Streit im Sommerhaus der Stars. Bachelor Andrej Mangold im Zoff-Gespräch mit Kubilay Özdemir.  Foto: TVNOW

Nein. Das „Sommerhaus der Stars“ war noch nie das friedfertigste unter den deutschen Reality-TV-Formaten. Hier zoffte sich das (Ex-)„Love Island“-Paar Elena Miras und Mike Heiter erst selbst, und dann mit den Wendlers. Hier drohten sich „Bachelorette“-Boy Johannes Haller und TV-Urgestein Willi Herren vor laufenden Kameras und hier verbrüderten sich ganze Scharen von C-Promis gegen Dani Büchner. Doch was zu Beginn der fünften Staffel passierte, sorgte selbst bei hartgesottenen Trash-TV-Fans für herunterfallende Kinnladen.

Es war nur einer der menschlichen Tiefpunkte der neuen Staffel, aber wohl der, der die meiste Aufmerksamkeit generierte: Kubilay Özdemir – IT-Unternehmer und Lebensgefährte von It-Girl Georgina Fleur – spuckte Andrej Mangold, dem „Bachelor“ von 2019 im Streit ins Gesicht. Folgerichtig stellten sich alle übrigen Hausinsassen gegen Georgina und ihren Freund und sorgten mit einer Art Streik für deren Auszug.

Sie zogen den Ärger an: Georgina Fleur und Kubilay Özdemir. Foto: TVNOW/Stefan Gregorowius

Weniger konsequent waren die „Sommerhaus“-Bewohner zunächst bei Andreas Robens, seines Zeichens TV-Auswanderer und Fitnessstudio-Betreiber auf Mallorca. Der Muskel-Proll stichelte nämlich nicht weniger als „Kubi“ und hatte offenbar zu jedem Kandidaten etwas zu sagen. Manchmal wurde es dabei rassistisch, als er der YouTuberin Lisha sagte, er wolle kein Toast, sondern einen Lahmacun, manchmal einfach grob, als er seiner Frau Caro oder Tim – dem Freund von Annemarie Eilfeld (DSDS) – den Mund verbot, und manchmal einfach verletzend, als er Kubilay mehrfach einen „Hurensohn“ nannte und ankündigte, ihn zu verprügeln. Und so sorgte er durch die Kombination an Kraft, Wut und Unkontrolliertheit für Angst im „Sommerhaus“.

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Doch wieso rasten so viele Kandidaten in der Show aus? Allein die 50.000 Euro Siegprämie können es nicht sein. Viel eher schon das Konzept der Sendung, das darauf ausgelegt ist, die Kandidaten aus ihrer Komfortzone zu holen. Denn beim „Sommerhaus der Stars“ bringen die Promis ihre Lebenspartner – und damit auch ganz alltägliche Probleme – mit, die die Stimmung aufheizen. Selbst absolute Medienprofis können da mal die Fassung verlieren – doch die Partner sind oft keine Medienprofis, was den Effekt noch verstärkt.

Das Bodybuilder-Paar Caro und Andreas Robens. Foto: TVNOW/Stefan Gregorowius

Hinzu kommt die Unterbringung, die alles andere als herrschaftlich ist. Die Kandidaten werden gegen eine entsprechende Gage in ein zu kleines Haus mit lediglich einem Badezimmer und reichlich Doppelstockbetten gepfercht. Privatsphäre gibt es quasi nicht. Dass das Haus in der fünften Staffel Corona-bedingt nicht im sonnigen Portugal, sondern in im regnerischen Münsterland stand, wirkte sich sicherlich nicht positiv auf das Gemüt der Kandidaten aus. Und auch die Verpflegung soll dürftig sein, wie Ex-Kandidatin Kate Merlan im Interview mit dem Online-Portal „Watson“ verriet. „Du kriegst Ketchup, Toast und Nudeln und eine Tütensoße“, sagte sie. Das deckt sich etwa mit den Bildern vom ersten Abendessen der fünften Staffel.

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Gut versorgt seien die Kandidaten hingegen mit Alkohol gewesen, sagte Merlan, die im vergangenen Jahr mit dem Caught in the Act-Sänger Benjamin Boyce im „Sommerhaus“ war und seither als Reality-Star durch die Shows tingelt. „Wir hatten Unmengen Alkohol im Haus, und der wurde auch immer nachgeliefert“, sagte sie. In ihrer Staffel habe das zu viel Streit geführt.

Viele Menschen, wenig Platz: das „Sommerhaus der Stars“. Foto: TVNOW

Gleiches gilt wohl für die ersten Tage im „Sommerhaus“ 2020. Schon am frühen Morgen war Kubilay mit „Konterbier“ zu sehen, während Andreas Robens sich, kaum noch Herr seiner Sinne, immer wieder am Tetra-Pak-Wein bediente, obwohl er doch immer beteuerte, überhaupt keinen Alkohol zu vertragen. Und so tänzelten an den ersten Tagen im Sommerhaus Kubilay als Provokateur („Meine Ausrede ist Alkohol“) und Haudrauf Andreas („Ich war lieb, ich hab alles erreicht, ich bin Andreas“) dauerberauscht umeinander und sorgten so nach den Mobbing-Attacken bei „Promis unter Palmen“ – frei nach Rudi Völler – für einen noch tieferen Tiefpunkt im eigentlich so ansprechenden Trash-TV-Jahr 2020.