„Aber Vati“ mit Erik S. Klein in der Hauptrolle und den Zwillingen Kalle und Kulle: Die DDR-Serie aus den 70er-Jahren ist Kult.  Foto: MDR/RBB/DRA/Techner

Gerade wiederholt der MDR „Rentner haben niemals Zeit“ und „Geschichten übern Gartenzaun“ mit Herbert Köfer im laufenden Programm und in der Mediathek. Doch müssen wir erst warten, bis ein beliebter Star stirbt, damit wir die Serien-Hits aus der DDR wiedersehen dürfen? Denn die Sehnsucht der Zuschauer danach ist groß. Und die Serien-Wunschliste ist lang, reicht von „Aber Vati! bis zu dem Dauerbrenner „Zur See“.

Lieber MDR und lieber RBB, öffnet doch endlich eure Archive! Denn darin liegen so viele Schätze des DDR-Fernsehens, die nur darauf warten, wieder auf den Bildschirm zu kommen.

„Aber Vati!“ gab es im Juni nach langer Zeit endlich wieder zu sehen

„Aber Vati!“ ist so ein Schatz, den es sogar im Juni im MDR nach langer, langer Zeit endlich wieder zu sehen gab. Die vier Filme für diese Mini-Serie drehte das DDR-Fernsehen 1974, 1978 und 1979. Erik S. Klein (starb 2002) spielte den Witwer Erwin Mai, der viel Mühe mit der Erziehung seiner Zwillinge Kalle und Kulle hatte. Und so versuchten Freunde und Kollegen, dem gestressten Vati zu einer neuen Frau zu verhelfen. In den Filmen „Vati will nicht heiraten“, „Vati will heiraten“, „Vati hat geheiratet“ und „Fünf Jahre danach“ wird diese turbulente Geschichte erzählt. Es wäre eine Freude, wenn diese Folgen auf dem Bildschirm wieder kämen.

„Wege übers Land“: DDR-Serien-Hit mit Ursula Karusseit und Manfred Krug

Der Fünfteiler „Wege übers Land“ von 1968 hätte ebenfalls eine Wiederholung verdient. Darin werden die Jahre auf einem Bauernhof im Zweiten Weltkrieg, während der Flucht und Vertreibung, in der Zeit in der Sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR bis 1953 thematisiert. Kritisch wird sich in der Serie auch mit der „Bodenreform“ auseinandergesetzt, auch wenn dabei die Ansicht der DDR-Oberen die Oberhand behielt. In „Wege übers Land“ spielten die Stars der DDR mit: Manfred Krug, Armin Mueller-Stahl, die unvergessene Ursula Karusseit. Laut Umfrage des DDR-Fernsehens soll die Serie im Durchschnitt eine Einschaltquote von 77 Prozent gehabt haben.

„Wege übers Land“: 1968 lief erstmals die Serie mit Ursula Karusseit und Manfred Krug. Foto: DRA

Auch wenn sie in Zusammenarbeit mit der Stasi entstand: Die 16-teilige TV-Serie „Das unsichtbare Visier“ wurde zu einem echten Dauerbrenner im DDR-Fernsehen (1973-1979), die Erkennungsmelodie von Walter Kubiczeck zu einem musikalischen Hit. In der Hauptrolle war Armin Mueller-Stahl als Ost-Agent zu sehen. Mit der prominenten Besetzung versuchte die Stasi, die Serie auch als eine Art Imageaufbesserung zu nutzen.

„Die Lindstedts“ mit Helga Raumer und Günter Grabbert waren 1976 zu Gast in ostdeutschen Wohnzimmern. Foto: DDR-Fernsehen

„Das unsichtbare Visier“: DDR-Serie im Auftrag der Stasi

Unvergessen bleibt auch der Siebenteiler „Die Lindstedts“. Das Leben einer Familie auf dem Lande wurde erstmals 1976 im ersten Programm des DDR-Fernsehens gezeigt. Die Stars der Serie waren Günter Grabbert, Helga Raumer und Adolf-Peter Hoffmann, der den herrlichen Opa Lindstedt, dessen ganze Liebe den Enkeln und seiner Bienenzucht galt.

