Die Schauspielerin Meret Becker klagt über den Berliner Mietenwahnsinn. Foto: dpa/Stache

Hammer-„Tatort“ am kommenden Sonntag, ein echter Mieten-Krimi. „Die dritte Haut“  (20.20 Uhr, Das Erste) ist einer der letzten mit Meret Becker. Die 52-jährige Schauspielerin macht Schluss, Corinna Harfouch übernimmt die Berliner Kommissar-Rolle ab dem nächsten Jahr. Als Hauptkommissarin Nina Rubin ermittelt Becker jetzt aber noch einmal volle Pulle in der Hauptstadt. Gemeinsam mit Mark Waschke alias Robert Karow. Und dieses Mal geht es um den Berliner Wohnungswahnsinn: Vier Mietparteien klammern sich an ihre noch bezahlbaren eigenen vier Wände, wehren sich mit Händen und Füßen gegen eine drohende Zwangsräumung. Ihr Haus soll luxussaniert werden. Eines Tages liegt der Juniorchef der zuständigen Immobilienfirma tot vor der Tür ... 

Berliner KURIER: Hallo, Frau Becker! In Ihrem „Tatort: Die dritte Haut“ geht es um den Mietenwahnsinn in Berlin. Ein brennendes Thema. Wie sehr bewegt Sie das persönlich?

Meret Becker: Meine Heimat verschwindet halt immer mehr. Das macht wehmütig. Aber Berlin erfindet sich auch immer wieder neu. Es stellt sich eben irgendwann die Frage, wen gibt man auf, weil man es sich nicht mehr leisten kann: die Wohnung oder die Krankenversicherung?

Szenenbild aus dem Tatort „Die dritte Haut“. Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker) stellen den Mord am Immobilienmanager Ceylan nach.
rbb/Gordon Muehle

Auch Prominente sind von drohendem Wohnungsverlust direkt betroffen. Katharina Thalbach etwa oder Frank Zander, um nur zwei zu nennen. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Mein Lieblingsbuchladen Kisch & Co. muss gerade aus SO36 raus, weil irgendwelche Spekulanten Eigenbedarf angemeldet haben, weil sie das Haus für über 30 Millionen verkaufen wollen. Das ist doch verrückt und nicht rechtens. Es wird ohne Rücksicht auf Menschen und Kultur gedealt. Ich kenne massenhaft Leute, die aus ihren Wohnungen müssen. Ich kenne es auch selber. Die Mittel, die genutzt werden, sind meist boshaft und mal mehr, mal weniger subtil.

Wie sollte Berlin mit der Wohnungsnot umgehen? Wären Enteignungen das Mittel der Stunde?

Es gibt so tolle Entwürfe für Wohnmodelle, die ein diverses, ökologisches und schön anzusehendes Miteinander innerhalb des Stadtkerns zulassen würden. Es bringt vielleicht weniger Kohle, aber dafür vielleicht mehr Glücksgefühle. Das müssen Menschen mit viel Geld vielleicht erst noch für sich als gute Währung entdecken: Glücksgefühl und Karma. Geld ist eben auch nur eine Droge und die macht skrupellos. Aber das Glück, freundlich zu sein, ist geiler, der bessere Stoff! Hat schon Brecht von erzählt.

Wir sehen Sie in einem „Tatort“, den es so noch nicht gegeben hat. Die Kommissare laufen mit Masken rum. Wie kam es dazu?

Wir haben Covid und es lässt sich im Straßenbild nicht verbergen. Norbert ter Hall (der Regisseur, d. Red.) hat sich für eine sehr spontane Arbeitsweise entschieden, was eine große Freude war. Da wurden die Dinge also weitgehend genommen, wie sie gerade kamen und waren. Mit Unsicherheiten, Fehlern und eben auch mit Masken.

Wie schwierig war es für Sie, mit Mund-/Nasenschutz zu spielen?

Wir haben natürlich jede Gelegenheit genutzt, ohne Maske zu spielen, möglichst ohne dabei so rüberzukommen, die Sache nicht ernstzunehmen.

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In einer Drehpause erklären Sie, dass Sie gerade in einem „Tatort“ nicht so tun könnten, als würde es Covid nicht geben.  Versehen Sie Ihre Rolle in dem Punkt mit einer Vorbildfunktion?

Nicht immer. Es ist eine Gratwanderung, einen Menschen auch mit Abgründen zu zeigen und die Vorbildfunktion durchaus zu nutzen. Man muss sich entscheiden, in welchen Zusammenhängen man eine Figur wie zeichnet, mit welchen Eigenschaften und Aussagen man sie darstellt. Gerade beim „Tatort“ gibt es immer mal wieder Diskussionen, wie viel Überschreitungen die Figur einer Polizistin oder eines Polizisten verträgt. In Bezug aufs Maskentragen gab es aber keine Diskussionen.

Sie sagen auch, dass Ihnen Leute, die gegen Masken sind, „auf den Sack“ gehen. Viele werden erleichtert sein, wenn Sie mit dieser klaren Haltung ein Missverständnis im Zusammenhang mit der Aktion #allesdichtmachen aus der Welt schaffen, oder?

Wenn ich ein Menschenleben damit retten könnte, nackt und grün bemalt durch die Straßen zu laufen, würde ich das ohne Frage tun.

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Nach sechs Jahren sagen Sie dem „Tatort“ Adieu. Wie wehmütig macht Sie der langsame Abschied von Ihrer Rolle und dem Team?

Sieben Jahre und 15 Filme, ungerade, da bestehe ich drauf! Es gibt kein bestehendes Team, bei uns bewegt sich alles stetig. Nur Mark und ich und unsere Redakteurinnen bleiben dieselben. Das wird schon noch ´ne Heulnummer, mach ich mir keine Sorgen.

Corinna Harfouch ist sicherlich eine würdige Nachfolgerin, aber Ihre Fans werden trotzdem Tränen vergießen. Wie und vor allem womit werden Sie sie ab nächstem Jahr trösten können?

Ach, das wär ja rührend, wenn die alle weinten. Auf zum Wannsee! Wie bei Schlingensief. Also wenn zehn Millionen Zuschauer zu meinen Konzerten kämen, das wär schon gut. Acht Millionen sind auch okay.