Thomas Gottschalk begrüßt Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt bei Wetten, dass ...? Imago/Future Image

Im KURIER-Podcast „Ich glotz TV“ kam das Gespräch letztens auf Thomas Gottschalk, den meine Kollegin Claudia Pietsch als ihren größten Fernsehhelden bezeichnete, eine Sicht, die ich nicht teilen kann. Ich wurde mit Gottschalk niemals warm, finde ihn eher unangenehm. Doch im weiteren Gespräch ging es auch um die Neuauflage von „Wetten, dass…?“, bei der Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zu Gast waren, zwei meiner Fernsehhelden. Und seitdem werde ich eine Frage nicht mehr los: Werden auch die beiden Entertainer einmal so wie Thomas Gottschalk?

Thomas Gottschalk hat viele Fans, ich zähle nicht dazu

Ich weiß, Thomas Gottschalk hat viele Fans und irgendwie hat er sich das auf irgendeine Weise bestimmt auch verdient. Mit „Wetten, dass…?“, hatte er einen echten Quotenhit gelandet und „Die Supernasen“ soll ja ein echter Klassiker sein.

Doch die erfolgreichen Zeiten scheinen längst vorbei. Abgesehen von der Neuauflage der Wett-Show im ZDF lief in den letzten Jahren so ziemlich kein Format an dem Gottschalk mitgewirkt hatte wirklich gut, dafür mehrten sich die Fremdschäm-Momente.

Manche waren lustiger, wie die Peinlich-Passion bei RTL, andere waren dramatisch und verletzten viele Menschen zutiefst wie sein Auftritt in der WDR-Sendung „Die letzte Instanz“. Dort hatte Gottschalk eine rassistische Bezeichnung für Schwarze Menschen benutzt und in einem anderen Statement Rassismuserfahrungen verharmlost.

Die gesamte Runde hatte zuvor rassistische Bezeichnungen für Sinti und Roma benutzt. Während sich Janin Kunze und Micky Beisenherz schnell entschuldigten, weigerte sich Gottschalk sich ebenfalls zu entschuldigen – und legte wenig später noch mit einem Gender-„Witz“ nach.

Werden Joko und Klaas auch mal so unangenehm wie Thomas Gottschalk?

Doch Thomas Gottschalk kann ja nicht immer für mehr Fremdschäm- als Feelgood-Momente gesorgt haben, sonst wäre er wohl kaum so erfolgreich geworden. Kann Joko und Klaas also ein ähnliches Schicksal blühen, wenn sie irgendwann eine gewisse Altersgrenze überschritten haben?

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Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf verschafften auch der ukrainischen Band Band Selo i Ludy Sendezeit. ProSieben

Nach einigen Nachdenken kam ich zu dem Schluss: Wahrscheinlich werden die beiden keine peinlichen Fremdschäm-Opas werden. Denn abgesehen davon, dass es sich bei den dreien um drei der größten Showmaster Deutschlands hält, haben sie doch recht wenig gemeinsam. Joko und Klaas haben sich immer wieder gesellschaftlich positioniert. Sie haben wichtigen Themen Sendezeit bei Pro7 verschafft. So gab es eine bewegende Live-Reportage aus dem Pflegeberuf, eine Bühne für Seenotretter auf dem Mittelmeer und eine fiktive Ausstellung über sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

Thomas Gottschalk legte auch früher die Messlatte nicht besonders hoch

Und Gottschalk? Der legte selbst in seinen besten Jahren die Messlatte nicht besonders hoch und stattdessen lieber seine Hand auf die Knie seiner weiblichen Gäste.

Beim genauen Hinschauen, scheint es gar nicht, dass Thomas Gottschalk mit dem Alter peinlicher und unangenehmer geworden ist, sondern es eigentlich immer schon war, aber einfach nicht mit der Zeit gehen wollte, oder konnte.

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Joko und Klaas die sich in ihrer Karriere schon diverse Male neu erfunden haben, dürfte das anders ergehen. Ich würde es mir wünschen und 2053 zum 40. Jubiläum von Circus Halligalli zur großen Revival-Show einschalten. Klaas wäre da 70 Jahre alt, Joko 74 – und peinlich wäre sicher keiner von beiden.

Domescu Möller schreibt jeden Donnerstag im KURIER über die Welt des Fernsehens.
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