Das unsichtbare Visier: Armin Mieller-Stahl (re.) spielte in dieser Serie die Hauptrolle, die in Zusammenarbeit mit der Stasi entstand. Foto: RBB/DRA/Bangemann

„Spuk unterm Riesenrad“: Die sieben Folgen dieser DDR-Fernsehserie begeisterten 1979 Kinder und Erwachsene. In den Geschichten um die zu Leben erwachten Gespenster einer Geisterbahn spielten Katja Paryla als Hexe, Stefan Lisewski als Riese, Siegfried Seibt als Rumpelstilzchen und Käthe Reichelt als Oma die Hauptrollen. Der eigentliche Star war natürlich das Riesenrad aus dem damaligen Kulturpark Plänterwald. Die Serie wurde mit „Spuk im Hochhaus“ (1982) und „Spuk von draußen“ (1987) fortgesetzt.

Spuk unterm Riesenrad mit Katja Paryla als Hexe, Stefan Lisewski als Riese, Siegfried Seibt als Rumpelstilzchen. Foto: Youtube

Die Ereignisse um die Bodenreform und der LPG-Gründung in der DDR war auch Mittelpunkt der Serie „Daniel Druskat“. Die fünf Teile wurden 1976 im DDR-Fernsehen gezeigt, die der Sender erst nach dem Mauerfall im Dezember 1989 wiederholte. Der Grund: Manfred Krug, Hilmar Thate und Angelica Domröse spielten die Hauptrollen, die infolge der Ausbürgerung des Liedermachers Wolfgang Biermann (1976) die DDR verlassen hatten.

Hilmar Thate und Manfred Krug in der Serie„ Daniel Druskat“. Foto: MDR

DDR-Serienhit „Zur See“ ist das Vorbild für das ZDF-„Traumschiff“

Und auch das DDR-Fernsehen hatte sein Traumschiff, sogar noch vor dem ZDF! Wenn man Glück hat, wird ab und zu der Serien-Hit „Zur See“ (1977) im MDR und RBB wiederholt. In den neun Folgen war Horst Drinda als Kapitän Karsten zu sehen. Er steuerte allerdings kein Urlaunsschiff sondern mit der MS „Fichte“ einen DDR-Frachter, mit dem es um die Welt ging. Die Sehnsucht nach Reisen und fernen Ländern machte die Serie so erfolgreich, in der auch Stars wie Günter Naumann, Jürgen Zartmann oder Günter Schubert mitspielten.

Die Ost-Serie wurde Vorbild für den West-Seriendauerbrenner „Das Traumschiff“, das 1981 erstmals im ZDF zu sehen war. Der Westberliner TV-Produzent Wolfgang Rademann („Die Schwarzwaldklinik“) erzählte, dass er ein Fan der Serie „Zur See“ gewesen sei. Sie habe ihn für das „Traumschiff“ inspiriert, das allerdings ein Kreuzfahrtschiff sein sollte, so wie das „Love Boat“, das damals im US-Fernsehen lief.

Die Serie„ Zur See“ mit Horst Drinda und Günter Naumann war Vorbild für das ZDF-„Traumschiff“. Foto: NDR/DRA

Es bleibt nun zu hoffen, dass der RBB und der MDR diese schönen und unvergessenen Ost-Serien uns recht schnell wieder zeigt. Denn es gilt noch viele Serien-Schätzen zu heben, die auch aus der damaligen CSSR ins DDR-Fernsehen kamen – wie „Die Kriminalfälle des Major Zeman“ oder die fantastische Arzt-Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“, die das Vorbild für die ZDF-„Schwarzwaldklinik“ wurde.