Ute Freudenberg steht auf dem Marktplatz ihrer Heimatstadt Weimar. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist einer der Kulthits des Ostens, bei dem ihr Publikum auch heute noch in Erinnerungen schwelgt: Die „Jugendliebe“ ist immer dabei, wenn Ute Freudenberg auf der Bühne steht. „Es ist für mich ein ganz großer Glücksfall, dass ich so mit einem Lied in Verbindung gebracht werde“, sagt die Sängerin, die am kommenden Dienstag (12. Januar) 65 Jahre alt wird. Eine Feier oder ihre sonst um diese Zeit übliche Ayurveda-Auszeit in Sri Lanka wird es wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht geben.

Auch wie in es in diesem Jahr mit ihren musikalischen Auftritten weitergeht, ist für die Weimarerin derzeit noch ungewiss. „Ich habe seit elf Monaten keine Konzerte geben können, das ist unerträglich für mich“, bekennt die energiegeladene Schlagersängerin, die mit ihrer Altstimme drei Oktaven bewältigen und ebenso Chansons interpretieren wie rockige Töne anschlagen kann.

Ute Freudenberg mit ihrer Band „Elefant“ Foto: Imago Images

„Ute Freudenberg ist stilistisch eine der vielfältigsten Ostkünstler - das macht ihr Image und ihre Qualität aus“, meint der Musikmanager Jörg Stempel, der heute im Auftrag von Sony das Erbe des staatlichen Musiklabels Amiga verwaltet. Entdeckt wurde ihr Gesangstalent allerdings mit einem Westsong, als sie mit 15 Jahren im Ferienlager „Mendocino“ anstimmte.

Es folgten ein Gesangsstudium an der Hochschule „Franz Liszt“ in Weimar, Jahre mit der Rockgruppe „Elefant“ - deren Mitbegründerin Freudenberg 1976 war - und der Hit „Jugendliebe“, der zum DDR-Klassiker avancierte. „Der Titel war eigentlich das erste tanzbare Musikstück, mit einfachen Harmonien und einem Text, der wohl jeden anspricht“, sagt der frühere Amateurtanzmusiker und heutige Kurator des Ostrockmuseums in Kröpelin (Mecklenburg-Vorpommern), Reinhard Dankert.

Inzwischen blickt die Sängerin auf eine fast 50-jährige Musikkarriere zurück - mit vielen Erfolgen, unzähligen Fernseh- und Konzertauftritten, Alben und Preisen. Aber auch schwierige Zeiten kennt Freudenberg, die 1984 in den Westen ging, weil sie für sich in der DDR keine berufliche Zukunft mehr sah.

Ute Freudenberg verließ 1984 die DDR. Foto: Imago Images

„Ich kann darüber nicht mehr reden“, sagt Freudenberg heute, die damals alles zurückließ: Familie, Mann, Fans. Der erhoffte Durchbruch im Westen blieb ihr damals verwehrt. In ihren Düsseldorfer Jahren habe sie gelernt, sich für nichts zu schade zu sein und sich von nichts beirren zu lassen. Die im Osten erfolgsverwöhnte Künstlerin arbeitete als Studiosängerin und sang jahrelang auf Kreuzfahrtschiffen. 1988 intonierte sie unter dem Künstlernamen Heather Jones den Titelsong zum Tatort „Pleitegeier“. Als sie 1996 schließlich wieder in ihre geliebte Thüringer Heimat zurückkehrte, habe sie zunächst auch in Einkaufszentren und vor Autohäusern gesungen.

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„Ich habe mir seither wieder ein kleines, aber feines Publikum erarbeitet“, resümiert Freudenberg, die allein in Weimar lebt, wo sie Haus und Garten hat. Als eine von wenigen Schlagersängern aus der DDR schaffte sie es gleichfalls bundesweit zu einem Bekanntheitsgrad. Ihr Duett mit dem westdeutschen Schlagersänger Christian Leis „Auf den Dächern von Berlin“ stürmte 2011 die Charts, und das gemeinsame Album „ungeteilt“ war für den Echo-Preis 20212 nominiert. Im selben Jahr kam ihre Biografie „Ute Freudenberg Jugendliebe“ von Christine Dähn heraus.

Ihr bislang letztes Album „Ich weiß, wie Leben geht“ erschien im Herbst 2019. Das Gros der Texte dazu schrieb die Popsängerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann. Zu ihrem 50-jährigen Bühnenjubiläum im nächsten Jahr will Freudenberg wieder mit einem neuen Album aufwarten. „Das ist aber derzeit alles noch in der Schwebe und noch nicht ausgereift.“ Ein Ende ihrer Musikkarriere kommt der Frau mit der Powerstimme auch mit 65 nicht in den Sinn: „Die Bühne ist mein Gesundbrunnen. Ich habe den Wunsch, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören - aber der ist noch lange nicht in Sicht.“