke Adam erzählt das traurige Schicksal ihrer Tochter und das ihres kleinen Enkels, weil sie die Menschen, die das lesen dazu bewegen möchte, sich bei der DKMS  (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei)  online registrieren (www. dkms.de). Denn nur noch ein Stammzellenspender kann Isabels Leben noch retten.  Ihr selbst fehle nach Aussagen ihrer Familie die Kraft, um mit den KURIER-Reportern persönlich zu sprechen, nicht nur wegen ihrer schweren Erkrankung, sondern auch wegen eines schlimmen Erlebnisses. Vor wenigen Tagen habe bereits ein Freund ihrer Tochter einen Spendenaufruf mit einem Foto der jungen Mutter bei Facebook gestartet. „Mein krankes Kind wurde daraufhin im Netz beschimpft“, berichtet Elka Adam traurig. „Du bist doch gar nicht krank, du siehst doch viel zu gut aus“ und „Du bist ein Opfer“ hätten Nutzer dort drunter geschrieben. Das Foto hätten sie daraufhin wieder gelöscht, aber ihrer Tochter habe das sehr weh getan und weitere Kraft gekostet.

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Bis August sei Isabel sehr glücklich gewesen und habe mit beiden Beinen im Leben gestanden. Sie habe Jura studiert und sei mitten im Studium unerwartet schwanger geworden. Trotzdem habe sie sich sehr auf das Kind gefreut. Doch nur vier Monate nach der Geburt habe ihre Tochter plötzlich hohes Fieber bekommen. Sie seien in die Notaufnahme einer Klinik gefahren. „Dort hat sich meine Tochter nicht ernst genommen gefühlt“, erinnert sich Elke Adam. Ein Arzt habe ihr gesagt, dass Fieber schon mal vorkomme und keine Krankheit sei. Später sei sie in dieser Klinik auch stationär aufgenommen worden, aber die Ärzte hätten jeden Tag eine andere Diagnose gehabt. Erst hätten sie auf eine Blutvergiftung, dann auf eine Blasenentzündung und schließlich auf eine Nierenbeckenentzündung getippt. Schließlich sei der Verdacht auf Krebs aufgekommen und sie sei in die Charité verlegt worden, doch die Familie habe wegen der kürzeren Entfernung einen weiteren Wechsel ins Helios-Klinikum Berlin-Buch veranlasst. 

Elke Adam ist jetzt Vollzeit-Oma: Weil ihre Tochter schwer krank ist und in der Klinik um ihr Leben kämpft, kümmert sie sich um ihren sieben Monate alten Enkel Jonas.
Foto: Sabine Gudath
Der kleine Jonas kann noch nicht verstehen, warum seine Mama seit Monaten nicht mehr bei ihm sein kann.
Foto:  Sabine Gudath

In Buch habe man alles Erdenklich getan, um der Tochter zu helfen, aber weil ihre Krankheit erst sehr spät diagnostiziert worden sei, sei viel wertvolle Zeit vergangen. Zeit, die Isabel zum Verhängnis geworden sei. Gerade habe sie ihre fünfte Chemotherapie begonnen und sei körperlich sehr schwach. Vor ein paar Wochen habe sie noch eine Sepsis dazu bekommen, weil ihr Immunsystem von den Medikamenten so angeschlagen sei. Davon habe sie sich bis heute nicht richtig wieder erholt. Tragisch: Mitten im Kampf gegen den Krebs sei auch noch die Beziehung ihrer Tochter zum Vater ihres Kindes zerbrochen, so berichtet Elke Adam. Deshalb habe die Großmutter vom Jugendamt vorübergehend das Sorgerecht für den kleinen Jonas übertragen bekommen. 

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Der einzige Hoffnungsschimmer für die alleinerziehende Mutter ist ein Stammzellenspender, aber das ist ein Wettlauf gegen die Zeit.  Das Netzwerk Gesunde Kinder Barnim Süd hilft bei der Suche und hat den Spendenaufruf auf seiner Facebook-Seite ebenfalls veröffentlicht Derzeit wird geprüft, ob vielleicht auch Isabels drei Jahre älterer Bruder Tim als Stammzellenspender in Frage kommt. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich registrieren zu lassen. „Es geht nicht nur um Isabel, sondern auch um die vielen anderen Menschen, die gerade wegen einer Krebserkrankung um ihr Leben kämpfen“, sagt  Elke Adam. Sie streichelt ihrem Enkel liebevoll durch die ersten blonden Haare auf seinem Kopf. Sie hat nur einen Wunsch: „Ich möchte, dass meine Tochter ihr Baby noch aufwachsen sieht und wieder gesund wird“. Sie hofft auf ein Wunder.