Etwas Selbstinszenierung gehört natürlich auch bei Wer stiehlt mir die Show dazu: Joko Winterscheidt mit drei Joko-Doubles.
Etwas Selbstinszenierung gehört natürlich auch bei Wer stiehlt mir die Show dazu: Joko Winterscheidt mit drei Joko-Doubles. ProSieben/Timmy Hargesheimer

Normalerweise lesen Sie an dieser Stelle die Fernseh-Kolumne meines geschätzten Kollegen Domescu Möller – doch in dieser Woche habe ich das besondere Vergnügen, für ihn einspringen zu dürfen. Und deshalb geht’s heute um eine meiner absoluten Lieblingssendungen im aktuellen Fernsehprogramm. Um eine Show, deren Konzepte ich unglaublich spannend finde und einen Moderator, von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden können. Die Rede ist von „Wer stiehlt mir die Show?“ und Entertainer Joko Winterscheidt.

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Noch nie gesehen? Dann wird’s aber Zeit! Das Konzept ist einfach erklärt: Entertainer Joko Winterscheidt – sonst unterwegs mit seinem Kollegen Klaas Heufer-Umlauf – moderiert die Sendung, die in dieser Woche in die vierte Staffel startete. Drei Promis und ein Zuschauer oder eine Zuschauerin treten in mehreren Quiz- und Spielrunden an, müssen dabei Punkte erspielen. Die Idee: Zu gewinnen gibt’s am Ende kein Geld, keine Reise, keine Sachpreise. Sondern die Show!

„Wer stiehlt mir die Show?“ mit Joko Winterscheidt überrascht immer wieder

Wer sich im Finale gegen Winterscheidt durchsetzt, darf die Sendung in der darauffolgenden Woche moderieren – im ganz eigenen Stil, nach eigenen Wünschen und Vorstellungen. Genau das macht „Wer stiehlt mir die Show?“ zu einem absoluten Geniestreich. Das Konzept schafft nämlich seltsame Erwartungen. Normalerweise bin ich ein großer Fan von Joko Winterscheidt, doch hier sitze ich auf der Sofakante und hoffe, dass er verliert. Denn das bedeutet, dass in der kommenden Woche eine völlig andere Inszenierung der gleichen Sendung auf der Bühne zu sehen sein wird.

Fahri Yardim, Nilam Farooq, Olli Schulz und Moderator Joko Winterscheidt (von rechts nach links).
Fahri Yardim, Nilam Farooq, Olli Schulz und Moderator Joko Winterscheidt (von rechts nach links). ProSieben/Timmy Hargesheimer

Und wenn es klappt, überrascht genau das immer wieder. Legendär die Folge, in der sich Komiker Bastian Pastewka gegen Winterscheidt durchsetzte. Pastewka inszenierte „Wer stiehlt mir die Show?“ daraufhin als Hommage an die Samstagabend-Unterhaltung längst vergangener Zeiten. Orchester, Smoking, Fernsehballett, Feuerwerk, viel Humor – sogar die Blumensträuße flogen durch die Gegend, wenn einer der Kandidaten ausschied und verabschiedet wurde. Die Begeisterung war so groß, dass die Zuschauer danach sogar eine eigene Samstagabend-Show für Pastewka forderten.

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Oder Anke Engelke: Die Komikerin brachte eine Sendung im Stil des Eurovision Song Contest auf die Bühne. Holte bei der Eröffnungsnummer Conchita Wurst ins Studio. Sänger Mark Forster durfte als großer Fußballfan eine echte Fußball-Show auf die Bühne bringen – und Rapperin Shirin David fuhr mit einem Quad auf die Bühne. Die Sendungen der Promi-Gäste sind natüurgemäß oft liebevoller und spektakulärer inszeniert als die „Basis-Variante“ mit Winterscheidt. Und obwohl er in diesen Momenten zum Kandidaten „degradiert“ wird, machen genau diese Sendungen ihn zu einem ganz großen Moderator. Denn zum Konzept seiner eigenen Show gehört es, andere glänzen zu lassen.

Bastian Pastewka bewies in „Wer stiehlt mir die Show?“ Showmaster-Qualitäten.
Bastian Pastewka bewies in „Wer stiehlt mir die Show?“ Showmaster-Qualitäten. Foto: ProSieben

Zum Beruf des Showmasters gehört es natürlich sowieso, sich selbst in den entscheidenden Momenten zurückzunehmen. Doch nirgendwo wird das so direkt praktiziert wie bei „Wer stiehlt mir die Show?“. Beispiel Thomas Gottschalk: Natürlich ging auch er bei „Wetten, dass..?“ immer vorbildlich mit seinen Gästen um, stellte sie in den Mittelpunkt. Doch die Hauptfigur in der legendären Fernsehshow blieb immer er selbst.

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„Wer stiehlt mir die Show?“ ist für mich deshalb auch eine Sendung, die hervorragend in unsere Zeit passt. Natürlich wird gekämpft, denn jeder will hier der Showmaster sein. Aber tief drinnen steckt die Botschaft, dass man die lästige Ellenbogen-Mentalität auch mal für einen Augenblick ruhen lassen kann. Anderen den Vortritt lassen, sich selbst in den Hintergrund zurückziehen, weg vom ständigen „ich, ich, ich“ und „meint, meins, meins“: Wir können uns von Joko Winterscheidt eine Scheibe abschneiden.

Florian Thalmann schreibt im KURIER eigentlich mittwochs über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com