Tom Gerhardt

„Verklemmt, pedantisch“: „Hausmeister Krause“-Star rechnet mit Wokeness ab

Der Kölner Comedian trauert den 90er Jahren nach, da sei alles viel freier gewesen. DAS stört Tom Gerhardt heute.

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Tom Gerhardt am 15. Januar bei der Fotoprobe des Theaterstücks „Hausmeister Krause - Du lebst nur zweimal“ in der Komödie im Bayerischen Hof.
Tom Gerhardt am 15. Januar bei der Fotoprobe des Theaterstücks „Hausmeister Krause - Du lebst nur zweimal“ in der Komödie im Bayerischen Hof.B. Insinger /Future Image / Imago

Mit den Blödel-Komödien „Voll normaaal“ und „Ballermann 6“ startete Tom Gerhardt in den 90ern durch, mit seinem „Hausmeister Krause“ wurde er zum Kult. In seiner Paraderolle als oberspießiger und dackelverliebter Dieter Krause steht der Kölner Comedian inzwischen auf der Theaterbühne. Den jahrzehntelangen Erfolg von „Hausmeister Krause“ erklärt er sich mit den „urdeutschen Eigenschaften“ seiner Figur. Einer aktuellen Gesellschaftsentwicklung kann er wenig abgewinnen.

Tom Gerhardt kann mit besonders hoher Aufmerksamkeit für Diskriminierungen aller Art wenig anfangen. „Die woke Bewegung ist so verklemmt und so kleinbürgerlich und pedantisch, wie ich es als Krause nie geschafft habe zu sein“, sagte der 67-Jährige der Deutschen Presse-Agentur vor der Premiere seines Stücks „Hausmeister Krause - Du lebst nur zweimal“ am Donnerstagabend (16. Januar) in München.

Der Kölner war in den 1990er Jahren mit den Kinofilmen „Voll normaaal“ sowie „Ballermann 6“ bekanntgeworden und hatte seine Kunstfigur des Hausmeisters Krause dann in den Nullerjahren in der gleichnamigen Fernsehserie ausgebaut. Dackel-Liebhaber Krause ist ein Spießer vor dem Herrn, der zugleich nach oben buckelt und nach unten tritt und sich gern in Kleinigkeiten hineinsteigert.

Tom Gerhardt: Die 90er Jahre waren viel freier

Gerhardts Humor steht für viele Fans für die 1990er Jahre, die Gerhardt als das freieste Jahrzehnt seines Lebens empfunden hat. „Es war wesentlich freier als diese viel verbisseneren, rechthaberischen Tendenzen, die wir jetzt haben. Wir reden heutzutage laufend von Verboten, das Bespitzeln wird auch schon wieder salonfähig. Und das ausgerechnet von denen, die sich früher immer so für die Freiheit eingesetzt haben.“ Er selbst lasse sich in seiner Arbeit davon nicht einschränken: „Die „Mimimi“-Bewegung kann mich mal gerne haben!“

Tom Gerhardt mit Ehefrau Nadja da Silva bei einem Event 2019 in Köln.
Tom Gerhardt mit Ehefrau Nadja da Silva bei einem Event 2019 in Köln.Future Image / Imago

Zwar findet Gerhardt den „Krause-Humor“ ziemlich zeitlos, dennoch ist der End-Sechziger von dem Langzeiterfolg seiner Kultfigur überrascht. Seine Erklärung: „Krause vereint ganz viele urdeutsche Charakterzüge in sich. Nämlich eine Mischung aus schrecklich und liebenswürdig. Er ist definitiv überängstlich, fast schon paranoid.“ Bei dem oftmals schlecht gelaunten Vertreter der „German Angst“ sei das Glas immer halbleer statt halbvoll. „Und er versteht es meisterlich, aus kleinsten Kleinigkeiten ein Riesen-Drama zu machen.“

Die Figur habe reale Vorbilder, vor allem an einen Hausmeister seiner jungen Jahre erinnert sich Gerhardt lebhaft. „Der fühlte sich wie der kleine Gott. Er legte peinlichst Wert auf Mittagsruhe und Abendruhe, von Wochenenden ganz zu schweigen. Doch wenn er morgens um 8 Uhr am Sonntag die Bohrmaschine anwarf und das ganze Haus erzitterte, dann meinte er nur: ,Ja, klar kann ich das. Ich bin doch der Hausmeister.‘“ ■