Heinz Rudolf Kunze blickt auf eine erfolgreiche 40-jährige Karriere zurück. dpa/Michael Matthey

Dieses Lied lief in den 1980er-Jahren als Dauerschleife im Radio – und auch heute ist es regelmäßig zu hören: „Dein ist mein ganzes Herz“ ist der größte Dauerbrenner, den Heinz Rudolf Kunze in seiner 40-jährigen Karriere schuf. Das Lied sei ein „Gassenhauer“ wie „Satisfaction“ für die Rolling Stones, sagte Kunze, der am Dienstag 65 Jahre alt wird, gerade der „Rheinischen Post“.

„Dein ist mein ganzes Herz“ ist der größte Dauerbrenner, den Heinz Rudolf Kunze in seiner 40-jährigen Karriere schuf.

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Als „wortmächtigen Komponisten, Texter und Sänger“ bezeichnet sich Kunze in seiner neu erschienenen Autobiografie „Werdegang“. Vielleicht ist der studierte Philosoph und Germanist sogar der wortmächtigste, ziemlich sicher aber ist er der wortreichste. Denn üblicherweise schreibt er um die 400 Liedtexte im Jahr, im vergangenen Jahr sogar über 600 – das heißt, im Schnitt mehr als einen Text pro Tag.

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Heinz Rudolf Kunzes Vater war ein ehemaliger SS-Offizier

Kunze kam am 30. November 1956 im ostwestfälischen Espelkamp zur Welt. Die Familie stammte eigentlich aus der Lausitz in Ostdeutschland. Doch sein Vater – ein ehemaliger SS-Offizier – war erst 1956 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden, die Familie lebte damals im Flüchtlingslager Espelkamp. Immer wieder zog die Familie in den Folgejahren um, in Osnabrück blieb sie länger hängen.

Dort und im nahen Münster studierte Kunze ab 1975 und schloss mit dem Staatsexamen auf Lehramt ab, zwischendurch unterrichtete er auch. Womöglich kommt daher auch der Spitzname „Oberlehrer“, den ihm einige Journalisten in den 80er-Jahren gaben. „Ich habe nie gewusst warum“, sagte Kunze der „Rheinischen Post“. Die Bezeichnung finde er gemein.

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Heinz Rudolf Kunze begeisterte mit prägnanter Stimme und anspruchsvollen Texten

Aber vielleicht kam dieser Spitzname auch daher, dass Kunze nach seinen künstlerischen Anfängen ab dem Jahr 1980 seine eigene musikalische Nische deutschsprachiger Musik bildete. Da gab es die Hochphase der Neuen Deutschen Welle, daneben die Superstars Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen und wieder daneben die gesellschaftskritischen Deutschrocker. Und dann gab es Kunze, der mit prägnanter Stimme und anspruchsvollen Texten etwas Eigenes anbot.

Die Tür zu Kunzes Karriere öffnete ihm ein Erfolg bei einem Nachwuchsfestival in Würzburg 1980. Danach folgte der erste Plattenvertrag. Schon für sein zweites Album bekam er 1982 den deutschen Schallplattenpreis. Doch während manche damals noch mit dem poetisch-politisch-philosophischen Mix haderten, machte Kunze einen menschlich schwierigen, aber strategisch klugen Schachzug. Er beendete die Zusammenarbeit mit seinem Jugendfreund Mick Franke und arbeitete von da an mit dem Komponisten Heiner Lürig zusammen.

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Heinz Rudolf Kunze im November 1985 am Rande einer Aufzeichnung der TV-Sendung „WWF Club“ imago/teutopress

Lürig komponierte ab 1985 eingängige Melodien zu den Texten. Der Millionenerfolg „Dein ist mein ganzes Herz“, aber auch „Alles was sie will“, „Mit Leib und Seele“ oder „Aller Herren Länder“ sind Lürig-Kompositionen. Damit schaffte es Kunze in die Charts und zu goldenen Schallplatten. „Finden Sie Mabel“ oder „Wunderkinder“ wurden andere Radiohits.

Gut viereinhalb Millionen Alben verkaufte der Musiker in seiner Karriere, sein Vorjahresalbum „Der Wahrheit die Ehre“ schaffte es bis auf Platz drei der Charts. Er sei nicht Champions League, aber auch nicht dritte Liga, ordnet sich der Freund der Liedermacher Reinhard Mey und Hermann van Veen selbst ein in dem großen Segment deutschsprachiger Musik.

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Heinz Rudolf Kunze hat noch eine Menge unveröffentlichter Liedtexte in der Schublade

Der in zweiter Ehe verheiratete, nahe Hannover lebende Musiker hat trotz mittlerweile 41 Alben noch eine Vielzahl unveröffentlichter Liedtexte in der Schublade – mehrere Tausend sind es nach seinen eigenen Angaben. Mit diesem großen Erzähldrang sieht sich Kunze in der Tradition der zwei großen US-Liedermacher Leonard Cohen und Bob Dylan. „Die Arbeit, die Bob oder Leonard Cohen in Amerika machen, mache ich hier – wir sind schon vom gleichen Schlag“, sagte Kunze der „Rheinischen Post“.