Alec Baldwin am Filmset, nachdem er den tödlichen Schuss auf seine Kamerafrau abgefeuert hatte. dpa/Jim Weber/Santa Fe New Mexican

Neue Enthüllungen zum Todesdrama beim Westerndreh im US-Staat New Mexiko: Der US-Schauspieler und Produzent Alec Baldwin hatte beim Dreh für seinen Film „Rust“ versehentlich die Kamerafrau Halyna Hutchins erschossen sowie Regisseur Joel Souza schwer verletzt. Nun kommt heraus: Die Crew war bereits vor der Tragödie genervt, die Stimmung am Set war angespannt und schlecht.

Das berichtet jetzt die L.A. Times. Demnach soll ein halbes Dutzend Crewmitglieder wenige Stunden vor dem Todesdrama gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert haben. Die Klagen richteten sich gegen überlange Arbeitszeiten, lange Anfahrtswege und unzumutbare Wartezeiten auf den Lohn.

Drei unbeabsichtigte Schüsse aus angeblich ungeladenen Waffen am Filmset von„ Rust“

Die Zeitung zitiert ungenannte Quellen, denen zufolge auch Sicherheitsvorschriften beim Dreh nicht eingehalten worden sein sollen. Dabei soll sich auch ein Kameramann oder eine Kamerafrau über die Sicherheit im Umgang mit den Filmwaffen am Drehort beschwert haben. Drei Crewmitglieder erwähnten dem Bericht zufolge, dass bereits vor dem Unfall mehrere unbeabsichtigte Schüsse aus den Waffen abgefeuert worden sein sollen. Die Waffen hätten zu dem Zeitpunkt eigentlich ungeladen gewesen sein sollen.

„Es hätte eine Untersuchung geben müssen, um aufzuklären, was da passiert war“, sagte demnach ein anonymes Crew-Mitglied. Man habe keine Zusicherung erhalten, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen könnten. „Alles, was sie wollten, war: schnell, schnell, schnell fertig werden.“

Die Produktionsfirma Rust Movie Productions betont hingegen, ihr sei keine offizielle Beschwerde hinsichtlich der Sicherheit im Umgang mit Waffen am Filmset bekannt. Dennoch werde man die Filmpause nutzen, um den Vorgang intern zu untersuchen. Dabei wolle man mit den Behörden zusammenarbeiten.

Polizei untersucht Verantwortlichkeit von Waffenmeisterin und Regieassistent

Nach dem tödlichen Schuss des Hollywood-Stars Alec Baldwin auf eine Kamerafrau konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Waffenmeisterin und den Regieassistenten des Filmdrehs. Die 24-jährige Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed war während des Drehs für die Unglücks-Waffe sowie zwei weitere verantwortlich, wie US-Medien am Samstag aus einem vorläufigen Untersuchungsbericht der Polizei zitierten.

Gutierrez-Reed ist die Tochter des langjährigen Hollywood-Waffenmeisters Thell Reed. Die 24-Jährige hatte sich in einem Podcast im September über ihren ersten Filmauftrag für den Western „The Old Way“ mit Nicolas Cage geäußert. „Ich war anfangs wirklich nervös und hätte den Job beinahe nicht angenommen, weil ich nicht sicher war, ob ich bereit bin. Aber als ich ihn machte, lief alles glatt“, sagte sie.

Notruf: Mitarbeiterin beschuldigt Regieassistent

Regieassistent Dave Halls hatte Baldwin demnach die Waffe während der Probe für eine Szene mit dem Hinweis gereicht, dass es sich um eine „kalte Waffe“ handele. Im Filmjargon bedeutet dies, dass sie keine scharfe Munition enthält. Halls „wusste nicht, dass die Waffe mit scharfer Munition geladen war“, heißt es im Polizeibericht.

Auf am Samstag veröffentlichten Aufnahmen des Notrufs nach dem Unglück sagte eine Mitarbeiterin am Set: „Wir haben zwei Menschen, die versehentlich mit einer Requisitenwaffe angeschossen wurden. Wir brauchen sofort Hilfe.“ Auf die Frage, ob die Waffe mit echter Munition geladen gewesen sei, sagte sie: „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Sie beschimpfte jedoch den Regieassistenten und erklärte: „Dieses Arschloch von Regieassistent, der mich beim Mittagessen angeschrien hat ... Er sollte die Waffen kontrollieren, er ist verantwortlich für das, was am Set passiert.“