Jetzt wird es ernst: Gegen Michael Wendler wurde ein Haftbefehl erlassen. imago/Future Image

Michael Wendler soll als Angeklagter in einem Prozess erscheinen – aber er kommt einfach nicht. Er sei ordnungsgemäß zu den mehrfach verschobenen Gerichtsterminen geladen worden und fehlte unentschuldigt. Jetzt reicht es der zuständigen Richterin Nadja Kuczera am Amtsgericht Dinslaken (NRW). Sie erließ Haftbefehl. Bei seiner nächsten Einreise in Deutschland klicken am Flughafen also wohl die Handschellen. Dann dürfte er dem Gericht vorgeführt werden. Und wenn es ganz dicke kommt, wird der Schlagersänger, der in seiner Wahlheimat Florida in den USA lebt, sogar ausgeliefert.

Worum geht’s? Michael Wendler muss sich wegen Beihilfe zum Vereiteln einer Zwangsvollstreckung verantworten. Ihm sollen Autorenanteile an Musiktiteln überschrieben worden sein, um das Vermögen des ursprünglichen Rechteinhabers vor der Vollstreckung zu bewahren. So laute der Vorwurf im Strafbefehl, der sich demnach auf sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung beläuft. Als Bewährungsauflage seien 100.000 Euro an die Staatskasse vorgesehen. Bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Michael Wendlers Haftbefehl ist hausgemacht

Doch das hat Michael Wendler offenbar nicht eingesehen. Denn: Eine Vorstrafe könnte verhindern, dass er die amerikanische Staatsbürgerschaft bekommt. Seit 2017 lebt der Musiker laut „Bild“ mit einer Greencard in den Staaten, im November könnte er die Einbürgerung beantragen. Um der Vorstrafe zu entgehen, soll Michael Wendler 2020 Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt und den Prozess damit selbst erwirkt haben.

 Ein leerer Stuhl steht in einem Sitzungssaal des Amtsgerichts – im Hintergrund  steht Richterin Nadja Kuczera. Weil der umstrittene Schlagersänger Michael Wendler nicht als Angeklagter in einem Prozess erschienen ist, soll er nun per Haftbefehl zur Verhandlung gebracht werden. dpa/Malte Krudewig

Am Vorabend des Prozesses hatte Michael Wendlers Anwalt dann aber beantragt, seinen Mandanten von der Pflicht zu entbinden, persönlich nach Dinslaken zu kommen. Er sah es als nicht zwingend notwendig an. Das Gericht teilt diese Meinung allerdings nicht. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen sogenannten Sitzungshaftbefehl, der solange gilt, bis der 49-Jährige die USA verlässt und persönlich vor Gericht erscheint. 

Dreiste Masche von Michael Wendler, um Zeit zu gewinnen?

Sollte Michael Wendler wirklich abgeschoben werden aus den USA, könnte das Monate dauern. Es gibt ein Auslieferungsabkommen zwischen der EU den USA. US-Anwalt Frank Rubino hält im RTL-Interview eine Auslieferung aber für unwahrscheinlich: „Der einfachste Weg für die US-Regierung wäre, sein Einwanderungsvisum zu widerrufen. Dann könnte man ihn einfach ins nächste Flugzeug setzen. Doch bei so einer Kleinigkeit ist das unwahrscheinlich.“ 

Im Klartext: So lange Michael Wendler nicht nach Deutschland reist, ändert sich für ihn erst einmal gar nichts. Gut möglich, dass er mit dieser Taktik des Zeitgewinns sein Ziel, die Einbürgerung in den USA, sogar erreicht.