Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker: Seit 1986 spielt er in der Band, nun wird er 60 Jahre alt. Foto: imago images/Hübner

Die Geschichten von Karat, Silly oder den Puhdys scheint fast jeder Musikfan zu kennen. Doch die ostdeutschen Kultbands haben auch so manche Geheimnisse. Nun werden sie gelüftet – im Buch „Das vermutlich allerletzte Ostrockbuch“ des Berliner Musik-Journalisten Christian Hentschel (53), das am 23. November erscheint. Der KURIER darf bereits exklusiv einige Geheimnisse der Ostrocker verraten: So wie das von Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker. Ja, es könnte noch verborgenes Songmaterial von Tamara Danz geben, sagt der Musiker, der am Dienstag 60 Jahre alt wird.

Für Autor Hentschel (seit 2014 Mitherausgeber des Musikmagazins „Schall“) ist Silly eine ganz besondere Band. Im Frühjahr 1982 gründete er mit 14 Jahren den ersten Silly-Fanklub in der DDR. Und Tamara Danz, die legendäre Frontfrau, die 1996 an Brustkrebs starb, lernte Hentschel persönlich kennen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er für sein neues Ostrock-Buch (Verlag Neues Leben, 20 Euro) ein langes Interview mit Band-Gitarrist Uwe Hassbecker führte, der Tamara Danz kurz vor ihrem Tod heiratete.

Tamara Danz bei einem Silly-Konzert im Palast der Republik (1986). Es könnte noch verborgenes Songmaterial von ihr geben. Foto: ZB

Irgendwann kommt es im Gespräch zum Song „Blinder Passagier“, der 2013 auf dem Silly-Album „Kopf an Kopf“ (damals mit Anna Loos als Sängerin) erschien. Der Liedtext stammte noch aus der Feder der verstorbenen Tamara Danz. Gibt es da noch weitere Schätze von ihr, die Hassbecker künftig heben könnte? Tamaras Text zu „Blinder Passagier“ sei ein Zufallsfund gewesen, erklärt der Gitarrist. Es stammte aus der Produktionsphase zum Album „Paradies“ (1996), dem letzten, auf dem Tamara Danz zu hören war. „Der Text war so, wie er ist, fertig und hat auf ein Demo von mir gepasst, beziehungsweise habe ich die Musik so verändert, dass er passt. Den anderen hat es gefallen, und da haben wir das Lied gemacht“, sagt Hassbecker.

Lesen Sie auch:  Maschine: Warum ich Rammstein-Sänger Till Lindemann wegsingen musste >>

Aber er macht uns in dem Buch Hoffnung, dass noch mehr Material von Tamara Danz vorhanden ist. „Ansonsten gibt es vielleicht noch ein paar Notizen oder Fragmente von ihr. So richtig bin ich mir nicht sicher, ob man da noch drin rumwühlen soll. Vielleicht schauen wir uns das alles zu gegebener Zeit noch einmal an.“

Uwe Hassbecker und Anna Loos bei einem Silly-Konzert im Sommer 2018. Foto: imago images/Lakomski

2006 stieg die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos als Frontfrau bei Silly ein. Ende 2018 dann der große Knall: Die Wege von Loos und Silly trennten sich. Eigentlich wollte die Sängerin schon 2013 die Band verlassen, wie Hassbecker nun bestätigt. Die Musiker „waren damals über Annas Entscheidung eher überrascht, einen Tag nachdem wir die Goldene Henne bekommen hatten, und wir hätten im Fall des Falles wie heute auch natürlich weitergemacht“, sagt Hassbecker. „Es sind dann zirka vier Wochen ins Land gegangen, wir setzten uns gemeinsam hin und rauften uns zum Glück wieder zusammen. Gekriselt hat es aber 2013 durchaus schon mal deutlich.“

Verlag Neues Leben
„Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“

Am 23. November erscheint „Das vermutlich allerletzte Ostrock-Buch“ von Christian Hentschel im Verlag Neues Leben (20 Euro).

Derzeit kämpft Hassbecker öffentlich für seine Branche, die extrem unter der Corona-Krise leidet. „Alle unsere Konzerte sind 2020 aufgrund der Beschränkungen abgesagt worden und was im nächsten Jahr wird, weiß noch keiner so richtig“, sagt der Gitarrist. „Diese zaghaften Versuche, in Autokinos zu spielen oder mit freien Plätzen und großen Abständen sind gut gemeint, gaukeln aber etwas vor, das sich im Prinzip nicht rechnet. Eigentlich mag ich solche Sätze überhaupt nicht, und ich bin der letzte, der fragt, ob sich irgendwas rechnet. Aber wir leben davon, und wir werden nicht subventioniert. Unsere Crew, unser Management, unsere Gastmusiker, Veranstalter, Bühnenbauer, Techniker, Verleiher, Caterer, Busfahrer, und und und. Alle leben davon und sind seit dem Frühjahr 2020 faktisch mit einem temporären Berufsverbot belegt.“

In dieser Besetzung trat Silly noch vor der Corona-Zwangspause auf: Jäcki Reznicek, Uwe Hassbecker, Anna R, Julia Neigel und Ritchie Barton. Foto: imago images/Gartner

Wie geht es mit Silly weiter? „Wir planen im Moment optimistisch für 2021, und wir werden sehen“, sagt Hassbecker. „Irgendwie wird es schon weitergehen, schließlich haben wir schon andere Krisen überstanden.“ Hassbecker würde es freuen, wenn die Band dann mit City, Dieter „Maschine“ Birr und Julia Neigel bei der Rocklegenden-Tour auftreten könnten, die in diesem Jahr wegen Corona ausfallen musste.

Seit 1986 spielt der Gitarrist bei Silly. Bereut hat er das nie. „Silly ist ein großer Teil meines Lebens und meiner Biografie geworden. Mit allen Höhen und Tiefen habe ich das Leben kennengelernt in dieser Band, und dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt Hassbecker. „Silly ist wahrscheinlich das Beste, was mir in meinem musikalischen Leben passieren konnte.“