Der Ruf der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr nach Hilfe sei „bei den zuständigen Behörden auf Unverständnis und Untätigkeit“ gestoßen, kritisieren die Entertainer Joko und Klaas.
Der Ruf der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr nach Hilfe sei „bei den zuständigen Behörden auf Unverständnis und Untätigkeit“ gestoßen, kritisieren die Entertainer Joko und Klaas. dpa/Henning Kaiser

Der Fall der oberösterreichischen Allgemeinmedizinerin Lisa-Maria Kellermayr hat Bestürzung weit über die Landesgrenzen hinaus ausgelöst. Die Medizinerin hatte über Monate Morddrohungen erhalten, doch die zuständigen Behörden wiegelten ab. Ein Polizeisprecher warf der Ärztin vor, sie wolle sich nur wichtigmachen, nachdem diese die Drohungen öffentlich machte.

So wurde Kellermayr angedroht, sie und ihre Mitarbeitenden „abschlachten“ zu wollen. Die Drohungen wurden von anonymen Accounts und gestohlenen Identitäten versandt. Eine Spur zeigte nach Deutschland, aber auch hier wurde kein Verursacher der Drohungen ermittelt.

Ärztin Lisa-Maria Kellermayr tot in ihrer eigenen Praxis aufgefunden, nachdem sie Monate lang Morddrohungen erhielt

Trauerkundgebung für Lisa-Maria Kellermayr: Teilnehmer richten schwere Anschuldigungen an die Behörden.
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Trauerkundgebung für Lisa-Maria Kellermayr: Teilnehmer richten schwere Anschuldigungen an die Behörden.

Für Kellermayr hatten die Bedrohungen fatale Konsequenzen: Sie musste ihre Praxis in Seewalchen am Attersee mit teuren Sicherheitsmaßnahmen ausstatten sowie einen Security-Mitarbeiter beschäftigen. Schließlich gab sie die Praxis auf, wurde Ende Juli tot dort aufgefunden. Sie soll sich das Leben genommen haben.

Die Bedrohungen richteten sich dagegen, dass sich Kellermayr ausdrücklich für den Nutzen von Corona-Impfungen ausgesprochen hatte. Dadurch wurde sie zur Zielscheibe von gewaltbereiten Impfgegnern.

Joko und Klaas erinnern an Kellermayr als „langjährige Wegbegleiterin“

In einem unter anderem auf Twitter veröffentlichten Statement erinnern Joko und Klass an ihre „langjährige Wegbegleiterin“: Diese sei oft Gast in ihren Sendungen gewesen, heißt es dort. Ihr Engagement während der Covid-19-Pandemie habe sie ins „Visier von radikalen Corona-Leugner und Querdenkern“ gebracht.

Die beiden Entertainer greifen die Vorwürfe gegen Behörden auf, dass ihre Hilferufe dort „auf Unverständnis und Untätigkeit gestoßen“ seien. Bitter klingt das Zitat, mit dem die amtliche Todesursache festgestellt wurde: „Ein Fremdverschulden wird ausgeschlossen.“

Tatsächlich sah sich nach dem tragischen Tod von Kellermayr sogar die deutsche Bundesregierung zu einem Statement veranlasst, stärker gegen Hass im Internet vorzugehen. Verschärfte Gesetze geben den Strafbehörden ein Mittel in die Hand, effizienter gegen Bedrohungen vorzugehen, doch kommt der erst im September 2021 eingeführte Paragraf 126a im Strafgesetzbuch noch selten zur Anwendung. Danach kann die illegale Verbreitung von privaten Daten und die Erstellung sogenannter Feindeslisten mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

HILFE BEI SUIZID-GEDANKEN

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote: Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist möglich. telefonseelsorge.de Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins „Nummer gegen Kummer“ richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Samstag nehmen die jungen Berater des Teams „Jugendliche beraten Jugendliche“ die Gespräche an. nummergegenkummer.de Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch. mutes.de Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischer, regionaler, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de