Der wohl außergewöhnlichste deutsche Musikstar kam am 17. Mai 1946 im westfälischen Gronau zur Welt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Geht es auch cool dem Tod entgegen? Klar, mit Udo Lindenberg, dem seit einiger Zeit scheinbar eher jünger als älter werdenden großen Star des deutschsprachigen Rocks. Zu seinem 75. Geburtstag am Montag veröffentlicht Lindenberg ein neues Album, das seine Berg-und-Tal-Fahrt aus Hits und Abstürzen mit der Single „Ich würd’s wieder genauso tun, wie’s war“ kompakt zusammenfasst.

In dem Lied setzt sich Lindenberg auch in seinem unverwechselbar schnoddrig-ironischen Ton mit dem Tod auseinander. „Der Tod verließ mein Zimmer, spät in der Nacht, ich hab mit ihm einen neuen Deal gemacht, er gibt mir noch ’n paar Jahre, bis wir uns wiedersehen, bis dahin hab ich noch ’n paar mehr Storys zu erzählen“, heißen die Zeilen, die Lindenbergs Fans eine Verheißung auf weitere Veröffentlichungen ihres Stars sein werden.

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Schon mit Anfang 40 hatte Udo Lindenberg einen Herzinfarkt

Erstaunlich an der Single ist, wie frisch Lindenberg klingt – vor 30 Jahren klang er nicht jünger. Mindestens genauso erstaunlich ist, dass er überhaupt noch da ist. Schon mit Anfang 40 hatte Lindenberg einen Herzinfarkt, mit Mitte 50 kam er mit 4,7 Promille ins Krankenhaus.

Udo Lindenberg sieht man fast nie ohne Hut. Hier ein Foto aus dem Jahr 1973. Foto: Imago Images

Der Bild-Zeitung sagte er einmal, es habe eine Phase gegeben, da habe er nur noch Restblut im Alkohol gehabt. Es waren Abstürze, die ihn immer wieder zurückwarfen. Heute versichert er dennoch, dass er alles wieder genauso machen würde.

Der wohl außergewöhnlichste deutsche Musikstar kam am 17. Mai 1946 im westfälischen Gronau zur Welt. In der Stadt, in der Typen wie er früher den Stempel „Spinner“ bekamen, steht längst ein Lindenberg-Denkmal.

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Schon im Alter von elf Jahren spielte der Sohn eines Klempners und einer Hausfrau Dixieland-Schlagzeug, mit 15 Jahren lernte er Kellner in der Düsseldorfer Altstadt, ab den 1970er-Jahren veröffentlichte er Musik. Den Durchbruch brachte 1973 das Album „Andrea Doria“ mit den Hits „Alles klar auf der Andrea Doria“ und „Cello“.

Udo Lindenberg, der Meister der Wortspiele

Populär machte ihn dieser „sehr eigenwillige, abenteuerliche Gesangstil“, wie er selbst einmal sagte. Ein Stil, von dem Experten sagen, dass er einfach klinge, aber schwer zu singen sei.

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Zur Person

Udo Lindenberg wurde am 17. Mai 1946 in Gronau (Westf.) geboren. Er begann seine Musikerlaufbahn als Schlagzeuger und wurde mit deutschen Texten zum Rockstar. Lieder wie „Andrea Doria“, „Cello“ „Mädchen aus Ostberlin“, „Sonderzug nach Pankow“ und „Horizont“ gehören zu den Hits aus den 1970ern und 1980ern. Bereits 1992 erhielt er den Musikpreis Echo für sein Lebenswerk. 2008 feierte der Sänger mit „Stark wie Zwei“ ein Comeback und das erste Nummer-eins-Album seiner Karriere. Ein Musical („Hinterm Horizont“) zu seinen Songs kam auf die Bühne, ein Film („Lindenberg! Mach Dein Ding“) über seine frühen Jahre auf die Leinwand. Neben der Musik hat der im Hamburger Hotel Atlantic lebende Künstler noch eine große Leidenschaft: Er malt und ist berühmt für „Likörelle“ mit Likörfarben.

Das Nuscheln ist das eine Erfolgsgeheimnis, das Wortspiel das andere. Figuren wie Bodo Ballermann oder Elli Pirelly ließ er zu geflügelten Begriffen werden, heute drehen sich die Wortspiele vor allem um ihn selbst. Er nennt sich Udonaut, sein Album verkauft er als Udopium.

Konstant ist nur die Panik. Lindenberg lässt sich vom Panikorchester begleiten, vergibt mit seiner Stiftung einen Panikpreis und nennt sich den Panik Panther. Wofür das Wort Panik noch steht – längst vergessen.

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Längst vergessen ist auch, dass Lindenberg lange vielen auf die Nerven ging. Etwa durch sein politisches Engagement in der Friedensbewegung oder seinen Umgang mit der DDR. Sein in der DDR äußerst erfolgreiches „Mädchen aus Ostberlin“ beruht angeblich auf seiner eigenen wahren Liebesgeschichte mit einer jungen Frau aus Ost-Berlin, die allerdings der Stasi zuarbeitete. Angeblich hat er sogar einen Sohn mit ihr.

Rockmusiker Udo Lindenberg (l.) überreicht dem ehemaligen SED-Generalsekretär Erich Honecker (M.) eine Gitarre mit der Aufschrift „Gitarren statt Knarren“. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Immer wieder forderte Lindenberg die Möglichkeit zum Auftritt in der DDR ein, nach seinem Hit „Sonderzug nach Pankow“ durfte er 1983 in Ost-Berlin auftreten. Doch in Westdeutschland wurde ihm sein Umgang mit der DDR-Führung immer wieder als anbiedernd ausgelegt.

Doch auch das ist längst Vergangenheit. Die Gegenwart ist ein absehbarer neuer Charterfolg mit seinem neuen Album. Wie die GfK Entertainment ermittelte, war Lindenberg mit bislang 52 Alben und 23 Singles insgesamt 1134-mal in den deutschen Charts platziert. Geht es nach ihm, ist damit noch lange nicht Schluss. „Wir bleiben locker im Gespräch, der Tod und ich“, sagt Lindenberg. Er sei der „Erste Vorliegende des Clubs der Hundertjährigen“ und bleibe noch lange am Start.