Regisseur Woody Allen weist die Anschuldigungen seiner Adoptivtochter, er hätte sich an ihr sexuell vergangen, energisch zurück. Foto: Imago

„Ich glaube nicht, dass Dylan lügt.“ In einem bislang nie veröffentlichten Interview mit der „CBS Morning Show“ weist Woody Allen die Anschuldigungen seiner Adoptivtochter, er hätte sich an ihr sexuell vergangen, energisch zurück. Ohne allerdings ein schlechtes Wort über Dylan Farrow (35) zu verlieren: „Ich denke, dass Dylan von dem überzeugt ist, was sie sagt. Sie war immer ein gutes Kind und ich glaube nicht, dass sie sich das selbst ausgedacht hat. Sie glaubt daran.“

Woody Allens Tochter Dylan zusammen mit ihrer Mutter und Allens Ex-Frau Mia Farrow. Foto: Imago

Das Interview mit dem 85-Jährigen wurde bereits im letzten Sommer aufgezeichnet, dann aber nicht gesendet. Bis die neue Doku-Serie „Allen vs Farrow“ Dylans Vorwürfe gegen ihren Adoptivvater wieder in die Schlagzeilen hob. Und der Streamingservice „Paramount Plus“ sich entschied, „allen die Möglichkeit zu geben, einen Kontext zu der Kontroverse gegen ihn zu geben“. Was mit Kontext gemeint ist: Allen beschuldig seine Ex-Frau Mia Farrow, hinter den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn zu stecken. Seit 1992 besteht er darauf, dass Farrow ihrer damals siebenjährige Tochter genau vorgegeben haben soll, was sie zu sagen hat. Damit sie den damals herrschenden Sorgerechtskrieg gegen ihn gewinnt.

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Der vierfache Oscargewinner im Interview: „Warum würde ein 57-Jähriger, dem noch nie im Leben derartiges vorgeworfen wurde, plötzlich so etwas tun? Ich soll während eines erbitterten Sorgerechtsstreits in Mias Landhaus gefahren und mich an einem siebenjährigen Mädchen vergangen haben. Wir unlogisch ist das?“ Er verweist darauf, dass nie Anklage erhoben wurde – trotz mehrfacher Ermittlungen gegen ihn. Es erschüttert den „Stadtneurotiker“, dass diese „absurde Verleumdung gegen mich“ sich bis heute hält: „Sie bevorzugen, sich an die Vorstellung zu klammern, dass ich Dylan missbraucht habe – an die reine Möglichkeit, dass ich es getan haben könnte. Nichts, was ich jemals mit Dylan getan habe, könnte (als Missbrauch) missinterpretiert werden.“

Woody Allen mit seiner dritten Ehefrau Soon-Yi. Foto: Imago/Gorka Estrada

In der vierteiligen Dokuserie „Allen vs Farrow“ spricht Tochter Dylan über die „intensiven und erschöpfenden“ Interviews mit Gutachtern und Kinderpsychologen, nachdem sie die Vorwürfe gegen ihren Adoptivvater erhoben hatte. Sie wurde innerhalb von drei Monaten gleich neunmal befragt, was Dylan das Gefühl gab, dass man ihr nicht glaubte, weil sie sich immer wieder für ihre Behauptungen verteidigen musste.

Woody Allen ist stinksauer auf Paramount, dass man sich jetzt entschieden hat, das Interview plötzlich doch noch zu senden, um Profit aus der Kontroverse zu schlagen. Seine Sprecherin (und Schwester) Letty Aronson: „Es ist unehrlich und skandalös, was Paramount gemacht hat. Das Interview wurde damals angefragt, weil mein Bruder seine Memoiren auf den Markt gebracht hat. Darum ging es, und dann wurde es grundlos nicht gesendet. Umso schlimmer, dass sie es jetzt ohne unsere Erlaubnis mit anderen Themen und Dylans Interview vermischt haben, um so eine absurde Kontroverse aufzuwärmen.“