Mitten im Corona-Sommer 2020 sorgte der Bilanzskandal rund um Wirecard für Aufsehen. Nun gibt es einen ersten Film dazu - mit Christoph Maria Herbst als Manager (l.). Foto: TVnow

Wirecard - noch vor einem Jahr verband man mit diesem Namen den fast schon märchenhaften Aufstieg eines Zahlungsdienstleisters. Im vergangenen Sommer dann der Schock: Ein Finanzloch von rund 1,9 Milliarden wurde offenbar und löste den womöglich größten Bilanzskandal der Nachkriegsgeschichte aus. Ex-Chef Markus Braun sitzt seitdem in Untersuchungshaft, Top-Manager Jan Marsalek ist auf der Flucht. Ein Finanzthriller, der auch die Filmbranche reizte. Der Streaminganbieter TVnow macht den Beginn und zeigt ab Mittwoch (31. März) den Doku-Thriller „Der große Fake - Die Wirecard-Story“. Am 22. April um 20.15 Uhr läuft das Stück bei RTL. Und Sky plant einen Dokumentarfilm.

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Der 90-minütige Film unter Regie von Raymond Ley gibt interessante Einblicke und verbindet Spielfilmszenen mit Dokumentarischem. Eine gute Wahl sind die Schauspieler, allen voran „Stromberg“-Darsteller Christoph Maria Herbst als Braun und Franz Hartwig („Charité“) als Marsalek. Nina Kunzendorf spielt eine fiktive Journalistin, die dem rasanten Aufstieg des Unternehmens aus Aschheim bei München misstraut und mit einer Kollegin dank investigativer Recherche Ungereimtheiten entdeckt.

Im realen Leben hatten Journalisten der britischen „Financial Times“ den Skandal aufgedeckt und damit den Fall des Unternehmens eingeleitet. Die Idee zu dem jetzigen Film stammte von der freien Journalistin Bettina Weiguny und von Georg Meck von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Für einen Thriller gibt es zu wenig Action

Doch trotz der guten Leistung von Schauspiel und Regie bleibt der Film ein Mittelding. Für einen Thriller gibt es zu wenig Action. Für einen Dokumentarfilm dagegen fehlt die nüchterne Distanz. Denn auch wenn die Macher aufwendig recherchiert haben und viel Realistisches einfließt, müssen sie immer wieder interpretieren. Wie haben sich Marsalek und Braun in dieser Szene wohl verhalten? Wer könnte was gesagt haben?

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Gerade weil diese Momente von Herbst, Hartwig, Kunzendorf und den anderen so gut gespielt sind, ist es schade, dass der Film nie zu der Spannung abhebt, die die Realität ja bietet. Nicht mal ein Jahr nach Bekanntwerden des Skandals im Juni 2020 wäre ein gut strukturierter dokumentarischer Ansatz wohl besser gewesen, auch weil unkundige Zuschauer dann vieles besser verstehen könnten.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Geschichte mit zeitlichem Abstand dann doch irgendwann als Thriller kommt, vielleicht sogar ins Kino und gerne mit Herbst und Hartwig. Noch ist vieles unklar und die Filmemacher müssen sich auch aus rechtlichen Gründen in engen Grenzen bewegen. Denn weiterhin ermittelt die Staatsanwaltschaft. Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages läuft, in dem es auch um ein mögliches Versagen der Finanzaufsichtsbehörde Bafin geht.

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Der Doku-Thriller endet im Sommer 2020 - als der damalige Dax-Konzern in einem Sumpf aus Bilanzfälschungsverdacht und juristischen Problemen versinkt. Zu sehen sind ein ungläubiger Markus Braun, ein Marsalek, der sich mit Flucht aus der Affäre zieht, und ein verzweifelter Kleinanleger, Brauns Chauffeur. Der Absturz des Konzerns hat ihn um sein bisschen Vermögen gebracht. Nun schreit er verzweifelt seinen Chef an: „Wo ist mein Geld?“.