Fast wie früher: Kult-Moderator Jonathan Frakes im Set der Neuauflage von „X-Factor: Das Unfassbare“. Foto: RTLZwei

Für Fans der Grusel-Sendung „X-Factor: Das Unfassbare“ war der Halloween-Abend in diesem Jahr so, als würden Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag fallen: Endlich strahlte der Sender RTLZwei, der die Uralt-Sendung mit Kult-Moderator Jonathan Frakes auch sonst dauerhaft im Programm hat, eine neue Folge aus. Vier neue Geschichten wurden gesendet, unterbrochen von Frakes-Moderationen, für die sogar ein Team nach Amerika flog, um mit dem Großmeister der Mystery-Unterhaltung zu drehen. Aber: Wie viel ist übrig vom Charme der Gänsehaut-Show?

Gleich vorweg: Ich bin ein großer Fan der Sendung – schon im Kinder- und Jugendalter schaltete ich ein, wenn „X-Factor: Das Unfassbare“ über die Mattscheiben flimmerte. Auch wenn ich mit dem Programm des Senders RTLZwei sonst noch nie viel anfangen konnte: Dafür, dass die mysteriösen Geschichten hier quasi zum Standart-Programm gehören, schätzte ich den Kanal sehr.

„X-Factor: Das Unfassbare“ erzählt fünf mysteriöse Geschichten

Und ich sah sie ALLE: Es gibt keine X-Factor-Geschichte, die ich nicht kenne. Als Kind zeichnete ich die Show Ende der 90er sogar auf Videokassette auf, um sie dann auf eine Tonbandkassette zu übertragen, damit ich sie mit dem „Walkman“ (tja, die 90er-Jahre...) auch unterwegs hören konnte.

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Für alle, die das Format nicht kennen: In „X-Factor: Das Unfassbare“ werden jeweils fünf Kurzgeschichten filmisch erzählt, die in irgendeiner Weise mysteriös erscheinen, manchmal gruselig, immer unglaublich. Die Zuschauer müssen erraten, welche der Geschichten so passiert sind und welche sich die Autoren der Sendung ausgedacht haben. Geraten habe ich schon früher gern. Umso gespannter war ich, was das wohl für eine Neuauflage wird, die der Sender schon vor Wochen anpries.

Fans der Show wissen: Der erste Versuch namens „X-Factor - Das Unfassbare kehrt zurück“ war nicht das Gelbe vom Ei, doch mit Großmeister Jonathan Frakes als Moderator sollte es doch klappen, dass die Mystery-Show wieder den Charme der 90er atmet. Oder? Oooooder?

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Für Nostalgiker: Das Intro von „X-Factor: Das Unfassbare“.

Video: Youtube

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Nun ja: Jonathan Frakes ist, genau wie sein gruseliges, mit alten Büchern und Antiquitäten vollgestopftes Studio und seine Moderationssprüche, eine Reise in die Vergangenheit. Was aber aus den Geschichten wurde, die uns in den früheren Folgen einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagten, lässt sich nur schwer beschreiben. Produziert sind die Kurzfilme nämlich auf eine Art, die eher an „Familien im Brennpunkt“ und „Mitten im Leben“ erinnert. Sie erzeugen Gänsehaut, aber nicht unbedingt, weil es gruselig ist.

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Die Geschichten: miserabel im Vergleich zu früher! Einzig und allein eine Story über eine junge Frau, die vom Geist ihres toten Großvaters gerettet wird, hat Charme. Aber: Leider ist sie ausgedacht, wie übrigens drei der vier Storys. Die einzig wahre Geschichte dreht sich um zwei Soldaten, die in der Nachtschicht einen Werwolf sehen. Und die ist höchstens ein Beleg dafür, dass es in der Kaserne vor Schichtantritt ein Schnaps weniger vielleicht auch getan hätte.

„X-Factor: Das Unfassbare“: Die Dialoge sind eine Katastrophe

Und dann: Die Dialoge, die Erzählweise! Eine Story dreht sich um einen jungen Mann, der von einem Wahrsager vermeintliche Lottozahlen bekommt, diese gegen den Willen seiner Frau tippt. „Ach, was kostet schon ein Lottoschein? Zehn, zwanzig Euro?“, fragt er. Nein, Kollege, zwei Euro kostet ein Tipp beim Eurojackpot, bei „6aus49“ sogar 1,20 Euro. Trotzdem nimmt er 70 Euro aus der Haushaltskasse und wird von seiner Frau wenig später zusammengestaucht, weil er „fast 100 Euro“ für das Lottolos ausgegeben hat. Wer in Gottes Namen hat dieses einfach absurde Drehbuch geschrieben?

Grundsätzlich scheinen auch die Schauspieler nicht unbedingt schlecht zu sein, die Texte sind es in jedem Fall. Aber: Dass etwa Youtube-Star Gronkh den Wahrsager spielte und TV-Star Cathy Hummels als Kiosk-Verkäuferin zu sehen war, nimmt der Produktion leider vollends den Charme und lässt sie zu einer Sendung verkommen, bei der man am Ende nicht sicher ist: Sollte es Mystery oder Comedy sein? Kurzum: Das, was im amerikanischen Original klappte, ist in der Neuauflage für echte Fans grandios gescheitert. Trotzdem schauten viele zu: 1,05 Millionen schalteten die Folge ein, der Marktanteil lag damit bei 3,5 Prozent. 

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Was die Zuschauer dazu sagen, klingt aber auch nicht gerade erbaulich. „Also wirklich war das schlecht. Das war ja wirklich zum fremdschämen. Die alten Folgen habe ich wirklich sehr gerne geschaut, aber das war wirklich nicht gut“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. Ein anderer: „Absoluter Müll was ihr da präsentiert!“

Der einzige Gewinner bleibt Jonathan Frakes. „Ich feiere Jonathan Frakes, das er für diese eine Folge, X-Factor neu gedreht hat. Er war wie immer Weltklasse, die Stories & die Schauspieler waren es leider nicht... Aber das hat nix mit dir zu tun Jonathan! Du bist Kult“, heißt es in einem Tweet. Ein anderer Kommentar lautet: „Am Ende feiere ich Jonathan Frakes, das er X-Factor eine Chance gegeben hat... Die Stories sind nicht so spannend und gruselig, dennoch würde ich mir eine Fortsetzung wünschen, um zu beweisen, dass man es besser kann...“

Und was wird daraus? KURIER fragte beim Sender an. „Am Sonntag haben wir eine komplett neue Folge mit vier neuen Episoden gezeigt“, heißt es von RTLZwei. „Weitere neue Folgen sind bisher nicht gedreht, aufgrund des tollen Erfolgs hoffen wir jedoch, auch in Zukunft neue Folgen produzieren zu können. Den Ausstrahlungstermin werden wir dann zu einem geeigneten Zeitpunkt bekannt geben.“ Bleibt nur zu hoffen, dass die Produzenten es schaffen, die Schwächen beim nächsten Mal auszumerzen. Und dass es an Halloween 2022 endlich ein Wiedersehen mit der Kult-Show gibt, das den Titel „Kult“ auch verdient hat.